Nachtrag:

Die Besitzerin des Hütehundes, über den ich in dem Artikel berichte, hat mir eine Nachricht geschickt, die mich zum Einen natürlich ziemlich bauchpinselt, zum anderen aber durchblicken lässt, wie schwer und emotional belastend eine solche Situation für die Hundehalter ist:

Hallo Normen, deinen neuen Beitrag finde ich klasse und sehr gut formuliert.

Seit (Name des Hundes) nicht mehr bei uns ist, haben wir fast täglich über ihn gesprochen. Wie kam es soweit, was haben wir falsch gemacht, wo und wie hätten wir ansetzen müssen und wer hätte uns helfen können.
Auch wenn es zu Gefühlsduselig ist, fehlt er noch immer und auch das vermissen lässt nicht nach.

Es sind aber auch Erkenntnisse geblieben. Bitterer Erkenntnisse. Man vertraut und bezahlt blind, man handelt gegen sein Gefühl und man verlässt sich auf andere mehr als auf sich selbst. Jeder Strohhalm wurde ergriffen, jeder Trainer im voraus bezahlt. Man hat nicht an sein ungeborenes Kind gedacht-nur an die nächste „trainingsstunde“.

Einige Monate nachdem (Name des Hundes) nicht mehr bei uns war, stand die frage im Raum irgendwann nochmal einen Hund zu halten. Wie schön es mit einem Hund sein kann und wie wertvoll es für eine Familie ist.

Mein Fazit aus dem ist: ich kann es nicht. Nicht weil an (Name des Hundes) keiner rankommt oder weil wir nicht in Training, Geld oder zeit investieren wollen. Die frage ist so leicht zu beantworten: ich habe Angst vor Hunden. Vor jedem! Den 14 Jahre alten Westi meiner Mutter meide ich. Ich wechsel die Straßenseite wenn mir auch nur ein Yorki entgegenkommt und meinen „Gassi geh Hund“ kann nich auch nicht mehr ausführen!

Die sogenannten Trainer schaden in erster Linie den Tieren. In zweiter auch den gutgläubigen Haltern, die das Vertrauen in sich, den Tieren und den dienstleistern.

Mein Sohn wird wahrscheinlich viele Jahre nicht mit Hunden in Kontakt kommen-wegen meiner Angst und das ist nicht fair.

Ich bin mit Hunden aufgewachsen, in der Familie gab es immer welche und jetzt ist die liebe und Achtung weg! Es herrscht nur noch Misstrauen, Angst und Skepsis.

Danke Normen, dass ihr das ausbügelt was andere versaut haben. Danke, dass ihr die leben rettet, die andere eigentlich auf dem gewissen haben und danke, dass du unermüdlich aufklärst!

In meinen Träumen habe ich irgendwann mal wieder einen vierbeinigen Gefährten- dem ich so entgegen trete wie ich (Name des Hundes) einst entgegen getreten bin. Mit dem Unterschied von Anfang an alles besser zu machen!

Lg!

10 Kommentare
  1. Vivien
    Vivien sagte:

    Sehr berührend die Mail der Besitzerin und wirklich furchterregend wie schnell mit der richtigen Hilfe aus dem Traumhund ein Alptraum wird.
    Vielen Dank für den Einblick.

    Antworten
  2. Krawallmaus
    Krawallmaus sagte:

    Ich wollte an dieser Stelle mal sagen, dass ich meinen Hut vor jedem verantwortungsvollen Hundehalter ziehe, der sich seinem „Versagen“ (mir fällt gerade kein anderes Wort ein) ehrlich stellen kann. Es gehört mehr Mut dazu, sich sein Unvermögen einzugestehen und seinen Hund ins Tierheim zu geben, als krampfhaft jahrelang am Hund herumzudoktern oder herumdoktern zu lassen.

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  3. Frau_Werwolf
    Frau_Werwolf sagte:

    Ja, solche Reaktionen sind auch mir bekannt. Ich finde es erschreckend, dass so viele Hund-Halter-Konstellationen nur kleine Häufchen Elend sind. Die Halter wollen es wirklich, wirklich und mit ganzem Herzen richtig machen und investieren Unmengen an Zeit, Geld und Nerven um dann später doch oft zu scheitern. Die Halter sind nicht wirklich schuld sondern die skrupellosen „Kollegen/innen“, deren Bestreben es nicht ist in kurzer Zeit glückliche Hund-Mensch-Konstellationen verlassen zu können sondern deren Geldbeutel lieber anhaltend klingelt. Und wie bekommt man das hin? Indem man die Leute „abhängig“ macht und schön lange rumlaboriert, damit die Leute auch weiter kommen. Ich wundere mich, dass die, die unsicheren Haltern eigentlich helfen sollten statt sie wie Weihnachtsgänse auszunehmen, morgens noch in den Spiegel gucken können.

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  4. Renate
    Renate sagte:

    Diese Geschichte zu lesen ist sehr sehr bitter. Es ist im Nachhinein nichts mehr daran zu ändern, der Hund ist aus dem Haus, das Ungeborene, der kleine Junge, wurde vor Schaden geschützt. Natürlich geht im Ernstfall der Schutz eines kleinen Menschenlebens vor, da habt ihr Hundebesitzer mein vollstes Verständnis. Ob, und was ihr hättet besser machen können, habt ihr sicher auch schon bis ins Letzte durchdiskutiert. Es ist vielleicht Zeit, die ganze Geschichte auch mal abzuschließen – die Zeit läßt sich nicht mehr zurückdrehen.

    ABER: Wenn Euer Fazit ist: “ich hab jetzt Angst vor Hunden, und diese Angst werde ich meinem kleinen Sohn weitergeben” – dann dürft ihr nicht mehr auf Verständnis und Mitgefühl zählen !

    Es ist gut und richtig, sich die Angst einzugestehen. Doch dann müsst ihr WEITERGEHEN.
    Diese Angst muss überwunden werden. Das seid ihr dem verkorksten Hund, und der Zukunft Eures Söhnchens schuldig! Einem kleinen Menschen ANGST mit auf seinen Lebensweg zu geben ist eine ganz ganz große Hypothek. Bitte handelt verantwortungsvoll. Geht wieder den Weg hin zu dem Partner Hund !

    Es gibt Hunde, die sind in ganz besonderer Weise geeignet, Menschen bei der Therapie zu helfen. Ich hatte selbst 2x in meinem Leben so einen Hund – man muss es ihm nicht beibringen, er/sie weiß von sich aus, wie sie einem Menschen die Angst nehmen und Vertrauen und Zuneigung wachsen lassen kann. Ich wünsch Euch sehr, dass ihr solchen Hunden begegnen dürft!

    Ihr wart einmal sehr überfordert mit einem schwierigen Hund. Aber ihr habt daraus auch sehr viel gelernt! Bitte vergrabt das nicht in einem Loch aus Angst. Arbeitet damit, lasst es anderen Lebewesen zugute kommen.

    Ich wünsch Euch sehr, dass aus Eurer Geschichte auch wieder Gutes entstehen kann – für euch, für andere Hunde, und besonders für Euren kleinen Sohn.

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  5. Andrea
    Andrea sagte:

    Liebe Unbekannte Julia!
    Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schmerzhaft die Erfahrung war. Und mir tut es unendlich leid, dass bei dir, die doch eigentlich Hunde liebt, die ANGST vor Hunden geblieben ist. Solltest du dich selbst therapieren wollen, meine Hündin hat noch jeden überzeugt und besucht auch ehrenamtlich todkranke Patienten in einer Klinik. Ich bin gerne bereit dafür -für dich- die Zeit und meinen Hund zu nehmen und ein wenig „Schadensbegrenzung“ auf der Menschenseite zu machen. Trau dich, Normen hat hier meine Mailadresse…
    Falls nicht – alles Gute und: Nase in den Wind! Fühl dich unbekannterweise mal gedrückt.

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