Gestern war es, als ich im wohl letzten Raucherbüro Deutschlands saß und bemerkte, dass ich meine Zigaretten vergessen hatte. Das freute mich besonders, denn der Aufzug ist kaputt. Also, die dreieinhalb Stockwerke runter zum Auto, die Suchtmittel vor dem Kältetod retten.

In dem Bürogebäude, in dem ich arbeite gibt es auch ein paar Mieter, einer von denen hat sogar einen Hund, und zwar einen ziemlich unfreundlichen Pinscher, der den 5 Meter Flexileinenradius zu nutzen weiß und jedem, der sich ihm nähert zeigt, wo der Frosch die Locken hat.

Als ich das Treppenhaus betrat hörte ich denn auch schon den vertrauten Dialog zwischen überforderter Halterin und unerzogenem Hund. „Sammy, nein, lasses, nein, Sammy.“

Da ich schon ein paar Mal das Vergnügen hatte, das Dou Infernale live zu erleben, habe ich es vorgezogen, zu warten, bis sich die beiden zum Ausgang vorgekämpft haben.

Als endlich Ruhe herrschte bin ich also raus, rechts zu meinem Auto und da standen sie. Frauchen hing kopfüber im Müllcontainer und tat irgendwas. Nur nicht auf ihren Hund achten.

Sammy erkannte mich, knurrte kurz und kam mir Dank tiefenentspanntem Flexileinenkabel entgegengeflogen. Da ich kein Interesse an einem Besuch der Bad Homburger Notaufnahme hatte, hab ich ihm kurzer Hand eine geschallert.

Frauchen hat denn auch mal begriffen, dass da gerade etwas semioptimal läuft und versuchte mehr oder weniger ambitioniert, Sammy wieder einzufangen.

Leicht angesäuert sagte ich zu ihr, dass ein bissiger Hund an der Flexileine wohl eine Scheißidee wäre, wenn man damit nicht umgehen kann. Sie schaute mich mit an und erwiderte zu meinem Erstaunen: „Selber Schuld, man fasst auch nicht einfach fremde Hunde an.“

Kennt Ihr noch die Fernsehserie „Der unglaubliche Hulk“?

Ungefähr so fühlte ich mich in dem Moment, am liebsten wäre ich explodiert und hätte ihr die Flexileine um die Ohren gehauen. Und ihren Sammy zum Spielen auf die Autobahn gejagt.

Aber habbichnich. Stattdessen stand ich ziemlich verduzzt da und sagte nur verdattert: „Ich hab den nicht angefasst, ich dem eine geschallert, weil er mich beissen wollte.“

Das hörte Sammys Frauchen jedoch nicht mehr, den sie ließ mich einfach stehen und ging.

Als ich das F. erzählt habe, sagte sie: „Und heute abend erzählt sie ihrem Freund von dem Idioten, der einfach so den Hund angefasst hat.“ Stimmt wohl.

In meiner Phantasie läuft sie mir die Tage übern Weg und ich werde sie mit dem Auto überfahren. Und nach ihrer Logik werde ich sie danach anschnauzen. Selber Schuld, warum rennt man auch gegen parkende Autos.

Apropo Auto.

Unser Nachbar, Herr Piefke, kann Hunde ja nicht leiden. Was natürlich doof ist, wenn man unser Nachbar ist. Unsere Hunde haben das relativ schnell bemerkt und begrüßen ihn dem entsprechend unhöflich, wenn er mal wieder schlecht gelaunt am Grundstück vorbeiläuft.

Da Höflichkeit nicht so Piefkes Stärke ist und er sich auch schonmal gerne darüber beschwert, dass „da ein Hund fiept“, den außer ihm keiner hört, geht mir das relativ am Arsch vorbei.

Um den lieben Frieden zu wahren und da er eh immer relativ früh zur Arbeit fährt, warten wir im Normalfall ab, bis er weg ist und lassen die Bande danach zur allmorgendlichen Kuhfliegerei in den Freilauf.

Im Normalfall wie gesagt. Und heute war es eben nicht der Normalfall, so dass es zum Duell am Gartenzaun kam. Während unsere Hunde Herrn Piefke anschnauzten, schnauzte er zurück, um dann empört ins Auto zu stürzen und wild hupend die Straße runter zu fahren.

Nun sind wir ja eigentlich ganz verträglich, aber die Piefkes gehen mir fürchterlich auf den Senkel. Zum Einen behandeln sie andere Menschen wie Dienstboten und zum anderen mischen sie sich in Dinge ein, die sie einfach nichts angehen.

Dazu kommt, dass sie sich über alles und jeden beschweren. Sei es der Bauer, der Gülle fährt, der Nachbar, der seine Bäume fällt oder eben wir, die wir „fiepende Hunde“ haben.

Früher mal, als ich noch etwas „wilder“ war, hätte ich so etwas alttestamentarisch gelöst und Piefkes Hupe einfach demontiert und ihm als Zeichen guter Nachbarschaft in den Briefkasten gesteckt. Heute jedoch bin ich ja etwas ruhiger, man wird ja nicht jünger.

Deshalb machen wir das beste da raus und laden Herrn Piefke herzlich ein:

hupen

2 Kommentare
  1. mike
    mike sagte:

    In Bezug auf den Pinscher und Nachbarn……..
    Könntest du das vor Gericht so erklären:
    Herr Richter, es ist mir nicht erklärbar wieso Herr Piefke ein Loch in den Zaun geschnitten hat. Auch das er die Hunde durch das Loch auf sein Grundstück gelockt hat und versucht hat diese „anzufassen“ ist mir unerklärlich….
    ;) Ach können Tagträume schön sein……

    Antworten
  2. Susi
    Susi sagte:

    Wohnst Du bei mir in der Nähe? Hört sich an, wie bei mir zu Hause :)

    Und in Zukunft lässt Du Dich bitte beissen – nur der Ordnung halber, damit das arme Hundiliiii endlich eine Daseinsberechtigung hat ;)

    LG und mach weiter so
    Susi

    Antworten

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