In  der “SitzPlatzFuss” Nr. 7 aus dem Cadmos-Verlag ist Normen mit einem Artikel vertreten, den Sie hier nachlesen können.

Hunde sind so!

Die Gründe, sich für ein Leben mit Hund zu entscheiden, sind vielfältig. Während die Sehnsucht nach einem Sozialpartner sicherlich die größte Bedeutung für den Wunsch nach einem Hund einnimmt, spielt häufig auch der Gedanke eine große Rolle, mehr Zeit an der frischen Luft zu verbringen und mit dem „neuen Kumpel“ die Natur zu erleben.
Mensch und Hund in der Natur. Dieses Bild weckt Assoziationen wie Aktivität und Gesundheit, eine ganze Industrie lebt vom Bedürfnis des Menschen, „Outdoor“ zu sein. Für Hund und Halter gibt es eine Vielzahl an Accessoires, die versprechen, Wind und Wetter zu trotzen und so für ein unbeschwertes Naturerlebnis zu sorgen.

Und in der Fantasie ist es so schön:

Raus in den Wald, einen Gang runterschalten und mal wieder die Sonne auf der Haut spüren. Der Geruch von frisch gemähten Gras, Erinnerungen an eine vergessen geglaubte Kindheit, vielleicht Ferien auf dem Lande, gemeinsame Abenteuer mit dem geliebten Hund der Großeltern, eine tolle Zeit.

In der Realität müssen viele Hundebesitzer dann feststellen, dass sie bei all den schönen Erinnerungen einige Details vergessen haben. Im frisch gemähten Gras wimmelt es nur so von Mücken, im Wald versinkt man mit den neu erworbenen Outdoorschuhen aus Weltraummaterial knöcheltief im Schlamm und das größte Abenteuer mit Opas Hund war, ihn irgendwie zu bändigen, sobald er eine Katze gesehen hat.

Mit der Natur ist das so eine Sache.

Neben den vielen schönen Dingen, die es zu erleben gibt, finden sich eben auch einige, die nicht so schön, idyllisch und entspannend sind. Und so wollen zwar viele Menschen die Natur und das Landleben geniessen, gleichzeitig beschweren sie sich dann darüber, dass es nach Kuhmist riecht oder das der Hahn frühmorgens kräht.

In den letzten Jahren verstärkt sich bei mir der Eindruck, dass dieses etwas gespaltene Verhältnis auch auf die Beziehung einiger Menschen zu ihren Hunden und deren Natur zutrifft.

Menschen und Hunde sind sich in vielerlei Hinsicht erstmal ähnlich. Beide sind hochsoziale Lebewesen, extrem anpassungsfähig und kommunikativ, was mit ein Grund für das gute Verhältnis zwischen Zwei- und Vierbeiner ist.

Doch bei aller Gemeinsamkeit unterscheiden sich Hunde hinsichtlich ihres Verhaltens und ihrer Bedürfnisse deutlich vom Homo Sapiens.

Und manche Hundebesitzer scheinen sich mit dem – normalen – Verhalten ihrer Hunde schwer zu tun und haben Probleme, dies als Teil des Tieres zu akzeptieren und mit dem Hund seiner Art entsprechend umzugehen.

Wenn man Menschen fragt, welche Eigenschaften sie sich von einem Hund wünschen, dann wird zumeist der klassische Familienhund beschrieben – menschenbezogen, sozialverträglich, kinderlieb und natürlich gut erzogen.
Auf die Frage, welche Eigenschaften sie bei einem Hund ablehnen, fallen Begriffe wie „Aggression“, „Dominanz“ und „Jagen“.

Gerade Aggression wird leider häufig nicht als das erkannt, was sie ist. Nämlich erstmal ein völlig normales und vor allem für die Lösung von Konflikten und zur Schadensvermeidung wichtiges Verhalten.

Ein angemessenes aggressives Verhalten muss allerdings gelernt sein.

Eine Chance, die viele Welpen mit Verlassen ihrer Wurfgeschwister nicht mehr haben.

In vielen Welpengruppen wird jeder Anflug von aggressiver Kommunikation sofort unterbunden und den jungen Hunden jede Möglichkeit genommen, zu erlernen, wie sie in Konfliktsituationen adäquat reagieren können.

In der Praxis erleben wir in der Folge häufig heranwachsende und ausgewachsene Hunde, die auf Grund mangelnder Lernerfahrung in der Konfrontation mit Artgenossen unangemessen reagieren, was schliesslich zu ernsthaften Auseinandersetzungen und Verletzungen führen kann.

Hunde haben Sex!

Ähnlich schwierig wie mit dem Aggressionsverhalten als Bestandteil der Natur des Hundes verhält es sich mit dem Sexualverhalten der Tiere.

Es ist absolut verständlich, dass ein Hundebesitzer kein Interesse hat, Welpen aufzuziehen.

Und in Anbetracht überfüllter Tierheime und einer Unzahl von Hunden, die von Züchtern und anderen Quellen angeboten werden, ist das Unterbinden der Fortpflanzung unserer Hunde gut und richtig.

Nichts desto trotz haben unsere Hunde ein Sexualleben und würden sich, wenn sie die Möglichkeit hätten, auch fortpflanzen und ihre Welpen aufziehen.

Und auch, wenn unsere Hunde in Gegensatz zum Menschen sicherlich nicht lustbetont agieren und der Fortpflanzungsakt alles andere als romantisch ist, gehört das Sexualverhalten ebenso wie beim Menschen zu den elementaren und normalen Funktionskreisen der Hunde.

Diese Tatsache ist für viele Menschen allerdings ein bisschen zu viel der Natur.

Und so wird das Sexualleben unserer Hunde komplett unterbunden und verdrängt.

Schlimmer noch, sobald sich ein Hund sexuell aktiv/interessiert zeigt, reagieren viele Hundebesitzer nahezu schockiert und schämen sich in Grund und Boden.

Und dem Rüden, der auf Grund der läufigen Hündin in der Nachbarschaft nervös ist und bellt, wird schnell mal unterstellt, dass er leidet, was häufig eine Kastration zur Folge hat.

Es gibt einige Rüden, die in Anbetracht einer läufigen Hündin der Art heftig leiden oder sich dermaßen hypersexuell verhalten, dass eine Kastration eine Erlösung ist.

Allerdings – aber das ist nur meine persönliche Meinung – scheinen es doch häufig eher die Menschen zu sein, die beim Anblick von Bluttröpfchen ihrer Hündin auf dem Teppichboden oder auf Grund des Gejammers ihres Rüden leiden und dann dazu neigen, kurzen Prozess zu machen.

Kastration als Allheilmittel

In den letzten Jahren können wir immer öfter einen bedenklichen Trend beobachten. Hunde werden häufig sehr früh kastriert, teilweise bereits in einem Alter von unter sechs Monaten.

Dies trifft besonders häufig auf Rüden solcher Hunderassen zu, die auf den Rasselisten zu finden sind. Meist wird von tierärztlicher Seite argumentiert, dass die Entwicklung eines – beim individuellen Hund vermuteten – erhöhten Aggressionspotentials durch den Eingriff verhindert werden könne.

Dieses Argument kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. So erleben wir immer wieder Frühkastraten, die trotz des Eingriffes ein deutliches Aggressionspotential an den Tag legen.

Statt des gewünschten Effektes der Kastration kann es auch dazu kommen, dass der Hund nach dem Eingriff eine übersteigerte Aggressionsbereitschaft an den Tag legt.

Das Testoreron, das einem sensiblen Rüden vielleicht noch als Stütze bei der Bewältigung des Alltags half, wird abgebaut, und so kann aus einem eher unsicheren Hund ein übernervöser und zu Überreaktionen neigender Hund werden.

Grundsätzlich bin ich jedoch weder Befürworter noch Gegner von Kastration. Bei entsprechender Indikation halte ich sie für sinnvoll. Als Allheilmittel gegen unerwünschtes (Sexual-)Verhalten halte ich den Eingriff für unangemessen.

Leider können wir häufig beobachten, das manche Tierärzte relativ schnell dabei sind, wenn es um die Kastration geht. Zum Einen liegt es sicherlich daran, dass der Eingriff lukrativ ist, zum Anderen drängt sich mir allerdings auch der Verdacht auf, dass viele Veterinärmediziner nicht über das notwendige Wissen verfügen, welche Folgen dieser Eingriff haben kann.

Das Sexualleben unserer Haushunde beschränkt sich nicht ausschliesslich auf den Deckakt. Und wenn dieser aus naheliegenden Gründen ausfallen muss, so wäre es meiner Meinung nach wünschenswert, wenn wir unseren Hunde dennoch zugestehen, dass sie sexuelle Lebewesen sind.

Hunde prügeln sich!

Gerade bei unkastrierten Rüden in der „Sturm- und Drangphase“ lässt sich beobachten, dass sie häufiger aggressiv gegenüber gleichgeschlechtlichen Artgenossen auftreten. Doch vorausgesetzt, der Hund verfügt über die entsprechenden Lernerfahrungen, verhält es sich meiner Meinung nach auch hier so, dass solche „Pöbeleien“ des jungen Hundes zum Reifeprozess gehören und als gesund zu bezeichnen sind.

Wenn wir ehrlich sind, erinnern solche Hunde bei genauer Betrachtung oft doch eher an Jungen in der Pubertät, die sich in der Diskothek selbst darstellen und rumprahlen, tatsächlich jedoch nicht wirklich Eindruck schinden.

Meiner Meinung nach dürfen sich Hunde auch mal prügeln, so lange es beim Kommentkampf bleibt und die Vierbeiner über ein vergleichbares Energielevel verfügen.

Allerdings darf das natürlich nicht bedeuten, dass die Tiere „das schon unter sich regeln“. Ein Auge dafür, wann ein solcher Konflikt in den Ernstkampf kippen könnte, sollte vorhanden sein und bei solchen Anzeichen rechtzeitig abgebrochen werden.

Ein pöbelnder Jungrüde kann je nach Gemütszustand seines Besitzers sicherlich eine große emotionale Belastung darstellen, jedoch würde ich immer dafür plädieren, den Konflikt anzunehmen und erzieherisch einzuwirken.

Auch hier ist eine Kastration, vor allem in früher Jugend, nicht nur ein massiver Eingriff in die Entwicklung des Hundes, sondern verstösst auch gegen das Tierschutzgesetz. Dort steht gleich in §1, dass niemand „einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“ darf.

Ein Rüde, der sich so verhält, wie sich Rüden in einer bestimmten Entwicklungsphase nunmal verhalten, ist sicherlich nicht als vernünftiger Grund anzusehen. Ein Rüde, der sich eventuell irgendwann so verhalten könnte erst recht nicht!

Hunde bellen!

Im Zuge der Domestikation haben unsere Hunde durch Selektion Eigenschaften entwickelt, die für uns Menschen sehr nützlich waren.

Ein Beispiel hierfür ist das Bellen.

Während unsere Vorfahren froh darüber waren, dass ihre Lagerstätten von wandelnden Alarmanlagen bewacht wurden, stellt Bellen heute für viele Hundehalter ein großes Ärgernis und einen häufigen Abgabegrund in den Tierheimen dar.

Dies ist umso erstaunlicher, da bereits Kleinstkinder lernen, dass der Hund „Wau Wau“ macht.

Natürlich nervt ein Hund, der in einer Tour bellt.

Zu welch drastischen Mitteln der Mensch jedoch fähig ist, wenn es um die schnelle Problemlösung dieses unerwünschten Verhaltens geht, zeigt ein Blick in das Fachbuch „Verhaltensmedizin beim Hund“ aus dem Jahr 2007.

Hier wird bei übermäßigen Bellen das sogenannte „Debarking“ als Möglichkeit der Therapie empfohlen. Bei diesem operativen Eingriff werden dem Hund die Stimmbänder durchgeschnitten. Tatsächlich wird das Bellen dadurch jedoch nicht unterbunden, sondern nur verhindert, dass der Hund die Lautäußerung hervorbringen kann.

Wann überhaupt davon gesprochen werden kann, das ein Hund übermäßig viel bellt, hängt dabei stark von Rasse und Umfeld eines Hundes ab.

Gerade im Bereich der Verhaltensmedizin wäre es demnach wünschenswert, wenn im Zusammenhang mit der Verhaltenskunde zwingend auch elementares Wissen über rassespezifische Eigenschaften der Hunde vorhanden wäre.

Paradoxerweise wird Bellen nur dann als störend empfunden, wenn es uns Menschen gerade nicht passt. Der Hund soll zwar anzeigen, wenn jemand im Treppenhaus ist, aber bitte nur, wenn dieser jemand ein Eindringling ist und bitte nicht, wenn wir gerade ein Buch lesen oder die Nachbarn schon schlafen.

Es ist nahezu eine Meisterleistung unserer Hunde, dass es tatsächlich welche gibt, die das beherrschen.

Hunde jagen!

Ebenso, wie wir heute kaum noch Hunde benötigen, die uns durch lautes Bellen vor Eindringlingen warnen, gibt es auch nur noch wenige Menschen, die einen jagdlich motivierten Hund brauchen.

Pointiert könnte man auch sagen, dass heutzutage ausser Jägern eigentlich nur noch Hundetrainer jagende Hunde brauchen – und zwar an der Seite ihrer Kunden.

Wenn ich hier über „Jagen“ schreibe, meine ich damit in allererster Linie das Hetzen als Teil dieses Funktionskreises.

Denn in unserer Wahrnehmung ist es häufig so, dass ein Weimaraner, der hetzt, ein jagender Hund ist. Ein Bordercollie jedoch, der fixiert, sich anschleicht und treibt, der hütet.

Und obwohl die genannten Verhaltensweisen des Bordercollies genauso zum Jagdverhalten gehören wie das Hetzen, werden sie, häufig im Zusammenhang mit der Hunderasse, gerne romantisiert. Und Suchmäuseln finden viele Menschen sogar niedlich.

Die Appetenz, also die Suche nach dem auslösenen Reiz, wiederum wird in vielen Fällen gar nicht erst bemerkt und so gibt es auch Hunde, die bereits an der Wohnungstür Jagdverhalten zeigen, ohne dass die Besitzer das Problem erkennen, welches sie schliesslich draussen erwartet.

Dabei verdanken unsere Hunde uns Menschen, dass sie auch in unserer heutigen Zeit noch begnadete Jäger sind.
Eigentlich müsste ein Hund nämlich nicht jagen und würde es vermutlich auch nicht tun, wenn dieses Verhalten für unsere Vorfahren nicht wünschenswert gewesen wäre.

Schliesslich blickt der Hund auf Jahrtausende Rundumversorgung zurück.

Rein geschichtlich betrachtet hätte der Hund das Jagen irgendwann eingestellt, da es in der Obhut der Menschen und auf Grund der Verfügbarkeit von Nahrung dafür schlicht und ergreifend keinen Grund mehr gab.

Menschen waren es schliesslich, die sich das jagdliche Talent der Hundes zu Nutze gemacht und gezielt gefördert haben.

Nun hat sich unsere Gesellschaft gewandelt und wenn wir auf der Jagd nach Nahrung sind, dann meistens auf der nach besonders günstigen Preisen.

Und was unsere Hunde angeht, ist jagen nicht nur unerwünscht, sondern gesellschaftlich nahezu geächtet.
Für einen Hund, der hier besonders talentiert ist, ist die Situation alles andere als artgerecht.

Über Jahrtausende dahingehend selektiert, jagdliches Verhalten zu zeigen, sind sie nun arbeitslos und häufig dazu verdammt, auf Grund ihrer Fähigkeit ein Leben an der Leine oder unter strenger Beobachtung ihrer besorgten Halter zu führen.

Der Hund, der einem Kaninchen hintermacht, läuft außerdem Gefahr, sein Leben zu verlieren. Wenn nicht auf einer unzähligen stark befahrenen Straßen, dann vielleicht durch einen anderen begnadeten Jäger, nämlich dem Menschen. Arme Hunde!

Wenn ich über Jagdverhalten beim Hund schreibe, benutze ich immer gezielt den Begriff Talent. Denn hierbei handelt es sich um eine besondere Begabung, die man als Hundehalter als Teil seines Hundes akzeptieren sollte, wenn man ihm gerecht werden möchte.

Und wie es mit Begabungen so ist, haben Halter die Möglichkeit, diese zu fördern oder gezielt verkümmern zu lassen. Über eines sollten wir uns aber im Klaren sein.

Ähnlich wie bei einem begabten Kind kann es sein, dass der Hund sein Talent irgendwann auch ohne Förderung entdeckt und sich als wahrer Künstler in seinem Metier entpuppt. Das ist dann seine Natur!

Und auch, wenn ich die Sorgen vieler Besitzer eines jagenden Hundes nachvollziehen kann, finde ich es bedenklich, wie viele Hunde in Deutschland „unter Strom“ laufen, obwohl Reizstromgeräte verboten sind.

Manchmal haben sie Angst

Doch nicht nur vermeintlich „böse“ Verhaltensweisen wie die erwähnte Aggression oder das Jagdverhalten eines Hundes werden häufig nicht als normales Verhalten und somit als Teil unserer Hunde akzeptiert.

Ähnlich verhält es sich, wenn ein Hund „Angst“ hat – eine sehr häufige Problembeschreibung von Hundebesitzern und trotzdem erstmal normal.

Grundsätzlich ist Angst bzw. Furcht eine lebenswichtige Reaktion auf Reize, die wir nicht einschätzen können oder bei denen wir auf negative Erfahrungen zurückgreifen können.

Und vergleichbar mit der Aggression stellt ängstliches Verhalten erst dann ein Problem für uns und unsere Umwelt dar, wenn sie unangemessen ist.

Viele unserer Hunde reagieren auf verschiedene Reize in unseren Augen ängstlich oder unsicher. Meistens handelt es sich dabei um Lernerfahrungen, also Lösungswege der Hunde, die sich als praktikabel erwiesen haben, um einer unangenehmen Situation zu entgehen.

Damit ein solcher Hund alltagstauglich werden kann, würden Menschen benötigt, die die Unsicherheit des Tieres zum Einen akzeptieren, es aber auch auch souverän und deutlich durch die angsteinflössende Situation führen können. Sozusagen der Felsen in der Brandung, an dem der Hund sich halten kann.

Doch leider geschieht häufig genau das Gegenteil. Statt dem Hund diesen Halt zu bieten, gehen viele Halter dazu über, das Tier durch Mitleid, Verständnis und vermeintlichen Entgegenkommen vor dem zu erwartenden Unheil zu bewahren. Mit dem Ergebnis, dass der Hund seine Strategie verfestigt und ausbaut.

Übrigens: Richtige „Angsthunde“ finden sich indes sehr selten. Dazu kommt, dass solche Hunde, wenn sie in die Attacke gehen, im Angesicht von Todesangst deutlich vehementer vorgehen als ein Hund, der z.B. offensiv aggressives Verhalten zeigt.

Wenn man also bei Hunden, die Angst haben, von „Fight, Flight and Freeze“ als mögliche Verhaltensweisen spricht, dann steht der Begriff „Fight“ für eine ernstzunehmende Gefährlichkeit. Dies ist insbesondere für solche Menschen wichtig zu wissen, die aus Mitgefühl einem solch „armen Hund“ helfen möchten.

Artgerecht kommunizieren!

Im Gegensatz zum Menschen kennen Hunde keine Scham. Während wir peinlich berührt nach Entschuldigungen suchen, ist es für unseren Hund überhaupt kein Problem, sich auf den Artgenossen zu stürzen, der ihn gerade drohfixiert hat und sich wild auf der Hundewiese zu prügeln.

In diesem Moment befindet sich der Mensch in einem Konflikt. Vielleicht mit sich selber ob der Blicke, die er erntet, in jedem Fall aber im Konflikt mit seinem Hund.

Wenn wir uns anschauen, wie Menschen Konflikte lösen, dann geschieht dies in den allermeisten Fällen, in dem sie gegensätzliche Argumente darlegen und im Idealfall partnerschaftlich zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Was innerartlich gut funktioniert, schlägt im Konflikt mit dem Hund (und in der Kindererziehung) meist gnadenlos fehl.
Hierarchisches Denken ist uns Menschen zuwider, wir geben keine Befehle, sondern bitten um etwas. Wenn wir etwas nicht möchten, argumentieren wir – alles Dinge, die uns und unsere Kultur vorwärtsgebracht haben.

Hunde sind zwar Teil unserer Kultur, können mit Demokratie und menschlicher Streitkultur jedoch nichts anfangen. Um zu erlernen, dass ein Verhalten nicht erwünscht ist, muss ein Hund erfahren, das ein Zuwiderhandeln mit einer Konsequenz verbunden ist.

Wie die heiße Herdplatte, die für ein Kind so lange verlockend ist, bis es sich verbrannt hat, wird ein Hund an der Leine pöbeln, bis er erfahren hat, dass dieses Verhalten nicht geduldet und – jetzt kommt ein böses Wort – bestraft wird.
Mit dem Begriff Strafe wiederum haben viele Menschen ein Problem. Sofort schiessen einem Tritte, Schläge und fiese Tierquäler in den Kopf und man denkt an Zeiten, in denen die Prügelstrafe an Schulen noch an der Tagesordnung waren.

Eine Hundeschule, die heute etwas auf sich hält, schwört auf den Begriff „positive Bestärkung“. Positiv wird dabei gleichgesetzt mit bejahend und nett. Bejahend und nett kommt bei potentiellen Kunden gut an, da diese Form der Herangehensweise wie eben beschrieben unserer Natur entspricht.

In der Lerntheorie bedeutet der Begriff „positiv“ jedoch nichts anderes als „etwas hinzuzufügen“.

Dies kann im Falle der Belohnung das Leckerchen sein, im Falle der Bestrafung beschreibt der Begriff das Hinzufügen von etwas Unangenehmen.

Hunde sind körperlich!

Wenn man Hunde in einer Gruppe beobachtet, stellt man schnell fest, dass unerwünschte Verhaltensweisen eines Tieres durch die anderen Tiere unmittelbar und deutlich abgebrochen werden.

Wichtige soziale Fähigkeiten wie z.B. die Beißhemmung erlernen Welpen in dem sie austesten, wie weit sie gehen können und erfahren dies sofort anhand der Reaktion ihrer Wurfgeschwister bzw. Mutter.

Doch diese Form der Erziehung und des Erlernens sozialer Regeln entspricht nicht unserer Vorstellung eines partnerschaftlichen Zusammenlebens.

Doch kommt sie nicht nur der Natur unserer Hunde näher, als die höfliche Bitte, den Jogger doch in Ruhe zu lassen, sondern ist auch erfolgversprechender. Und der Jogger wird es Ihnen danken!
Hunde sollten das Recht darauf haben, Ihrem Wesen entsprechend zu erfahren, was sie dürfen und was nicht. Klare Grenzen bedeuten keinesfalls eine Einschränkung des Hundes, ganz im Gegenteil! Ein Hund, der seine Grenzen kennt, kann ohne Leine laufen, kann uns ins Restaurant begleiten und kann Sozialkontakt zu Artgenossen pflegen. Ein tolles Leben!

Hunde sind so – und das muss man mögen!

Hunde sind aggressiv, prügeln sich, jagen und haben ein Sexleben. Außerdem haaren sie, stinken und machen Dreck. Unsere guten Ratschläge sind ihnen völlig egal und sie lassen uns unter Umständen im Regen stehen, weil das Reh gerade interessanter ist.

Diese Dinge machen sie genau so aus wie die vielen positiven Eigenschaften, über die unsere Hunde verfügen. Dessen sollten wir uns bewusst sein und das sollten wir akzeptieren. Nein, das sollten wir mögen! Unsere Hunde haben es verdient.

1 Antwort
  1. Hartwig Neumann
    Hartwig Neumann sagte:

    Hallo Normen. Sehr guter Beitrag. Auch genau mein Reden. Leider ist es meistens verdammt schwer, die Natur des Hundes, so wie in den Beitrag beschrieben, den meisten Hundehalter und auch Nichthundehaltern verständlich zu machen. Ich denke das die Stellenwertigkeit der Tierart Hund immer mehr in die Vermenschlichung rutscht. Von daher die meisten kaum zugänglich wie Hunde von Natur aus ticken. Für uns Hundetrainer eine Herausforderung das zu ändern. Gruß Hartwig

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