Nachtrag:

Die Besitzerin des Hütehundes, über den ich in dem Artikel berichte, hat mir eine Nachricht geschickt, die mich zum Einen natürlich ziemlich bauchpinselt, zum anderen aber durchblicken lässt, wie schwer und emotional belastend eine solche Situation für die Hundehalter ist:

Hallo Normen, deinen neuen Beitrag finde ich klasse und sehr gut formuliert.

Seit (Name des Hundes) nicht mehr bei uns ist, haben wir fast täglich über ihn gesprochen. Wie kam es soweit, was haben wir falsch gemacht, wo und wie hätten wir ansetzen müssen und wer hätte uns helfen können.
Auch wenn es zu Gefühlsduselig ist, fehlt er noch immer und auch das vermissen lässt nicht nach.

Es sind aber auch Erkenntnisse geblieben. Bitterer Erkenntnisse. Man vertraut und bezahlt blind, man handelt gegen sein Gefühl und man verlässt sich auf andere mehr als auf sich selbst. Jeder Strohhalm wurde ergriffen, jeder Trainer im voraus bezahlt. Man hat nicht an sein ungeborenes Kind gedacht-nur an die nächste „trainingsstunde“.

Einige Monate nachdem (Name des Hundes) nicht mehr bei uns war, stand die frage im Raum irgendwann nochmal einen Hund zu halten. Wie schön es mit einem Hund sein kann und wie wertvoll es für eine Familie ist.

Mein Fazit aus dem ist: ich kann es nicht. Nicht weil an (Name des Hundes) keiner rankommt oder weil wir nicht in Training, Geld oder zeit investieren wollen. Die frage ist so leicht zu beantworten: ich habe Angst vor Hunden. Vor jedem! Den 14 Jahre alten Westi meiner Mutter meide ich. Ich wechsel die Straßenseite wenn mir auch nur ein Yorki entgegenkommt und meinen „Gassi geh Hund“ kann nich auch nicht mehr ausführen!

Die sogenannten Trainer schaden in erster Linie den Tieren. In zweiter auch den gutgläubigen Haltern, die das Vertrauen in sich, den Tieren und den dienstleistern.

Mein Sohn wird wahrscheinlich viele Jahre nicht mit Hunden in Kontakt kommen-wegen meiner Angst und das ist nicht fair.

Ich bin mit Hunden aufgewachsen, in der Familie gab es immer welche und jetzt ist die liebe und Achtung weg! Es herrscht nur noch Misstrauen, Angst und Skepsis.

Danke Normen, dass ihr das ausbügelt was andere versaut haben. Danke, dass ihr die leben rettet, die andere eigentlich auf dem gewissen haben und danke, dass du unermüdlich aufklärst!

In meinen Träumen habe ich irgendwann mal wieder einen vierbeinigen Gefährten- dem ich so entgegen trete wie ich (Name des Hundes) einst entgegen getreten bin. Mit dem Unterschied von Anfang an alles besser zu machen!

Lg!

Nachtrag: Es gab eine Reaktion auf diesen Artikel, die Ihr hier findet!

Was haben Pepper, Ben und Rocky* gemeinsam? Alle drei Hunde wurden eingeschläfert, weil sie gebissen hatten und im Anschluss wahlweise von Tierärzten mit Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie oder von Hundetrainerinnen als untherapierbar eingestuft wurden.

Dies sind nur drei Fälle, die mir persönlich bekannt sind. Bekannt, weil es jeweils tierliebe Menschen gab, die die Einschätzung der Expertinnen nicht geteilt haben und  dem entsprechend bei uns angefragt haben, ob wir helfen könnten. Eingeschläfert, weil wir keine Kapazitäten hatten oder weil unser Hilfsangebot nicht angenommen wurde.

Diego, Aleo und Nanook wiederrum sind unsere Hunde, d.h. wir haben sie adoptiert – nachdem sie von Fachleuten als untherapierbar eingestuft und ebenfalls eingeschläfert werden sollten. Am Wochenende bekommen wir wohl Zuwachs, ein Border Collie-Mix, der – Ihr ahnt es schon – am 18.6. seinen Einschläferungstermin gehabt hätte, wenn nicht ein umsichtiger Mensch in letzter Minute eingeschritten hätte. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Tierärztin, die der Einschläferung ohne ausgiebiger vorheriger Inaugenscheinnahme zugestimmt hatte, gleichzeitig die Leiterin des Tierheimes ist, welches den Hund vorher abgelehnt hatte.

Kollege Mario, bei dem die Hündin nun erstmal zwischengeparkt ist, schrieb mir an diesem Abend über Facebook: „der Hund ist jetzt bei uns, ist scheinbar eine total nette, momentan sind wir nur völlig fassungslos, daß der Hund heute nachmittag eineschläfert werden sollte.“

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Es ist immer das selbe.

Wir bekommen momentan täglich Anfragen, ob wir einen Hund nach einem oder mehreren Vorfällen aufnehmen können. Fast immer sehen wir uns mit der mehr oder weniger offenen Drohung konfrontiert, dass wir den Hund entweder aufnehmen oder er den Gang alles Vergänglichen geht. Und wir stehen mit dieser Belastung nicht allein da, alle Freunde und Kollegen, die sich solcher Hunde annehmen berichten ähnliches. Und in den letzten Monaten werden die Anfragen mehr und mehr und mehr.

Hinterfragt man im ersten Gespräch mal ein wenig die Geschichte des Hundes, erhält man immer wieder ähnliche Aussagen. Das Tier wurde in der Hoffnung auf einen treuen Begleiter angeschafft, man hat sich im Internet schlau gelesen und zig Bücher gekauft. Man hat Welpenstunden und Junghundekurse besucht. Und später, als der Hund dann angefangen hat, unerwünschtes Verhalten zu zeigen, hat man drei, vier, fünf Hundeschulen aufgesucht, die einem samt und sonders nicht helfen konnten. Irgendwann eskaliert die Situation soweit, dass eine Lösung her muss. Und zwar möglichst jetzt.

Ein Beispiel:

Vor einigen Monaten haben wir einen jungen altdeutschen Hütehund aufgenommen, der insgesamt 22 Mal (!) den Lebensgefährten der Besitzerin gebissen hatte. Mit 13 Monaten wohlgemerkt. Nun war die Besitzerin schwanger und erwartete in Kürze das Kind, dem entsprechend musste eine Lösung her.

Die erste Hundetrainerin hat natürlich erstmal eine Angst diagnostiziert und den Tipp gegeben, über Leckerchen und Heititei das Verhalten wegzuloben. Mit dem Ergebnis, dass der Hund – nun positiv bestärkt, in dem was er tut – erst richtig losgelegt hat. Dazu kam der „Tipp“ von der Expertin, dass es tierschutzrelevant sei, den Hund aus dem Schlafzimmer zu schmeissen. Das das Hütitüti den Lebensgefährten regelmäßig im gemeinsamen Bett stellte und herzfaft zuschnappte, wenn dieser es wagte, aufzustehen, wurde glattweg ignoriert. Scheiss auf die Gesundheit des Menschen, der arme Hund fühlt sich sonst allein. Fehlt eigentlich nur die Empfehlung auf getrennte Wohnungen.

So ging es weiter. Hundi wurde positiv bestärkt und hat im gesamten Trainingsprozess nicht einmal eine Grenze aufgezeigt bekommen. Wenn das Tierchen drohte, ging man ihm halt aus dem Weg, wenn er zubiss, wurde das Verhalten ignoriert – klar, in dem Moment hatte man auch andere Probleme – und zudem ziemlich wahllos in das Geknurre und Gedrohe reingelobt.

Als wir den Hund schliesslich übernommen haben, hatten wir einen völlig ungehemmten Köter am Bein, der wie ein dreijähriger Junge völlig ausflippte, wenn irgendetwas etwas nicht seinen Vorstellungen entsprach. Futter wurde genutzt, um es zu verteidigen, statt es zu fressen. Und wenn nichts „wertvolles“ da war, tat es auch ein Fusel, der gerade im Weg lag. Wenn man in einem solchen Moment nicht aufgepasst hat, ging der Kerl böse nach vorne und man hatte alle Hände voll zu tun, den Hund wieder von sich abzuflücken.

Natürlich sind solche Situationen nicht immer nett und man muss schon aus Selbstschutzgründen hin und wieder pragmatisch handeln– und so gab es in den sozialen Netzwerken teilweise heftige Reaktionen aus der Ecke der „Gewaltfrei“-Fundamentalistinnen, aber dazu später.

Noch ein Beispiel:

Im Januar 2012 bekamen wir einen Hilferuf von einer Bekannten. Eine junge Frau, Anfang Zwanzig, die auf ihrer Webseite ihre langjährige Erfahrung mit Problemhunden anpreist, hatte sich einen Border Collie aus einer Arbeitslinie ins Haus geholt, um ihn zu therapieren.

Der Hund hatte bei seinen Vorbesitzern, tschuldigung, „Besis“ gebissen und das Mädchen fand es augenscheinlich ziemlich cool, sich ein Projekt aufzubürden.

Ihre Fähigkeiten dazu hatte sie für viel Geld bei einem bekannten Ausbildungsinstitut erworben, musste jedoch sehr schnell feststellen, dass romantische Vorstellungen und verquere pseudowissenschaftliche Ergüsse mit der Realität oft nicht viel gemein haben.

Um die Fortschritte zu dokumentieren, führte sie ein „Pflegestellentagebuch“, in dem sich so witzige Passagen finden wie:

„Ich habe mich SOFORT weg gedreht und den Blick abgewendet, dennoch hat er mir nochmal in den Arm gebissen. Als ich zurück ging, den Blick weiter abgewendet, hat er los gelassen und dann noch ein zweites Mal angesetzt. Ich habe einfach nichts mehr gemacht und lediglich gemieden ihn anzusehen, daraufhin hat er dann ab gelassen.“

Da so etwas ja eine schwere Verhaltensstörung sein muss (Achtung Ironie!) suchte sich das Mädchen Hilfe bei einer Verhaltenstierärztin, die sogleich festgestellt hat, dass hier nur Medikamente helfen können. Vorher wurde er natürlich kastriert. Dem Hund Grenzen zu setzen und aggressives Verhalten einfach mal abzubrechen (ja, das böse Wort), dass kam weder der jungen Frau noch der Veterinärmedizinerin in den Sinn.

Stattdessen wurde der Hund medikamentös eingestellt und vorab schonmal die Euthanasie in den Raum gestellt:

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Auf Grund des Hilferufs unserer Bekannten habe ich damals angeboten, dass wir den Hund aufnehmen, mit ihm arbeiten und ihn weitervermitteln. Allerdings entsprach das nicht den Vorstellungen der Therapeuten, da wir ja ein Tierheim wären und sie den Hund ausschließlich in eine Endstelle geben würden. Die Begründungen für diese Entscheidung waren vielfältig, der arme Hund, der dem Stress ausgesetzt wäre, der Hundehalter, der von Null an neu beginnen müsste etcpp. Behalten wollte die junge Frau ihn aber augenscheinlich auch nicht.

Und so bekam ich einige Wochen später eine E-Mail von der Bekannten mit dem Inhalt:

(Name des Hundes) lebt definitiv nicht mehr :-(((
Ich muss das erstmal sacken lassen.

Diego <3

Diego ist wie oben beschrieben mein Hund, ich habe ihn aus einem Tierheim übernommen, weil er dort nicht zu managen war. Er zeigte keinerlei Frustrationstoleranz und ging „aus dem Nichts“ ins ungehemmte Beschädigungsbeißen, sobald sein sehr dünner Geduldsfaden gerissen ist.

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Ein Beispiel: Diego ist sehr distanzlos und fordert von allen Menschen Streicheleinheiten ein. Er lehnt sich an, bekommt seine seine Zuwendung und – Bäm – innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde dreht er sich um und attackiert den Menschen, der ihm eigentlich etwas gutes tun will. Weitere Beispiele wären Hundebegegnungen, bei denen er umlenkte, An- und Ableinen, In der Nähe stehen sowie jegliche unbekannte Situationen und jeder Hauch von Stress.

Diegos Vergangenheit ist nachweislich von Gewalt geprägt und er wurde von seinem Vorbesitzer heftig verprügelt. Irgendwann hat Diego gelernt, dass er sich Menschen vom Hals halten kann, in dem er seine Zähne einsetzt. Dazu kamen ungünstige Lernerfahrungen und Generalisierungen, was schliesslich dazu führte, dass Diegos Attacken jegliches Normalverhalten vermissen liessen. Der biss nicht zu, der rastete aus und verlor sich völlig in seiner Attacke.

Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin nahm sich Diego an und erarbeitete mit ihm den Maulkorb, so dass man nach Monaten endlich mit ihm spazieren gehen konnte – wenn man diese Tortur denn so nennen will.

Den fragwürdigen Geografiekenntnissen einer lieben Freundin ist es zu verdanken, dass ich eines Tages ins Tierheim fuhr und Diego begutachten sollte.

Da stand ich nun mit seiner Gassigängerin, am Horizont passierte irgendetwas und Diego legte los, attackierte heftig in Arme, Bauch und in Richtung Gesicht und  – es passierte nichts. Schliesslich hatte die zu Rate gezogene Hundetrainerin empfohlen, die Attacken zu ignorieren und abzuwarten, bis der Hund von seinem Opfer abließ. Das diese Vorgehensweise nicht viel mehr als blaue Flecken bei der Gassigängerin hinterließ, jedoch keinerlei Verhaltensänderung bewirkt hat, brauche ich hier nicht zu erwähnen, sonst wäre er ja nicht bei uns.

Oben habe ich erwähnt, dass Diego Opfer von massiv übergriffigen „Erziehungsmethoden“ geworden ist. Sogar am Abgabetag hat sein Vorbesitzer ihn noch sehr übergriffig behandelt, so dass eine Tierheimmitarbeiterin eingreifen musste. Diego ist tatsächlich einer dieser Fälle, in denen von Tierquälerei gesprochen werden kann. Dennoch darf, nein, musste auch Diego lernen, dass er mit seinen Attacken nicht zum Ziel kommt. Und auch bei einem Hund wie Diego muss ein solches Verhalten adäquat unterbunden werden.

Die Betonung liegt hier – und sage ich gerne deutlich –nicht auf nett und positiv bestärkend, sondern auf adäquat und fair.

Eine solche Aussage ruft in den sozialen Netzwerken und Hundeforen naturgemäß hysterische Reaktionen hervor und ich kann mir schon vorstellen, wie demnächst der Shitstorm über uns hereinbricht, weil im Fernsehen zu sehen ist, wie ich mit reality-gescrypteten Alphawurf einen Hund aus der Attacke hole. Und natürlich wissen sie es alle besser, die Facebook-Gruppen und die ganzen „Tierquälerei“-schreienden Damen, die Hundetrainerinnen und der komische Petitions-Messi.

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Da hätte ich nur eine Frage!

So weit, so gut. Nur eines noch. Wenn Ihr es wirklich besser wisst und wenn Eure Methoden wirklich so toll funktionieren, wie Ihr es auf Euren Webseiten, bei Facebook und  sonstwo rausposaunt, wie kann es dann sein, dass alle die von mir genannten Hunde im Tierheim oder in der Tiefkühltrühe gelandet sind?

Alle Hunde in meinen Beispielen, und wie gesagt, mir fallen noch viele weitere ein, sind samt und sonders bei solchen Hundetrainerinnen und Hundetrainern gelandet, die im Internet die absolute „Gewaltverneinung**“ propagieren, denen einfaches „Nein!“ schon zu brutal ist und die mittels intermediärer Brücke, Zeigen und Benennen, Doppelten Rückruf oder was weiss ich an ihren Hunden rumdoktorn.

Und die mit GENAU DIESEN Hunden gearbeitet haben. Also, warum sind die Hunde hier?

Wenn Zeigen und Benennen so gut funktioniert, wie kann es sein, dass der Hund trotzdem weiterbeißt, bis es zur Abgabe kommt? Und wenn sich alle Welt über Frau Nowak empört, weil sie inakzeptable Methoden anwendet, wie kann es dann sein, dass gleich vier der Empörten nicht in der Lage sind, mit den hochmodernen neuesten Erkenntnissen, die sie propagieren, einen 9 Monate alten schnappigen Aussie in den Griff zu bekommen?

Natürlich kenne ich auch die ganzen Ausreden von unkooperativen Haltern, dass man den Hund von vorneherein hätte positiv arbeiten müssen, mangelnder Bindung, Hundeschul-Hopping oder irgendwelchem Blödsinn von Deprivations- oder noch besser Prägeschäden.

Am Ende des Tages ist es so, dass Ihr euch gegenseitig dafür abfeiert, dass Ihr die großen Hundeseelenversteherinnen seid, während wir noch den Müll aufräumen, den Ihr bei Euren Kunden hinterlassen habt.

Und ich hätte manchmal nicht wenig Lust, einfach jeden einzelnen dieser Fälle öffentlich zu machen und Euch eiskalt an den Internetpranger zu stellen. Oder noch besser, Euch besuchen zu kommen und Euch mal so richtig aversiv die Meinung zu geigen. Aber auch so etwas stellt schliesslich eine Form der Gewalt dar, auch wenn Ihr das augenscheinlich anders seht, wenn man Eure Äußerungen so verfolgt.

Und Gewalt, die lehne ich grundsätzlich ab!

 

* Die Hundenamen habe ich geändert, schliesslich will ich niemanden verpetzen.
** Gewaltverneinung gilt selbstverständlich nur für Hunde, bei Menschen sind sie weniger zimperlich.

Eigentlich wollte ich ja in den letzten Tagen mal so richtig vom Leder ziehen.

Zum Beispiel gegen die komische Tante, die sich ihre verschwurbelte Hundewelt einfach dadurch erklärt, in dem sie ein paar Fakten, die jedem 10-jährigen, der „Was ist Was: Hunde“ gelesen hat, geläufig sind, einfach weglässt. Oder die komischen Hausfrauen, die jetzt eine Webseite betreiben, auf der sie ihre Form der Walldorfschen Stuhlkreis-Hundeerlebnispädagogik dadurch zum EINZIGWAHREN stilisieren, in dem sie VIEL IN GROSSBUCHSTABEN schreiben und alles, was ihnen nicht passt, als Ursache für jegliches Hundeproblem dieser Erde darstellen.

Der Hund knurrt? Klar, das muss an der „harten“ Erziehung liegen. Wobei „hart“ bedeutet, dass sich Menschen erdreisten, sich ihres normalen Wortschatzes zu bedienen.

Ein „Nein“ ist also eine brutale Einwirkung auf die arme Canidenseele. Ok. Würde man öffentlich so einen Blödsinn über Kindererziehung verzapfen, käme das Jugendamt. Am Anfang fand ich diese völlig humorlosen und hysterischen Damen noch irgendwie witzig. Mittlerweile geht die gegenseitige Selbstminimierung in Sachen inakzeptable Handlungen soweit, dass ich empfehlen würde, die grünen Schleifen mal auf Pestizide hin zu untersuchen. Eeeeaassy.

Als Qualifizierung muss dann auch mal der Realschulabschluß hinhalten, wenn es für eine Ausbildung nicht gereicht hat und als Referenz für das errungene Fachwissen wird dann ein Abend „Deutsch-Hund – Hund-Deutsch“ mit Martin Rütter rausgekramt. Wobei – wenn ich das recht verfolgt habe, ist mittlerweile ja sogar der Traumschwiegersohn unter den Hundetrainern als Gewaltverbrecher verschrien, weil er es tatsächlich wagt, Hunden etwas zu verbieten. Verrückte Welt, vor zehn Jahren stritt sich die „Wattebauschfraktion“ mit den „Hardlinern“. Heute verläuft die Grenze nicht mehr zwischen Hart und Zart, sondern zwischen Hirn und Hohl. Darauf einen Marker.

Aber wie gesagt, EIGENTLICH wollte ich vom Leber ziehen. Aber ich habe ja zur Zeit den Teufel im Haus. Da kommt man ja zu nix. Arco. Nennt sich Welpe. Das ich nicht lache.

Arco verbringt seine Freizeit damit, zu „spielen“, zumindest ist das seine Meinung. Meine anderen Hunde nennen es Schmerz. Gestandene Hütehunde und 65-Kilo Molosser suchen das Weite, sobald Klein-Arco die Arena betritt und sagt: „Lass uns spielen, ich habe Welpenzähne und ich weiss, wie man sie einsetzt.“ Natürlich lassen sich die Großen das nicht unbedingt gefallen. Aber genau in diesem Punkt wird der Unterschied zwischen einem „Harzer Fuchs-Welpie“ und einem „Deutschen Schäferhund-Baby“ deutlich.

Wenn ein DSH-Welpe auf die Mütze kriegt, jault er auf und schleppt sich beleidigt in die Ecke. Arco jault auf, knurrt und beisst seinem Kontrahenten kräftig in die Lefze. Aber richtig, mit Blut.

Meine Hunde schauen mich an und scheinen zu mich anzubetteln: „Bitte, gib den wieder weg. Wir werden auch nie wieder an die frischgepflanzte Hecke pinkeln.“ Zu spät, die Hecke ist hin, das meine Rache. Trag es wie ein Rüde!

Die Nacht verbringt Arco damit zu kläffen. Aber nicht dieses „ich bin ein Welpe, holt mich hier raus.“ sondern vielmehr „Du blöde Drecksau, wenn ich dich kriege bistdu fällig“. Schlaf ist mit einem Hund wie Arco überbewertet und Wände sind dazu da, sie mit dem Kopf zu durchbrechen.

Ich mag ja solche Hunde. Und ich will ja nicht vom Leder ziehen … Und eigentlich ist Arco ja ein Gooooooodboooi.

Vor einiger Zeit hat ein Schlauberger meine Internetseiten gehackt und Kraut und Rüben hinterlassen. Beim Aufräumen bin ich bin ich auf diese olle Kammelle gestossen und habe festgestellt, dass sich nischt aber auch jarnischt geändert hat. Deshalb hab ich mir gedacht, wärme ich das alte Gemotze doch einfach noch mal auf und veröffentliche es hier noch mal … 

Wie die Zeit vergeht … Nun ist es schon fast drei jahre her, dass ich LASSY.org zunächst als persönliches Blog ins Netz gestellt habe. Mittlerweile ist aus dem Blog ein “e.V.” geworden, eine Sache, an die ich mich nie so ganz gewöhnen werde, weil ich Vereinsmeierei absolut nicht ausstehen kann …

Wie auch immer, damals war der Grund für die Eröffnung der Seite, dass ich mich über irgendwas aufgeregt habe und ein Ventil gesucht habe, mir meinen Frust von der Seele zu schreiben. Und die Tatsache, dass sich auf dieser Seite seit einiger Zeit nicht sehr viel tut in Sachen neue Artikel, heisst sicherlich nicht, dass es jetzt weniger Dinge geben würde, die mich aufregen. Ganz im Gegenteil: Viele “Anektdoten” bringen mich derart auf die Palme, dass ich nicht mal wüsste, wie ich sie beschreiben sollte, ohne persönlich verletzend zu werden.

Die häufig so genannte “Tierschutzszene” ist schon ein lustiges Völkchen.

Schon der Begriff “Szene” ist irreführend, weil damit suggeriert wird, dass die Mitglieder eben dieser irgendeine Gemeinsamkeit hätten. Doch selbst, wenn man beginnt, die “Szene” in ihre Einzelteile zu zerlegen, also zum Beispiel in Hunde-, Katzen- oder Pferdeschützer, sucht man die bereits erwähnte Gemeinsamkeit vergebens.

Zumindest, wenn man noch positiven Eigenschaften sucht. Denn Egomanen, Profilneurotiker, unseriöse Geschäftemacher und Kriminelle findet man zu Hauf.

Da werden Spendenaufrufe für nicht existente Notfälle verbreitet oder – schlimmer gehts immer – schwerst kranke und leidene Tiere zum Zwecke der Selbstvermarktung fotografiert, gefilmt und dann mit ihrem schlimmen Schicksal im Internet Beute gemacht, anstatt sich verdammt nochmal an das Tierschutzgesetz zu halten und die armen Seelen zu erlösen.

Dort heisst es nämlich:

Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Spenden sammeln ist kein vernünftiger Grund und der Zweck der Aufklärung rechtfertigt es nicht, einem Lebewesen unnötige Qualen zuzumuten.

Immer wieder höre ich das Argument, dass “die armen Tiere doch sonst sterben/hungern/leiden oder was auch immer müssen“. Ein echtes Totschlagargument, um jede noch so wahnwitzige Idee zum vermeindlichen Wohle der Tiere umzusetzen.

Genau dieses Argument hat den Animal Horder erst begünstigt. Da werden dutzende Hunde und Katzen bei vermeintlichen Tierschützern “untergebracht”, weil sie doch sonst sterben müssten. Und niemand fragt, was das Leben zum Beispiel auf dem Zarenhof besser macht als ein Leben in einem spanischen Tierheim. Wo genau liegt der Unterschied? Abgesehen davon, dass Hunde in einem spanischen Tierheim eher selten verhungern …

50 Hunde in einen Transporter ohne Klimaanlage 40 Stunden nach Deutschland karren? Kein Problem, das Tierheim ist doch schliesslich überfüllt. Wenn der Transport dann Hops genommen wird, ist der Aufschrei groß.

Und wenn die Animal Horderin aufgeflogen ist, machen alle betretene Gesichter …

… und es geht weiter wie gehabt.

Dabei legt die “Tierschutzszene” – wieder eine Gemeinsamkeit – eine bemerkenswerte Menschenverachtung an den Tag. So geht momentan eine “prominente” Tierschützerin via Facebook und Co. gegen eine Tierärztin vor, die in irgendeinem Lokalblättchen ihre Meinung zum Auslandstierschutz geäußert hat und ruft zum Boykott dieser armen Leuchte auf.

Abgesehen davon, dass es das gute Recht dieser Tierärztin ist, Unsinn zu schreiben und manche Menschen damit sogar richtig viel Geld verdienen, gäbe es sehr sehr viele Themen, die die gleiche oder mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Aber es ist wesentlich einfacher, mit der Macht eines Titels auf irgendwelche unbedeutenen Viechdoktoren einzudreschen, als sich seriös mit komplexen Themen zu beschäftigen. Und alle machen mit – den Aufruf zum Boykott habe ich heute bereits fünf Mal bekommen.

Ebenfalls bei Facebook bekommt eine Frau den vollen Hass der “Tierschutzszene” zu spüren, weil sie ihren Hund hat einschläfern lassen, nachdem dieser ihr Kind gebissen hat und kein Tierheim ihn aufnehmen wollte. Da es sich hierbei um einen Listenhund handelt, fühlen sich nun die selbsternannten Hundeschützer auf den Plan berufen.

Leider haben sie eines nicht begriffen:

Natürlich ist es Schwachsinn, zu behaupten, dass ein Hund nur auf Grund seiner Rasse per se gefährlich ist. Es ist aber genauso schwachsinnig, zu behaupten, dass ALLE diese Hunde nur auf Grund ihrer Rasse harmlose und missverstandene Opfer eines rassistischen Systems sind.

Von den gefühlten 1000 Kommentaren fragt nicht ein einziger der großen Tierschützer, wie es dem Kind geht! Geschweige denn, dass irgendjemand einen Hauch von Verständnis dafür zeigt, dass die Dame es sich eben nicht leicht gemacht hat.

Mehr? Ende August 2010 tauchte bei Youtube ein Video auf, das eine junge Frau dabei zeigt, wie sie sichtlich amüsiert Hundewelpen in einen See wirft. Vollkommen logisch, dass der Sturm der Entrüstung losbrach. Schon kurze Zeit später hatte die Facebook-Gruppe, die sich gegründet hatte, um die Täterin zu finden über 5.000 Mitglieder, wie Spiegel Online am 1.9.2010 berichtete. Heute hat die Gruppe immer noch über 18.000 “Fans” – und das, obwohl die Täterin bereits am 3.9.2010 identifiziert wurde.

Wie weit diese Online-Jagd ging, zeigt ein Artikel der “Welt“, der unter anderem darüber berichtet, dass User Adresse, Profile und Fotos von “Verdächtigen” veröffentlicht hatten. Unter anderem auch von einer Schülerin aus der Nähe von München. In ihrem Fall wurden sogar ihre Telefonnummer und Schule, die sie besucht, veröffentlicht.

Die Schülerin erhielt daraufhin Anrufe bis hin zu Morddrohungen.

Aber wir Tierschützer wissen es ja besser, wissen wie die Menschen ticken und aus diesem Grunde gibt es auch die berühmten Schwarzen Listen, in denen man sich herrlich austoben kann, um seine “Kollegen” vor bösen Menschen zu bewahren. Ein Blick ins TAS zeigt, woran man einen potentiellen Tierquäler erkennt:

“Rauschebart und Säufernase”

Diesen Hinweis hat eine Dame als “Warnung” vor einen vermeintlich unseriösen Interessenten eingetragen – toll!

Aber warum sollte es den Adoptanten besser gehen als den Tierschützern selber? Es gibt gefühlt eine Million Foren, in denen sich  ganz andere Diskussionen abspielen als man denken sollte, wenn man “Fellnasen”, “Notpfoten” und andere eher flauschig klingende Titel liest.

Hier wird sich in Stellung gebracht. Wenn die eigene Arbeit schon unseriös oder illegal ist, kann man sie zumindest dadurch aufwerten, dass man die Arbeit der anderen als noch unseriöser und illegaler darstellt. Und wenn das nicht hilft, kann man immer noch zur persönlichen Beleidigung übergehen – aber bitte nicht niveauvoll, wenn schon, denn schon, ab unter die Gürtellinie …

Ganz am Ende kommen die Tiere, bzw. die süßen, gesunden, jungen und idealerweise reinrassigen unter ihnen. Der alte große und womoglich hässliche Mischlingshund kommt wenn überhaupt nur am Rande vor, z.B. bei Kastrationsaktionen oder – wenn ihn ein ganz schlimmes Schicksal ereilt hat – als Anheizer zum Spendensammeln.

Und während auch die großen Tierschutzvereine sich regelmäßig mit “Frischfleisch” aus dem Ausland eindecken – selbstverständlich während sie gleichzeitig über überfüllte Tierheime im Inland jammern – kommt häufig nichts und nur ein Bruchteil des Geldes tatsächlich bei den Organisationen vor Ort an. Schliesslich braucht der Vorstand neue Laptops oder der Tierheimleiter einen neuen Dienstwagen.

Und wenn es mit der Vermittlung mal nicht so klappt – kein Problem, da wird man kreativ.

So hat 2009 ein Tierschutzverein zwar die Welpen am Flughafen abgeholt, die Mutterhündin jedoch der Einfachheit halber einfach zurückgelassen. Auch der Wachmann, der vor einigen Tagen 20 Hunde auf dem Schiessplatz einer Polizeischule fand, hat sicherlich nicht schlecht gestaunt.

Und das es Vereine gibt, denen augenscheinlich scheissegal ist, wo ihre Hunde landen durfte ich selber feststellen, als ich im letzten Jahr einen Hund aus einer Messiwohnung holen durfte, der kurze Zeit vorher an die psychisch kranke Frau und ihren gewalttätigen und vorbestraften Lebensgefährten “vermittelt” worden war.

Die lapidare Reaktion des Vereins: “Vielen Dank für Ihre Mühe, Sie können den Artikel wieder offline nehmen …”

Aber es gibt ja noch weitere Möglichkeiten, den “Vertrieb” der Hunde anzuheizen. Da macht man aus Hunden, die im Tierheim sitzen einfach Hunde, die in einer Tötung sitzen und schon morgen sterben müssen. Blöd nur, wenn das rauskommt, aber im Krieg und im Tierschutz sind ja alle Mittel erlaubt …

All diese Beispiele zeigen – irgendwas scheint im Tierschutz grundlegend schief zu laufen. Wie kann das sein?

Nun, vielleicht sollten wir eins nicht vergessen: Tierschutzvereine sind auch nur Vereine – genau wie Kleingarten-, Kegel- oder Schützenvereine auch.

Es gibt jedoch einen gravierenden Unterschied: Als Tierschützer haben wir eine besondere Verpflichtung, den Tieren gegenüber, aber auch den Menschen, die auf uns bauen.

Schade, dass viele nur sich selber verpflichtet sind.

In diesem Sinne …

That’s all, Folks!

Ein Hund, der stark hechelt, von innerer Unruhe geplagt ist und hysterisch kläfft, zeigt Symptome von Stress, sagen Tierärzte. Es sei denn, er ein Hütitüti und sitzt im Kofferraum kurz vorm Training. Da nennt man das Vorfreude, sagte mir zumindest die Besitzerin des Hundes. So einfach ist das.

Der Hund, der da im Kofferraum des SUV vor Freude beinahe kollabierte, hieß „Pepper“ und war ein reinrassiger Aussie in der lustigbunten Farbe „Gen-Defekt*“. Nicht nur ein pfiffiger Lausbub, mit dem die ganze Familie Spaß haben sollte, sondern auch ein senisbler Freund für einsame Stunden. So stand es auf der Internetseite der Züchterin, die die Tierchen „liebevoll und familiär“ so als Hobby züchtete. Und ohne Papiere übers Internet verhökerte. Peppers Vater war der König unter den Showlinien-Aussies und sah ein bisschen aus wie ein explodiertes Sofakissen. Peppers Mutter wiederrum war das Ergebnis einer Liaison zweier Aussies aus dem Freundeskreis der Züchterin und war nicht minder plüschig.

Peppers Frauchen hiess Petra und hatte sich akribisch an das gehalten, was sie so über Hütehunde gelesen hatte. Auslastung körperlicher und geistiger Natür, Frühförderung und Aktivität. Kurz, Pepper hatte einen Tagesablauf wie ein 12-jähriges Mädchen mit größenwahnsinnigen Eltern.

Montags und mittwochs war „Aggi“ angesagt, samstags wurde für die Begleithundeprüfung gebüffelt und sonntags ging’s zum Flyball, weil Pepper so viel Spass an der Action hatte. Außerdem war Petra auf die Idee mit dem Dog Dancing gekommen, aber das machte sie mit Hilfe einer DVD zwischendurch zuhause. Damit der Hund auch geistig gefördert wurde, besaß Pepper sieben unterschiedliche Intelligenzspiele, von denen er drei nahezu perfekt beherrschte. Dazu dann noch die „Basics“ beim Gassigehen, ein bisschen Apportieren, Futter suchen, Fährte lesen und fertig war der Hundealltag.

Das sei nämlich alles wichtig, versicherte mir Frauchen, denn so ein Hütehund sei ein Arbeitstier und müsse entsprechend beschäftigt werden. Und Pepper macht das auch alles prima, ok, das Gekläffe nervt ein bisschen, aber im Forum hat sie gelesen, dass die Aussies so sind. Na dann. Und so stand ich da am Rand des Hundeplatzes und Pepper rannte um mich rum, sprang mich an, kläffte, rannte weiter, kläffte, sprang Frauchen an und kläffte.

Frauchen wiederrum erwiderte Peppers Verhalten mit einem „Sitz“, was Pepper mit einem „Sitz“ quittierte, nur um dann gleich wieder auf Achse zu sein. „Er ist ein bisschen unruhig, findest Du nicht?“ fragte ich Petra vorsichtig und sie erwiderte „Das ist die Vorfreude, weil es gleich los geht.“ Ok, das hatten wir schon.

Nun war Peppers Problem laut seiner Besitzerin, dass er sich nicht ganz so supergut abrufen liess, wenn z.B. Autos, Radfahrer, Jogger, Rehe oder Weinbergschnecken am Horizont auftauchten. Vermutlich, so dachte sie, wäre er nicht ausgelastet. Deshalb wäre er so ein klitzkleines bisschen nervös. Ich schaute Pepper 5 Minuten zu und hatte Kopfschmerzen.

Petras Idee war, dass Pepper ja Schafe hüten könnte, schliesslich wäre er ja ein Hütehund. Und da ich doch ein paar Schäfer kennen würde, hatte sie die Hoffnung, dass ich ihr da „jemanden vermitteln“ könnte, bei dem Pepper an den Schafen arbeiten könnte. Am besten vormittags, da wär sie in der Schule.

Vor meinem geistigen Auge stellte ich mir vor, wie Schäfer Franz einen halben Tag mit seinen Schafen plus Pepper unterwegs wäre und wie lange es wohl dauerte, bis Franz den Hund erschlagen würde. Ich vermutete so in etwa Zwanzig Minuten. Das Problem bei einer Erkenntnis wie dieser ist immer, dass Besitzer solcher Hunde relativ wenig Verständnis dafür haben, wenn man versucht, ihnen zu verstehen zu geben, dass ihr Arbeitstier ein hypernervöses Wrack und kein talentierter Hüte-Profi ist.

Also nutzte ich den gewünschten Vormittagstermin als Vorwand, Petra den vermeindlichen Zweitjob für ihren Hund wieder auszureden. „Vormittags ist der Schäfer am Stall, da langweilt sich der Hund doch nur.“ Wobei etwas Langeweile Pepper nicht schaden würde, aber das stand auf einem anderen Blatt Papier.

Irgendwie tat Petra mir leid. Eine Stunde mit diesem Hund und ich brauchte Beta-Blocker, sie hatte Pepper den ganzen Tag um sich rum, kläffend, fiepend, nervös und ruhelos. Auch tat mir Pepper leid, auch wenn er nervte. Immer unter Strom, immer in Aktion. Armer Hund!

Das Gegenteil von gut gemacht ist häufig gut gemeint. Und gemeint hatte Petra es bestimmt gut, als sie ihren Pepper gleich vom ersten Tag als Welpe förderte und förderte. Und vor lauter Förderung nicht mitbekam, dass sie sich einen kleinen Psycho heranzüchtete, der nie gelernt hatte, wie wichtig Ruhe und Gelassenheit gerade für einen Multitasking-fähigen Hund wie ihn sind.

Aber woher hätte sie es auch wissen sollen? Aus einem der vielen Bücher? Aus dem Forum? Von der Züchterin?

Es hält sich hartnäckig das Märchen von der unbedingten Pflicht, einen Hütehund ständig beschäftigen zu müssen, weil er sonst Neurosen oder dumme Ideen entwickelt. Das man genau diese Neurosen und dummen Ideen mit 24-Stunden-Bespassungsprogramm und undifferenzierter Förderung begünstigt, steht eher im Kleingedruckten. Nein, hast Du einen Hütitüti, dann hast du einen Vollzeitjob!

Mal ganz abgesehen davon, dass auch ein Molosser ein Recht auf artgemäße Beschäftigung hat – sollte Auslastung nicht an Spaß an der Freude stattfinden anstatt zum Selbstzweck?

Wieder stelle ich mir Schäfer Franz vor, wie er bei den acht Wochen alten Welpen seiner Hündin den „Spieltrieb“ fördert und den Schafstall in einen Welpenspielplatz mit Rutsche und Bällebad verwandelt … Öhm, am Arsch die Räuber mit Verlaub! Franz‘ Hunde lernen im ersten Jahr konsequent, Langeweile zu ertragen. Man ist nett zueinander, sonst nix. Frustrationstoleranz heisst das Zauberwort, das haben wir als Kinder automatisch gelernt, wenn wir am Tisch warten mussten, bis Papa in Seelenruhe zuende gegessen hat.

„Wer gelassen bleibt, wenn andere rennen, hat mehr vom Leben und spart sich den Weg zurück!“ So sieht’s aus, Franz!

„Schnell sind die automatisch.“ sagt denn auch der Schäfermeister, der es eher gemütlich mag. Genau wie seine Hunde eher ein „chilliges“ Leben haben. Gut, Zwei bis drei Mal in der Woche wird gehütet. Den Rest der Woche sind die anderen dran. An der Herde sind die Hunde hellwach und voll bei der Sache. Aber nur dann, wenn Franz es will. Die Schafe werden schliesslich nicht vom Laufen fett. Und jemanden beim Essen stören geht schonmal garnicht, der gute Hund schweigt und wartet, während das Schaf frisst und „Mäh“ sagt. Wieder nichts mit der erhofften Action.

Vollzeitbeschäftigung, wie Pepper sie erlebt, sieht anders aus. Und Franz wäre auch verrückt, einen seiner Hunde jeden Tag ohne Pause hüten zu lassen. Schliesslich sind die Tiere seine wichtigsten Arbeitskollegen. „Hast du keinen guten Hund, dann musst Du den Schafen selber hinterher rennen.“ Und da so ein Hund auch nicht jünger wird, muss auch er sich hin und wieder schonen. Die Berufsgenossenschaft nennt sowas Prävention.

Jemand wie Franz versteht die ganze Aufregung um die Hunde nicht. Erzählt man ihm, wie viel Aufwand Petra betreibt, um ihren Pepper glücklich zu machen, zuckt er nur mit den Schultern und sagt etwas sexistisches.

Warum Hütehunde die perfekten Hunde für jeden Zweck sein sollen, ist mir schleierhaft. Egal ob Familie oder Single, ob als sensibler Therapiehund, strahlender Turniersieger oder pfiffiger Begleiter – wenn sonst nix passt, ein Hütehund geht immer, ist immer leichtführig und, achja, natürlich intelligent und lernwillig. So lange er ausgelastet wird, nicht zu vergessen.

Ich habe mich mal in einem Forum geoutet und zugegeben, dass meine Hütehunde hin und wieder mit zu den Schafen kommen dürfen und ansonsten die Aufgabe haben, mich zu begleiten. Jeden Tag, ins Büro, in die Mittagspause, in den Urlaub und abends ins Schlafzimmer. Aber nicht ins Bett.

Ein Sturm der Entrüstung. Mir egal. Meinen Hunden gefällt’s.

 

*Das Merle-Gen ist für die gemerlte Fellfarbe (also Blue Merle, Red Merle oder bei den Altdeutschen Hütehunden „Tiger“ genannt) verantwortlich. Die Verpaarung zweier Tiere, die das Gen in sich tragen, führt häufig zu Behinderungen wie Taubheit, Blindheit oder zu anderen Erbschäden. In Deutschland fällt eine solche Verpaarung unter den Qualzuchtparagraphen, in anderen Ländern ist sie erlaubt, hat aber die selben Auswirkungen.

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„Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ So steht’s geschrieben, gleich im 1. Paragraphen des TierSchG, wie das Tierschutzgesetz so lustig abgekürzt wird. Worüber noch keine Einigkeit herrscht, sind die Fragen, was Schmerzen, Leiden und Schäden sind und vor allem, was ein vernünftiger Grund ist. Da gehen die Meinungen weit auseinander.

So gibt es einen vernünftigen Grund für Schmerz, Leid und Schäden, wenn der geneigte kostenbewusste Konsument im Gegenzug besonders preiswerte Hühnerbrustfilets für nur Einsneunundneunzig bei Aldi bekommt.

Die Hühner 20 Stunden lang quer durch Europa zum Schlachthof zu fahren, weil die Lohnnebenkosten da so niedrig sind, stellt wiederrum keinen vernünftigen Grund dar, dass die armen Tiere leiden müssen. Deshalb unterschreibt der tierliebe Mensch auch die 8Hours-Kampagne.

Anders verhält es sich wiederrum, wenn es Hunde sind, die 20 Stunden quer durch Europa gefahren werden. Dafür gibt es schliesslich einen guten Grund. Die Hundies werden ja gerettet. Und selbstredend weiss der moderne Straßenhund von Welt, dass er in das Land, in dem Milch und Honig fliessen befördert wird, während das dumme Huhn den nahenden Tod direkt vor Augen wähnt.

Ein weiterer vernünftiger Grund, Schmerzen, Leiden und Schäden insbesondere beim Hund in Kauf zu nehmen, ist die Eitelkeit modebewusster Hundefreunde. So eine schicke krummbeinige Qualzucht macht sich einfach prima, sieht witzig aus, ist teuer und auffälliger als das neueste Smartphone. So ein kleiner Kurznasiger zum Beispiel hat den riesen Vorteil, dass jeder selbst bei absoluter Dunkelheit mitbekommt, dass man so ein Accesoire sein Eigen nennt. Er schnorchelt so witzig vor sich hin.

Das so ein Racker kaum in der Lage ist zu atmen, gerne mal nach dem Fressen umfällt nimmt man gern in Kauf. Dafür gibt es Spezialfutter und OPs. Und die moderne Veterinärmedizin macht möglich, dass sich die Tierchen  trotz viel zu schmaler Becken, zu kurzer Beine und zu großen Köpfen sogar fortpflanzen können. Naja, künstliche Befruchtung und späterer Kaiserschnitt vorausgesetzt. Aber immerhin.

Der größte Stolz des Bulldogbesitzers? Der Hund kann atmen! Was für eine Errungenschaft.

Genauso kompliziert wie die Sache mit dem vernünftigen Grund ist die Definition von Schmerzen, Leiden und Schäden.

Das jegliche Form wie auch immer gearteter Körperlichkeit ganz klar einen Verstoß gegen §1 TierSchG darstellt, haben wir ja inzwischen gelernt und haken das Thema ab.

Nun gibt es aber eine Menge Menschen, die schon den direkten Blickkontakt als Gewalteinwirkung ansehen, ein „Nein“ als inakzeptables Bedrohungsszenario ansehen und sich dem entsprechend erheiternde Methoden haben einfallen lassen, mittels virtuellen Erdbeertee und Flickendecke die absolute Harmonie in die Mensch-Hund-Beziehung zu säuseln. So wird aus dem Kommando ein Wunsch, weil Kommando schon so klingt, als würden gleich die Stachelwürger ausgepackt.

Jetzt bin ich ja ein lernfähiges Kerlchen und möchte nicht in den Verdacht geraten, ich wäre einer dieser Tierquäler. Also habe ich mit meinen Hunden den Selbstversuch gemacht, habe mich ernsthaft eingelesen in die verschiedenen heilsbringenden Methoden und habe es ausprobiert.

Hat nicht geklappt, aber war wohl klar. Wie eine junge Frau bei Facebook schrieb, man muss sich darauf einlassen können. Ich persönlich vermute ja eher, dass mein Versuch, mit hoher Fistelstimme ein einigermaßen sauberes „Hiiiiiiieeeeeea, feiiiiiiiin“ hinzubekommen, auf meine Hunde wirkte, wie ein Axtmörder, der gerade sein nächstes Opfer in den weissen VW-Bus locken will. Aber es lag bestimmt an diesen inneren Konflikt und meine Unfähigkeit, mich auf neues, besseres einzulassen.

Ich glaube, meine Hunde mögen’s eher direkt. Alttestamentarisch! Betrittst du mein Grundstück, bist Du fällig. Auge um Auge. Legst Du deinen Kopf auf, gibt’s einen auf die Mütze. Markierst Du in mein Revier. BÄM. Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse friedliebenden Miteinanders sind ihnen augenscheinlich fremd, Regeln der Gastfreundschaft auch. Und Teilen erst recht. Sie sind halt Hunde und so behandeln sie ihr Gegenüber. Hart aber herzlich, so sind meine lieben Kleinen. Gerade noch wild geprügelt, jetzt schon wieder Kontaktliegen auf dem Sofa.

Und damit komme ich wieder zu der Frage nach den Schmerzen, Leiden und Schäden. Und nach dem vernünftigen Grund.

Denn, wenn man sich die Mühe macht, dieses Gesetz weiter als bis §1 zu lesen, stösst man gleich in §2 auf folgende bemerkenswerte Formulierung.

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

  1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
  3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Verhaltensgerecht heisst das Zauberwort. Und artgemäß.

Wo zum Teufel hat dieses ganze Rumgekasper, dieses „Lalala“ und „kommkommkomm“ etwas mit Verhaltensgerechtigkeit dem Hund gegenüber zu tun? Gibt es einen vernünftigen Grund dafür, Hunde wie kleine Kinder zu behandeln, die sie nicht sind? Was mittlerweile sogar soweit führt, dass sich Befürworter der gewaltfreien Erziehung genötigt sehen, sich von diesem Dummquatsch öffentlich distanzieren.

Ist es keine dauerhafte Qual für einen Hund, wenn man nicht verhaltensgerecht mit ihm kommuniziert? Wenn man ihn nicht wie einen Hund behandelt? Wenn man ihm Probleme unterstellt, die er garnicht hat und Lösungen bastelt, die er nicht versteht? Ist es nicht unfair, wenn man zum Zwecke des eigenen Wohlgefühls den Hund an schwierige Situationen vorbeitrickst anstatt ihm die Chance zu geben, daran zu wachsen? Verursacht es nicht dauerhafte Schäden, wenn man dem Hund sein Wesen und seine Art verbietet, nur damit es immer schön harmonisch bleibt? Und, ist es nicht tierschutzrelevant, den Hund mit Leckerchen vollzustopfen, anstatt sich selber in die Beziehung einzubringen?

„Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ So steht es im Tierschutzgesetz.

marvel

Frau Dingens hat mir eine ziemlich empörte Mail geschickt und sich darüber echauffiert, wie ich die armen Hunde nur als Köter u.ä. bezeichnen könnte. Immerhin würden die armen Kreaturen meine ablehnende Einstellung ihnen gegenüber spüren … Und überhaupt hätte ich nicht verstanden, dass ich eine artgerechte Persönlichkeitsentwicklung der armen Tiere verhindere …

Ich bin aber auch ein Ochs. Sollte ich es mal wieder wagen, meine lieben Schnuffelwuffels tierschutzrelevanterweise eine halbe Stunde alleine zu lassen und die armen Hundchen die freie Zeit dafür nutzen, das Wohnzimmer umzudekorieren, ist das natürlich als Akt der freien Entfaltung und individuellen persönlichen Entwicklung der Fellnasen zu betrachten.

Selbiges gilt natürlich für jegliche Form jagdlicher Aktivitäten, die ja artgerecht sind und dem entsprechend in keinster Weise unterbunden werden dürfen. Sonst spüren die Lieben noch meine ablehnende Einstellung. Überhaupt, was bildet sich der blöde Mountainbiker ein, gerade da entlang zu flüchten, wo sich meine Hütehunde, oh Pardon, ich meinte natürlich „Hüties“ gerade entfalten. So ein Blödmann.

Also werde ich tief in mich ruhend mit der Aura eines Gänseblümchens am Wiesenrand stehen und meinen Hundies selbstredend ein motivierendes „Schnappt ihn Euch“ ins Ohr flöten. Sonst tragen die armen Seelen noch einen Schaden davon.

Endlich habe ich verstanden. Fremder Rüde? Hau rein, Tacker! Katze auf dem Grundstück? Gibt’s eh genug von. Vierzehnstündiges Dauerbellen? So sind sie halt. Pottdreckig die Nachbarskinder anspringen? Die kleinen brauchen Dreck, sonst werden sie später Allergiker. Mülltüte zerfetzen und den Inhalt auf dem Grundstück verteilen? Modernes Recycling. Den Nachbarn auf die Einfahrt kacken? Ist ja bio.

Nunja, die Versicherung wird uns wohl kündigen, die Nachbarn werden mit Fackeln und Forken vorm Haus stehen und unsere sofortige Auswanderung fordern. Aber die lieben kleinen sind es ja wert.

Hörn’se mal, Frau Dingens,

einer der Gründe, wenn nicht sogar DER Grund, warum wir uns hierzulande mit dämlichen Gesetzen, hundeunfreundlichen Verordnungen, piefigen Nachbarn und skrupellosen Hundehassern rumschlagen dürfen, ist die Tatsache, DASS sich so viele Hunde frei entfalten dürfen.

Das Leben ist kein Pfötchenhotel! Will ich die Akzeptanz anderer Menschen, dann muss ich Rücksicht nehmen. Das nervt, aber so ist das. Und dazu gehört eben auch, dass ich meine Köter im Griff habe.

Wenn ich das schon höre: „Der tut doch nichts.“, „Der will nur mal Hallo sagen“ und das grandiose „Jetzt stelln’se sich mal nicht so an“. Da wird mir anders, da krieg ich Ganzkörperherpes. Der Irrglaube, andere Menschen müssten total begeistert sein wenn 3o Kilo Labrador auf sie zustürmen, ist zwar weit verbreitet, aber deshalb nicht weniger falsch.

Hunde, die unkontrolliert durch die Wälder rennen, die überall hinkacken und völlig distanzlos irgendwelche fremden Menschen anspringen nerven sogar mich – was ist dann erst mit um ihre Kinder besorgte Eltern oder Leuten, die Angst vor Hunden haben? Das, was Sie als artgerecht bezeichnen, bezeichnet der größte Teil der Bevölkerung als störend! Und das zu Recht! Die Folge werden noch strengere Gesetze, noch striktere Regeln und noch piefigere Nachbarn sein.

Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Sie, Frau Dingens mit Ihrem sich frei entfaltenden Hund durch die Gegend laufen. Und dann kommt Ihnen wieder so ein Ahnungsloser entgegen, der seinen Köter tatsächlich maßregelt, damit der Ihre Luna nicht killt. So ein mieser Tierquäler: „Geht ja gaaaarnicht, wie könnse nur, der arme Huuuund“ höre ich Sie sagen und habe gleichzeitig die Phantasie, dass Ihnen irgendwann mal einer begegnet, der sagt „Mensch, Frau Dingens, Sie haben so recht.“ und dann seinen Hunde von der Leine lässt.

Schade um Luna, aber es geht hier um wichtigeres. Sie wissen schon, Persönlichkeitsentwicklung und so. Aber so war das vermutlich nicht gemeint.

 

Was macht der empörte Tierschützer, wenn jemand nicht seiner Meinung ist und die Frechheit besitzt, diese auch noch zu äußern? Richtig, er zeigt ihn an.

Wegen der furchtbaren Zustände, die da ja herrschen müssen, wegen Tierquälerei, wegen satanistischer Rituale und der Tatsache, dass er bestimmt schon mal eine Grüne Glaslasche in den Weisseglasflaschencontainer geworfen hat. Um sich vor lauter Empörung nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen passiert das ganze aber natürlich anonym!

So ist es geschehen und so hatten wir heute Besuch vom Veterinäramt. Gleich drei Beamte nahmen sich die vom Steuerzahler finanzierte Zeit, um uns mal so richtig unter die Lupe zu nehmen.

So durften sie zunächst unsere zarten – mit Blick auf die darbenen Krankenkassen maulkorbgesicherten – Hündchen kennen lernen, die dankenswerter Weise darauf verzichtet haben, unsere Besucher zu fressen. Alle wohl auf und nicht Schlagwerkzeuggeschädigt!

Naja, immerhin hatte ich die Gelegenheit, unsere Vorgehensweise ausgiebig zu erläutern. Auch der allseits bekannte Youtube-Hit wurde thematisiert, ich habe diverse Fälle aus unserer Arbeit beschrieben und konnte unseren Standpunkt zu den Dingen verdeutlichen. Keine Tierschutzrelevanz erkennbar. Einer unserer Besucher hat sich denn gleich mit Werbematerial von uns eingedeckt und will uns künftig weiter empfehlen.

Fazit: Keine Beanstandung.

So möchte ich mich bei der nicht ganz so anonymen Dame herzlichst für die Anzeige bedanken. Der Laden brummt.

Nun, wer in der Küche steht, muss die Hitze vertragen. Das ist mir bewusst, damit kann ich leben. Für solche Fälle habe ich sogar ein eigenes Formular!

Und da wir in einem Land leben, in dem die Mitarbeiter der Veterinärämter vor Langeweile förmlich eingehen, haben wir unseren Spaß gehabt und kümmern uns nun wieder um die wichtigen Dinge im Leben. Wenn das nächste Mal einer meckert, dass sich die Behörden „mal wieder nicht kümmern“, weiss ich bescheid. Sie müssen die persönlichen Befindlichkeiten irgendwelcher Quatschtierschützer befriedigen. Da bleibt keine Zeit für echte Probleme.

Wie dem auch sei, ich persönlich finde es gut, wenn Hinweisen nachgegangen wird und bin der Meinung, dass gerne streng kontrolliert werden sollte! Dem entsprechend habe die Damen und Herren vom Veterinäramt eingeladen, gerne öfter vorbei zu kommen. Kaffee ist auch da!

Und Sie, liebe Frau Namensachichnich, dürfen sich jetzt einen Wolf heulen. Da wollten Sie es mir mal so richtig zeigen und nun das. Aber ein kleiner – garantiert gewaltfreier – Tipp noch: Wenn Sie schon meinen, Sie müssten jemanden einfach mal so auf Verdacht anonym und auf unser aller Kosten anzeigen, dann ist es für die Anonymität nicht besonders förderlich, wenn Sie es überall rumposaunen. Also, für’s nächste Mal: Pssst!

Diesen netten und bestimmt nicht aversiv gemeinten Satz schrieb mir eine Dame über das allseits beliebte Shitstorm-Formular. Zunächst einmal vielen Dank! Doch, und ich bin nicht ganz unstolz drauf – abgesehen von den paar On-leinenpöblern, ergeben sich hier ja einige schön zu lesende Diskussionen. Und da ich der Hilfesuchenden versprochen habe, dass sie ganz viel Feedback bekommt, geb‘ ich mir auch ganz viel Mühe!

How ever, wenn man so freundlich aufgefordert wird, kommt man einer so lieben Bitte natürlich nach. Also, los geht’s. Heute morgen erreichte mich folgende E-Mail von einer Frau Dings aus Bums:

positiv

Hallo Herr Mrozinski,

mein Name ist Hase (Name geändert), ich bin 28 und habe eine Labrador-Wasauchimmer-Mischlings-Hündin namens Frika, 7 Jahre, 45 kg. Sie ist ein Vermächnis meines verstorbenen Vaters.

Ich komme am besten gleich auf den Punkt, weil ich echt am Verzweifeln bin. Mein Hund kann der netteste, wohlerzogenste Hund der Welt sein, die Betonung liegt auf kann!

Bis sie gestern das Fass mächtig zum Überlaufen gebracht hat. Wir wohnen in einem Hochhaus, in dem sehr viele Hunde leben. Sehr viele kleine Hunde, die mir tagtäglich beim Gassi gehen begegnen und sich vor lauter Bellen halb an ihren eigenen Leinen erhängen. Über die Reaktionen deren Besitzer freue ich mich immer am meisten, die mit einem breiten Lächeln auf mich zu kommen und mir schon entgegenrufen „tja, so sind se halt“.

Aber wehe dem, meine große schwarze Hündin würde so etwas machen, dann ist sie sofort der „böse gefährliche Kampfhund“. Ich schweife schon wieder ab.

Wir hatten schon diverse Rangeleien mit anderen Hunden, nichts wildes, aber gestern war mein Freund mit ihr Gassi. Sie löste sich rückwärts aus dem Halsband, schoss über die Strasse, packte sich einen kleinen Terrier und lies nicht mehr los. Keine Vorwarnung, kein Bellen von beiden Seiten, nichts! Ich bin sehr erschrocken, zu was sie fähig sein kann. Mache mir schwere Sorgen, wie das weitergehen soll und was ich tun kann.  Ich hoffe Sie können mir irgendwie weiterhelfen.

Normalerweise würde ich so Dinge schreiben wie:

Liebe Frau Dings,

leider ist es völlig unmöglich, über das Internet seriöse Hilfe zu leisten – ohne den Hund, sein Verhalten und die Umstände zu kennen, kann ich nur Mutmaßungen anstellen. Daher würde ich Ihnen empfehlen, dass Sie sich an einen fähigen Hundetrainer wenden, der Ihnen sicherlich weiterhelfen kann. Als kleine Hilfestellung sollten Sie vorab folgende Fragen für sich beantworten können, die ein Trainer im Ersttermin – meiner Meinung nach – abfragen sollte, damit der Kollege oder die Kollegin einen guten Einblick in Ihr Zusammenleben mit Ihrer Hündin bekommt.

Wie Sie geschrieben haben, haben Sie den Hund von Ihrem Vater übernommen, wie lange lebt Frika denn schon bei Ihnen? Achtet sie eher auf Sie oder ist sie eher aussenorientiert? Wie sah Frikas Leben aus, bevor Sie den Hund übernommen haben? Wie sieht es grundsätzlich mit der Verträglichkeit mit Artgenossen aus? Kommt sie, wenn sie nicht angeleint ist, mit anderen Hunden klar? Wie sieht es da mit Hündinnen aus? Wie mit Rüden?

Sie beschrieben, dass es schon mehrere kleinere Rangeleien gab? Wie ist es zu diesen Situationen gekommen, wie sind sie abgelaufen und wie haben sie sie beenden können? Sind Sie grundsätzlich in der Lage, die 45 Kilo mit Allradantrieb zu halten, wenn sie einmal in Bewegung sind?

Nun gibt es viele Gründe, warum es zwischen zwei Hunden „scheppert“, auch ohne dass sich die beiden vorher begegnet sind. So könnte es zum Beispiel sein, dass der kleine Terrier Ihrer Frika ständig ein „Ich bin der König der Welt“ ins Revier markiert, denn Hunde wissen sehr wohl, wer da so in ihrem Königreich rumfleucht. Vielleicht hat der Terrier ihr unverschämterweise mit einem kurzen Blick zu verstehen gegeben hat, dass sie eine dumme Kuh ist. Vielleicht ist der Terrier eine Terrierin und es gibt Ärger um die rote Lola, vielleicht spielt Ihr Freund eine Rolle, vielleicht, vielleicht, vielleicht.

Was ich Ihnen unbekannterweise – sozusagen als „Erste-Hilfe-Tipp“ – mit auf den Weg geben kann, ist zu allererst, dass Sie Frika so sichern, dass sie nicht mehr aus der Leine flutschen kann. Also, entweder Geschirr bzw. Halsband enger oder im Zweifel lieber doppelt sichern.

Da Sie geschrieben haben, dass „kein Bellen von beiden Seiten“ zu vernehmen war, schliesse ich daraus, dass es sonst in solchen Fällen zu wüsten Beschimpfungen kommt. Wenn dem so wirklich so sein sollte, gehen Sie nicht drauf ein. In dem Moment, in dem Sie alles geben, um Ihren Hund zu bändigen, wird er nur erwidern „Ich hab ihn auch gesehen, zusammen machen wir die Sau platt.“

Ignorieren Sie das – ganz im Gegenteil entziehen Sie sich bewusst dem Konflikt, den Ihr Hund gerade hat. Halten Sie Ihren Hund gut fest und rezitieren Sie Goethe, stellen Sie sich eine Rechenaufgabe oder sprechen Sie mit einem Baum. Das wird das Verhalten Ihres Hundes nicht ändern, aber Sie werden die Situation auch nicht ünnötig anheizen. Alles weitere wird dann der Hundetrainer Ihrer Wahl mit Ihnen erarbeiten. Dabei wünsche ich Ihnen viel Erfolg und alles Gute.

Aaaaber, ich habe mich ja gebessert! Ab sofort arbeite ich absolut positiv verstärkend und gewaltverneinend! Ich Schwein!

Nun bin ich, was diese Thematik angeht, ja blutiger Anfänger („Blutig“, was für eine Metapher in diesem Zusammenhang!).

Um mich einzugrooven, erstmal etwas Musik!

Deshalb habe ich einfach mal ein paar Zitate aus dem Internet rausgesucht, um eine möglichst gute Figur zu machen! Ganz ehrlich , der absolut größte Teil des Textes ist geklaut!

Aaaalso – Here we go again:

Liebe Frau Dingens,

anhand Ihrer Schilderungen liegt der FALL KLAR auf der HAND!!! Bei Ihrer Hündin kommen sicherlich große Trauer wegen des Rudelwechsels in Verbindung mit Angst vor den vielen anderen Rudeln in der neuen Umgebung zusammen. Bestimmt durfte die arme Maus in der Prägephase nicht an der oberen linken Zitze ihrer Mama knabbern!!!

DER BEWEIS dafür ist, dass die Fellnase versuchte zu flüchten, als der böse Terrier (bestimmt ein Red Zone-Hund) da stand. Dies ist eine Übersprungshandlung, da Sie ein beengendes Halsband verwendet haben, so dass die Süße aus lauter Panik nach Luft ringend keine andere Möglichkeit sah, als die 25 Meter zu überbrücken und den Terrier zu zwicken. Eindeutig Prägeschaden!!

Außerdem ist Ihr Freund nicht Frikas Bezugsperson, so dass sie dachte, dass sie wieder abgeschoben wird. Ganz bestimmt hat sie auch eine schlechte Erfahrung mit einem Objekt in der Umgebung gemacht, vielleicht ein Auto, ein Briefkasten, ein Baum oder frische Luft.

Meine Empfehlung lautet daher. Zunächst einmal muss sich Frika bei Ihnen wohlfühlen. Am besten gelingt dies, in dem Sie der Maus eine komfortable und absolut störungs- und stressfreie Umgebung schaffen. Eine geräumige Kuschelhöhle als Rückzugsmöglichkeit, in der der Hund AUF GAR KEINEN FALL gestört werden darf, ist ein toller Anfang. Brauchen Sie wirklich Ihr Wohnzimmer? Bedenken Sie, Ihr Hund hat Angst!

Die neue Kuschelhöhle will positiv verknüpft werden. Doch auch ein ängstlicher Hund braucht natürlich FÜHRUNG!

Denn ein Hund, der FÜHRUNG FÜHLEN kann, kann DÜRFEN müssen! Und ganz viel Mehr!

Deshalb SAGEN+ZEIGEN Sie Ihrem kleinen Schatz sein neues Reich. Sagen Sie zum Beispiel: HÖÖÖÖÖÖÖHLE und sobald Frika ein Pfötchen in den Raum setzt, sagen Sie GOOOOOOOOOD GIIIIIIIIIRL – Vermeiden Sie dabei auf jeden Fall scharfe Betonungen. Sie wissen ja, einen Moment nicht aufgepasst und das „OOOOOO“ ist das Stachelhalsband für die Seele!!!!

Um unnötigen Stress zu vermeiden, sollten Sie Frika schon den Weg raus ins Gassi so angstfrei wie möglich gestalten. Da Sie geschrieben haben, dass so viele Hunde im Haus leben und die Fellnase so angstvoll ist, ist es wichtig, den Gang durchs Treppenhaus positiv zu verstärken. Je nachdem, in welchem Stockwerk Sie leben , müssen Sie natürlich bedenken, dass so etwas Schritt für Schritt aufgebaut werden muss. So bestätigen Sie zum Beispiel mit einem Leckerchen, wenn Frika ohne ersichtliche Anzeichen von Stress(!) eine Stufe von sich aus freudig gehen möchte.

Haben Sie Geduld. Wenn Sie jedoch in einem hohen Stockwerk (z.B. zweites) leben, haben Sie natürlich das Problem, dass Frika auch mal Pipi muss. Da ein so alter Hund eigentlich eh keine Treppen laufen sollte, gewöhnen Sie sie doch ans Tragen. Das ist gut für die Bindung und Ihr Hund lernt, Vertrauen zu Ihnen zu fassen.

Bedenken Sie zudem den großen Kostenvorteil und die Ersparnis beim Tierarzt: Wenn Ihre Bandscheibe rausspringt, zahlt das die Krankenkasse!

Wenn Sie es mit Ihrem Notfell erreicht haben, dass Sie endlich entspannt gemeinsam spazieren gehen können, ist es wichtig, dass sie die Begegnung mit anderen Wuffies langsam und behutsam aufbauen. Daher empfehle ich Ihnen, dass Sie zunächst – nur für ca. 2-3 Jahre – die Wuffelrunden in die späten Abendstunden verlegen. So bleiben Ihnen unangenehme Hundebegegnungen erspart!

Jetzt geht es aber ans Eingemachte! Wir trainieren die Begegnung mit anderen Fellnasen. Um „draussen“ für den Hund schön zu gestalten, füttern wir ab sofort aus der Hand – aber nuuur, wenn wir Gassi gehen und nuuuuur, wenn uns ein Hund begegnet. Es ist kinderleicht zu erlernen.

Sobald wir einen anderen Wauzi am Horizont sehen, bieten wir unserem Hund Futter an und sagen „fu-fu-fu-fu-fu-fu-fu-fu-fu-fuuuuu“ und sobald die Süße etwas annimmt sagen wir „tter“. Auch hier ist wichtig, dass alle Hunde ein zu deutlich ausgesprochenes „R“ als Bedrohung ansehen. So finden sich „R“ zum Beispiel in Abscheulichkeiten wie „StachleR“ oder „KastRation“. Aus diesem Grund sprechen wir auch von Gooodies und nicht von LeckeRchen.

Sollte sich unser Hund wider Erwarten doch dem Gegenüber widmen, haben wir immer unser Superleckerchen dabei.

Das sollte etwas ganz besonderes für unseren Liebling sein. Zum Beispiel eine gute Suppe. Denn Kauen steigert die Aggressivität.

Das Superleckerchen haben wir natürlich vorher mit dem Superleckerchensignal verknüpft, so dass der Hund bei unserem freundlichen „Supisupisupisupisupisupisupifeinfeinfein“ sofort von seinem Plan ablässt und seine Belohnung geniesst.

Sollte selbst dass nicht helfen, bleibt immer noch der geordnete Rückzug. Am besten gelingt das, in dem wir uns  flach auch den Boden werfen, ein „funktionales U“ bilden und unserem Hund zum Schutz die Brust bieten.

All das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Jeder Schritt benötigt Zeit und Geduld und ganz, ganz GANZ viel Liebe. Doch auch wenn Frika bereits sieben Jahre alt ist, stehen die Chancen gut, dass sie einige Wochen mit Ihrem Liebling in toller Harmonie als super Mensch-Hund-Team verleben.

Mit leisen Grüßen – still und sanft – Ihr posititiver Hundefreund

Hunde in Verantwortung POSITIV (HIV-Positiv e.V.)

Klingt irgendwie schlüssig, find ich!

Heute bin ich faul. Anstatt selber etwas zu schreiben, veröffentliche ich an dieser Stelle mal ein Behandlungs-Protokoll einer Tierkommunikatorin. Ja, es ist echt! Ich lasse das einfach mal weitestgehend unkommentiert – nur drei Anmerkungen. Der Hund hat sich als nicht taub rausgestellt und geniesst den Kontakt zu Artgenossen. Achja, und es ist ein Rüde.

Tierkommunikatorin „Darf ich mit dir reden?“

Hund: Mmmm (ganz tief in sich verkrochen, nach innen ->
Halte die Spannung nicht aus, werde sonst wahnsinnig!

„Was ist mit deiner Taubheit?“

War schon immer so, haben mich verstossen, Wurf (Geschwister) Mutter dann auch (habe Bild von Gewusel Welpen, sie lag traurig abseits) Dann haben Leute mich aus Mitleid genommen, war es gut (ca. 1J.?) Dann fing alles an (Bild Mann mit gr. Stock, schlug immer wenn er was nicht verstand, schlechtes Futter (Gestank) So ging es immer weiter (verschiedene Stationen) Dann hier, kann nicht mehr, Schläge, Kälte (draußen).

„Die anderen Hunde da?“

Neeh, will niemand – will für mich sein, kann nicht mehr ausschalten, will Erlösung, geht das?

„Ich will versuchen, wenn ich darf, dir zu helfen, wieder Vertrauen + Lebensfreude zu bekommen. Ich möchte es versuchen, ist es dir recht?“

Na, wenn du „das“ kannst, vielleicht geht ja wirklich noch was anderes (hat ein bisschen (Funken) Hoffnung.

„Was fehlt dir?“

Ruhe, Liebe, Entspannung. Kann es mir aber garnicht richtig vorstellen.

„Es gibt Tropfen für alle Lebewesen, damit die Seele wieder heil wird, würdest du sie nehmen?“

Na wenn du meinst,

„Das finde ich ganz toll von dir, dass du es versuchen willst.“

(Zeigt mir, wie er sich dauernd dreht) Ja, toll, dass du es siehst.

„Ja, jetzt ist aber gut.“ „Taubsein?“

Neeh, stört mich nicht, kenn’s nicht anders. Wenn man mir es gut zeigt, kapier ich schnell. (Menschen). Die am Anfang habend gemacht. Kann dann alles, naja fast. Stöckchen holen + so.

„Ja, du bist ne ganz tolle, das merk ich schon“

Kannst du mir jetzt helfen? (hat Hoffnung)

„Ja, ich versuch’s Danke Dir für deine Offenheit + dein Reden.“

Bin jetzt platt, ist ja das 1. Mal, dass ich sowas mache, Puh.

„Vielen Dank, entspann dich und ruhe dich aus.“

Bachblüten:
Rock Water Nr. 27
Gentian Nr. 12
Rock Rose Nr. 26
Willow Nr. 38