Jeder Superheld hat irgendeine Schwäche, bei Superman war es Kryptonit, bei Siegfried, dem Helden aus der Nibelungensage war es ein Blatt, bei Achilles war es die Ferse und sogar K.I.T.T wurde einst mittels Elektrostrahlen außer Gefecht gesetzt.

Nur einer ist unverwundbar – außer Chuck Norris, mein ich. Nämlich unser SPL (Selbstmörderischer Paket Lieferservice)-Bote, der uns mit Hundefutter beliefert und augenscheinlich der festen Überzeugung ist, dass die gefühlten Zehn Schilder mit der Aufschrift „Vorsicht bissiger Hund!“ für ihn nicht gelten.

Mit schöner Regelmäßigkeit läuft er sehenden Auges ins Unglück und der einzige Grund, weshalb er noch nie gebissen wurde – außer seinen Superkräften natürlich – ist der, dass er immer irgendwie gerettet wird.

Mittlerweile hat sich in Sachen Warenanlieferung so etwas wie Routine eingestellt. Sobald der weisse Lieferwagen vorfährt, stürzen F. oder ich aus dem Haus und sehen zu, dass wir die Hunde wegsperren, bevor unser Held mit einer erstaunlichen Gelassenheit zwei Türen hinter sich lässt und dann samt Paket mitten im Freilauf steht.

Und bei jeder Lieferung erklären wir dem freundlichen Herrn, dass er bitte NICHT einfach aufs Grundstück kommt und das die Schilder durchaus ernstgemeint sind. Jedes Mal nickt er freundlich, murmelt „Sie müssen hier noch unterschreiben.“ und geht wieder. Beim nächsten Mal stürzt dann wieder jemand zur Rettung des Wahnsinnigen aus dem Haus.

Oder eben nicht. Denn heute morgen war es, als ich aus dem Badezimmer kam und die Meute zwecks Pinkeln in den Freilauf scheuchen wollte – nicht wissend, das ein weisser Lieferwagen vorm Haus parkte. Alle Hunde sortiert, Haustür auf und da stand er, der SPL-Mann mit unserem Paket.

Wie er es geschafft hat, von den Hunden unbemerkt über das ganze Grundstück bis zur Haustür zu gelangen, ist mir ein Rätsel, vielleicht war es auch ganz anders.

Tacker: „Da kommt die Sau.“
Aleo: „Jetzt alle schön leise sein.“
Peggy: „Ok, ich fang an zu fiepen, dann denkt Normen, dass ich pinkeln muss.“
Afra: „Guter Plan, harhar.“
Isa: „Häh?“
Reggae: „Ok, ich stell ihn von vorne und einer von Euch beisst von hinten rein.“
Nanook: „Ich will als erster.“
Diego: „Nein, ich.“
Baboo: Ruhig jetzt, Normen kommt.“
Boris: „Das wird voll cool.“

Ein paar erfrischende Fakten:

Dreizehn Hunde á 42 Zähne = 546 Argumente, nicht ungefragt das Haus zu betreten. Vier Löcher im Hintern des Boten machen eine Trefferquote von ca. 0,8% aus, sein Aufschrei entsprach 100 dB, also in etwa der Lautstärke einer Kreissäge, mein „Pfuiauslasstdas“, entsprach dem Grenzwert für Hörschäden, wie er in der EU festgelegt ist. Die Worte, die ich schliesslich für den Lieferanten gefunden habe, lagen ausserhalb messbarer Werte … Außerdem die Feststellung, dass auch Superhelden schreien wir Mädchen, aber nunja.

Ein „Vorsicht bissiger Hund“-Schild am Zaun entbindet den Halter nicht von der Haftung, das gilt auch für zehn „Vorsicht bissiger Hund“-Schilder.

Ein Griff in die Trickkiste der psychologischen Kriegsführung hilft im Fall des Falles schon weiter.

Schritt 1: Erstmal alles verharmlosen.
Schritt 2: Den Schuldigen ausmachen
Schritt 3: Merkwürdige juristische Argumente vorbringen
Schritt 4: Möglichst unauffällig auffällig darauf aufmerksam machen, dass man da jemanden kennt, der für Ärger sorgen könnte.

  1. Also, eigentlich haben die Hundis sich ja nur gefreut, immerhin ist der Lieferant ja mittlerweile so etwas wie ein Freund der Familie und obendrein hatte er auch noch Futter bei sich.
  2. Darüber hinaus wisse er, der Freund der Familie ja, dass hier Hunde leben, schliesslich hängen da Schilder und man habe ihn ja auch mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass der eine oder andere „nicht so nett“ wäre.
  3. Zudem, wenn man es jetzt ganz eng sehen würde, hätte die eine Fellnase sich ganz schön erschreckt, ja, dem armen Tier einfach so den Hintern ins Gebiss zu drücken wär ja ganz schön tierquälerisch und er würde Tiere doch mögen, oder?
  4. Aber wir wollen mal nicht so sein, ist ja nichts weiter passiert, ach der Kratzer, der heilt doch wieder. Aber was mir aufgefallen ist, sind das Sommerreifen da an dem Transporter? Uiuiui, wenn das der Lothar sehen würde, ja, der eine Polizist, auch ein Freund der Familie, das gäbe sicherlich ein Bußgeld.

Treffer versenkt.

Wahre Helden wissen, wann es Zeit ist, sich zurückzuziehen. Und so guckte der Lieferwagenfahrer etwas verduzzt und fuhr wieder. Vorher nickte er noch freundlich und murmelte „Sie müssen hier noch unterschreiben.“ Aber ich bin mir sicher, dass er eines ganz gewiss weiss. Irgendwo muss Kryptonit rumgelegen haben, denn eigentlich ist er unverwundbar.

1 Kommentar
  1. mike
    mike sagte:

    Normen….
    Die Freunde der Freunde…
    Also die Freunde der Familia….
    Weist du mein Freund…..
    Dann kommst du zu die Fisse…..
    In die Wasser….
    Mit die Beton an die Füße….

    Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.