Wäre man bösartig, was wir ja alle nicht sind, dann könnte man behaupten, dass so mancher Hundebesitzer eine leicht verschobene Wahrnehmung hat, was seinen Hund angeht.

Zunächst sind da diese furchtbaren Verniedlichungen, die jeder ambitionierte Forenposter natürlich aus dem Effeff kennt.

Die alles um sich herum niederwalzende 45-Kilo-Dampframme heisst „Labbi“, der durchgeknallte, hysterisch kläffende Tapetenfresser ist ein „Hüti“, und das Tierchen, dass den Postboten gerade an den Zaun nagelt, ist ein kuscheliger „Scharki“, ein kaukasischer Owtscharka.

Dann gibt es noch „Howis“, „Rottis“, „Malis“, „Schäfis“ und „Listis“, also Hunde, die auf einer der unsinnigen Rasselisten stehen. Hierbei gilt es zu bedenken, dass ein „Listi“ seinen Spitznamen relativ schnell verlieren kann, zum Beispiel, wenn seine Besitzer in ein anderes Bundesland ziehen oder die zuständigen Politiker irgendwann zur Vernunft kommen. Dann wird fluchs aus dem „Listi“ wieder ein „Dogi“, ein Dogo Argentino.

Dann gibt es noch den „Ausi“, nicht zu verwechseln mit dem „Aussie“. Der nämlich ist ein Australian Shepherd, während ersterer aus dem Ausland gerettet wurde.

Bei anderen Hunden wiederum braucht es gar einen Beinamen, um die Zugehörigkeit zu klären: So gibt es Bullis in „French“, „English“, „Pit“ und von VW.

Wenn der Hund jemanden getackert hat, nennt man ihn dann allerdings nicht „Beissi“, sondern ein „Schildi“, weil es an der Schilddrüse liegen muss und nicht etwa am Unvermögen des Besitzers, ähm, ich meine natürlich des Besis, dem Köter, tschuldigung, dem „Köti“ klarzumachen, dass man nicht beisst, huch, ich meine zwickt.

Übrigens, bevor die arme Schilddrüse als Verursacher für allerlei Greueltaten des Hundes herhalten musste, war mal eine ganze Zeit lang der – vermutete – Hirntumor Hauptverdächtiger in Sachen die Wurzel allen Übels sein. Hat sich aber nie so richtig durchgesetzt.

Zum Einen, weil es wirklich seeehr selten vorkommt, dass tatsächlich ein Tumor Schuld daran ist, wenn ein junger ansonsten gesunder Hund zum Arsch wird, außerdem wird der Besi im Laufe der Jahre unglaubwürdig, wenn er sagt, „das ist ein ‚Tumi‘, der kann nichts dafür“.

Wenn der Besi und sein Labbi Langeweile (Frusti) haben, dann wird etwas unternommen, zum Beispiel „Obi“ oder „Agi“. Oder „Schutzi“ (Schutzhundesport) und für die ganz harten gibts dann „Mondi“ (Mondioring), und der „Ludi“ mit seinem „Kampfi“ veranstaltet „Hukis“ …

Und wenn der geliebte Vierbeiner mal kacken muss, dann macht er ein „Kacki“ oder noch besser: „Ein Drückerli“.
Für den echten Power-User ist all das natürlich Kokolores. Denn wer parallel bei Facebook, im Dogs-Forum, in der KS-Gemeinde und auf vier verschiedenen Tierschutzseiten unterwegs ist, der fasst sich kurz: Der HH geht mit seinem DSH in die HS, weil er ein LP hat, die Trainerin empfiehlt darauf hin Z&B, sowie FB nur auf der HW.

Aber noch mal zurück zur Eingangs erwähnten verschobenen Wahrnehmung.

Während Hunde früher Namen hatten, verfügen sie heute über so etwas wie eine Produktbeschreibung. Das ist praktisch, denn der andere Hundehalter muss den Hund gar nicht mehr sehen, alleine der Name reicht aus, um abzusehen, ob man sich besser vom Acker macht oder ob man bleiben darf.

Glauben Se nicht? Zwei Beispiele: Pepper und Emma – um welche Rassen handelt es sich?

Ruft man seinen Hund, dann ruft man nicht einfach einen Namen, nein, heutzutage teilt man der ganzen Hundewiese mit, wie kreativ, gebildet und gleichzeitig selbstironisch man doch ist.

Neulich habe ich mal einen Hund kennengelernt, der hieß „Lawan“. Zur Erklärung hiess es, dass es sich hierbei um einen Ritter aus einer Sage handeln würde. Laut Google heißt der arme Hund wahlweise wie ein schwedischer Fußballspieler, ein nigerianischer Politiker oder wie ein thailändischer Frauenname.

Herzlichen Glückwunsch!

Die meisten Hundebesitzer versuchen jedoch eher, etwas von der Aura ihres Hundes einzufangen. So hat der Ridgeback einen afrikanisch klingenden Namen, der mit etwas Glück gar nicht und mit etwas Pech mit „Mundfäule“ übersetzt werden könnte. Andere sind total witzig und nennen ihren Chihuahua „Brutus“ oder ihre Deutsche Dogge „Piccolo“.
Wiederum andere machen es sich leicht und gehen mit Rocky 3 Gassie, Rocky der Rotti, versteht sich.

Es ist aber auch kompliziert mit den Hundenamen. Schliesslich will niemand das Schicksal der umzähligen Luna und Paul-Besitzer teilen, die einen Hund rufen und fünf bekommen.

Überhaupt Luna, eigentlich ein toller Name, doch so verbraucht. Das ist wohl auch der Grund, warum mir in letzter Zeit so viele „Moons“ über den Weg laufen. Gleiche Bedeutung anderer Name. Ich plädiere ja für „Ay“, das heisst auch Mond, aber auf türkisch. Und klingt fast, wie das Geräusch, dass der Jogger macht, wenn „Ay“ ihn  durch den Stadtpark jagt. Dann ist „Ay“ übrigens ein Jagi …

Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass derjenige, der seinen als erstes „Luna“ genannt hat, sich bis heute darüber ärgert, dass er sich den Begriff nicht hat schützen lassen.

Überhaupt muss ich bei manchen Hundenamen, die mir so begegnen, an Johnnie Cash denken. „A Boy named Sue.“
So stelle ich mir vor, wie so manche Hunde von ihren Artgenossen auf der Hundewiese ausgelacht und gehänselt werden, jedes Mal wenn ihr „Frauli“ sie ruft, weil sie jetzt zum „Obi“ müssen. So lernt man Frustrationstoleranz. Ganz einfach.

12 Kommentare
  1. Susi
    Susi sagte:

    Ich kaufe ein „i“ :)
    Herrlich geschrieben! Wobei – ich gebe zu Lilly auch mal als Hundiliiii zu bezeichnen. Wir Frauen neigen zu Verniedlichungen, leider. Uns wäre ein Jack, ein Johnny Walker und ein Brutus wahrscheinlich lieber. Aber wenn beim Ruf „Raaaaaamboooo“ dann eine 30cm kläffende und unerzogene Fußhupe angerattert kommt, dann bleib ich doch lieber beim Rotti, Schäfi, Doggi…

    Danke für die gute Unterhaltung an diesem Abend.
    LG Susi&Lilly

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  2. Danny
    Danny sagte:

    Beim Chantalisator kriege ich einen Hannibal-Zane und einen Arian-Neo als Hunde heraus.
    Ne ne, da bleibe ich lieber bei ihren normalen Namen.
    Wobei, die hören meist auch auf „Jungs!“ und sie wissen auch das mit „Argh, du dämlicher Köter!“ meistens einer von ihnen gemeint ist. (Immer dann wenn sie peinlicherweise zeigen wie furchtbar unerzogen sie sind.)

    Aber die „Schildi“, wo ich mich gleich mal als Noob geoutet habe und nachgefragt hatte warum mein Hund eine Schildkröte haben soll, war ja laut Meinung einiger Foristen Schuld daran das mein Hund einfach die meiste Zeit des Tages gechillt rumliegt.
    Fanden die besorgniserregend. Ich hingegen finde es eher besorgniserregend das deren Hunde das anscheinend nicht tun. Also, erst wenn mindestens 3 Stunden Gassi mit Obi, damits nicht langweilig wird + 3x die Woche Hundeplatz und natürlich Agi gemacht wurden.

    Allerdings wäre das ja die Ausrede wenn die Viechers mal wieder garnicht hören… „Die habens an der Schilddrüse und wir haben noch nicht die richtige Dosierung gefunden.“

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      • Änna Po
        Änna Po sagte:

        … fast! :)

        Berner – aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen, den Namen hat er schon vom Züchter bekommen. Ich hab trotzdem immer wieder Lacher auf meiner Seite, wenn ich ihn rufe!

        Antworten
        • Dagmar Niemeyer
          Dagmar Niemeyer sagte:

          Unser Bernhardiner heisst Josef, wie sonst. .wenn er lieb ist, heisst er josefine und wenn er gaaaanz lieb ist und wir zusammen kuscheln, nennen wir ihn finchen. Hoffentlich bekommt dieses kamel keine depris

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  3. hundefreund
    hundefreund sagte:

    ein hartzi?
    ein Hütitüti, der vor lauter schmusischmusi seinen frusti nicht mit agi oder obi abbaut, sondern dem halti und der huschu das leben so schwer macht, so dass er im heimi sein hartzi bekommt. schildi ausgeschlossen.
    unfassbar!

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  4. kirsten
    kirsten sagte:

    klasse
    einfach toll
    und zwar alle auch die kommentare :-)

    bei uns gibt es keine verniedlichungen…. schon bei den kindern habenw ir auf nahmen geachtet wo dies nur sehr schwer möglich ist und beim hund ebenso.

    ich mag dies ganze obi,agi ect nicht.

    aber wers braucht………..

    lg kirsten

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