In  der “SitzPlatzFuss” Nr. 7 aus dem Cadmos-Verlag findet sich ein Interview mit dem Kynologen und Huderassenexperten Gerd Leder, welchen Normen geführt hat. Den Artikel können Sie hier nachlesen:

Macht Rassezucht unsere Hunde krank?

Gleich zu Beginn des 6. Leipziger Tierärztekongresses im Januar 2012 stand ein heikles Thema auf der Tagesordnung der Veranstaltung: „Macht die Rassezucht unsere Hunde und Katzen krank?“

Im Blickpunkt der Referenten standen die sogenannten brachyzephalen, also kurznasigen Hunderassen wie z.B. Mops und englische Bulldogge.

Eine Studie der Kleintierklinik der Universität Leipzig unter Besitzern solcher Hunde ergab, dass viele der Tiere unter Atemprobleme leiden. Ein Drittel der Tiere ist sogar schon einmal aufgrund von Atemnot umgefallen, über die Hälfte von ihnen hat dabei das Bewusstsein verloren.

Doch nicht nur bei kurznasigen Hunden gibt es in den letzten Jahren vermehrt gesundheitliche Probleme. Beinahe die Hälfte der durch den FCI anerkannten Hunderassen zeigen Dispositionen für Erbkrankheiten.

Ob Augenprobleme, Allergien, Epilepsie – insgesamt sind heute über 500 Erbkrankheiten bei unseren Rassehunden bekannt.

Wie kann es sein, dass sich diese Krankheiten in den letzten Jahren derart ausgebreitet haben?

Wir sprachen mit Gerd Leder, Kynologe, Hundetrainer und ausgewiesener Kenner der Ursprünge unserer heutigen Rassehunde über die Gesundheit der Rassehunde, über Zucht und über unser heutiges Verhältnis zu unseren Hunden.

Hallo Gerd, in letzter Zeit habe ich den Eindruck, dass immer mehr Hunderassen von Gesundheitsproblemen betroffen sind. Stimmt das?

Meiner Meinung nach hat sich dieser Trend in den letzten Jahren nicht verstärkt, vielmehr ist unsere Gesellschaft transparenter geworden. Ich denke, dass die Problematik mit den Erbkrankheiten ihren Anfang in den 1970er und 1980er Jahren genommen hat. Allerdings wurden solche Probleme damals eher verschwiegen, beschönigt oder gar vertuscht.

Dies ist zwar auch heute noch der Fall, allerdings sind die Hundebesitzer heute mehr vernetzt, treffen sich bei Tierärzten, chatten und tauschen sich in Foren aus. So kommen immer mehr Details über Gesundheitsprobleme ans Licht, die früher noch als absolute Insiderinformationen gehandelt wurden.

Deshalb glaube ich, dass die vielen Erbkrankheiten schon viel früher bekannt waren und es sich nicht um einen Trend der letzten paar Jahre handelt.

Ist es richtig, dass sich die Gesundheitsproblematik in der Hundezucht darauf zurückführen lässt, dass Hunde nicht mehr auf ihren Arbeitseinsatz hin gezüchtet wurden, sondern nunmehr auf Äußerlichkeiten?

Es gibt noch einen weiteren entscheidenden Punkt. Nicht nur die Fokussierung weg von Leistungsfähigkeit hin zu Schönheit sondern auch die Möglichkeiten der Ernährung, der veterinärmedizinischen Versorgung und der Prophylaxe haben es ermöglicht, dass Hunde – mittlerweile auch solche die arbeiten – in die Zucht gelangen konnten, obwohl sie z.B. hoch allergisch auf bestimmte Futtermittel reagieren. Für solche Hunde gibt es Spezialdiäten. Andere Tiere können vielleicht nur unter bestimmten Bedingungen ihre Leistung zeigen, also schafft man diese Bedingungen.

Vor Einhundert Jahren mussten die Menschen es in Kauf genommen, dass ein Teil der Hunde bei einfacher Haltung krank geworden und gestorben ist. So hatte man noch keine Impfstoffe und schwache Tiere haben nicht überlebt.

Heute sind viele Züchter – nicht aus Profitgier, vielmehr aus Tierliebe – bereit, für ihre Welpen und die Zuchthündinnen alles zu tun, damit es ihnen gut geht. Das kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen.

Doch die Kehrseite der Medaille ist, dass auch Hunde mit einem schwächeren Verdauungssystem, Immunsystem, Allergien usw. heute erfolgreich in die Zucht kommen, die vor einigen Jahrzehnten nicht mal ihr erstes Lebensjahr überlebt hätten.

Interessant ist zu beobachten, wie sich die Rassen im Laufe der letzten Jahrzehnte äußerlich teilweise gravierend geändert haben, obwohl die Rassestandards nur marginal angepasst wurden.

Diese Übertypisierung, die Du ansprichst, die fast bis zur Lebensunfähigkeit eines Hundes sorgt, konnte erst dadurch entstehen, dass z.B. es Möglichkeiten gab, Hündinnen zur Zucht zu verwenden, die früher bei der Geburt gestorben wären. Heute gibt es die Möglichkeit des Kaiserschnitts. In einem armen Land oder in einem Land, in dem die veterinärmedizinische Versorgung nicht so weit fortgeschritten ist, ist eine solche Übertypisierung gar nicht möglich, weil dort noch gewisse natürliche Selektionsmechanismen greifen. In einer solchen Situation könnte die Hündin ihre Welpen nicht gebären und würde sterben. Nur wenn Menschen unterstützend eingreifen, können solche eigentlich nicht lebensfähigen Formen gezüchtet werden.

Also werden Hunde in den Industriestaaten quasi krank gezüchtet, weil es möglich ist …

Zudem lassen die Standards einen wahnsinnig großen Spielraum für Interpretationen. Außer bei den Größen- und Gewichtsangaben wird nur ganz selten im Zentimeterbereich gemessen, es wird lediglich beschrieben und so ist es Auslegungssache der Zuchtrichter in welchem Maße die Ausprägung eines Merkmales erwünscht ist.

Ist die viel diskutierte abfallende Hüfte des Deutschen Schäferhundes dem entsprechend das Ergebnis des persönlichen Geschmacks einiger Zuchtrichter mit der Folge, dass andere Züchter in der Hoffnung auf Erfolg dieses Merkmal übernommen haben?

Richtig, eine tiefere Erklärung hierfür gibt es nicht.

Fast die Hälfte der erfassten Hunderassen leiden unter erblich bedingten Krankheiten und es sind mehr als 500 Krankheiten bekannt. Gleichzeitig sind Züchter mit dem Versuch, Frischbluteinkreuzungen durchzusetzen gescheitert. Wie passt das zusammen?

Eine ähnliche Problematik gab es in der Sportpferdezucht. In diesem Bereich wird seit Generationen immer wieder ein ähnliches Tier völlig problemlos eingekreuzt und niemand denkt sich etwas dabei z.B. eine Hannoveraner Stute mit einem englischen Vollblut zu kreuzen, um die Leistungsfähigkeit der Tiere zu steigern oder zumindest zu erhalten. Natürlich in Verbindungen mit Leistungsprüfungen.

In der Hundezucht ist man von dieser Praxis leider meilenweit entfernt. Man könnte verwandte Rassen oder Rassen mit ähnlichen Aufgabengebieten einkreuzen. Die erste Generation würde vielleicht nicht ganz rassetypisch aussehen, aber bereits nach zwei bis drei Generationen wären die Hunde vom Aussehen und vom Verhalten kaum noch oder gar nicht von der angestrebten Rasse zu unterscheiden. Allerdings wird dies nicht praktiziert.

Was bei anderen Haus- und Hoftieren Gang und Gäbe ist, ist in der Hundezucht wohl aus ideologischen Gründen vollkommen ausgeschlossen.

Vielleicht auch aus finanziellen Gründen?

Nein, ich glaube nicht, dass finanzielle Gründe eine Rolle spielen. Die Hundezucht hat einen hohen Prestigewert für die Menschen, der nicht zu unterschätzen ist. Sie identifizieren sich in einer Art und Weise mit „ihrer“ Rasse, die sie vielleicht auch ein wenig blind für rassetypische Krankheiten macht. Da heißt es nicht „Diese Hunderasse ist krank“ oder „sie disponiert zu dieser oder jenen Erkrankung“. Stattdessen heißt es „hier muss ich aufpassen: Eingeschränkte Bewegung, spezielle Fütterung, regelmäßige Tierarztbesuche und dann wird das schon.“ Wir sprechen hier von einer ganz anderen Denkweise, als beispielsweise ein Nutztierzüchter hat, der für möglichst robuste und gesunde Tiere sorgen muss, die – und das ist natürlich ein makabres Beispiel – unter den artwidrigen Bedingungen einer Massentierhaltung überleben. Er hat natürlich ein ehrliches Interesse daran, extrem gesunde Tiere zu züchten, die möglichst wenig veterinärmedizinische Kosten verursachen.

Die Terminologie in der Hundezucht ändert sich gerade. Vor 30 Jahren haben Züchter von „ihren Welpen“ gesprochen, heute sprechen sie von „ihren Babys“. Früher sagte man „meine Hündin ist gedeckt und wirft in 63 Tagen“, heute bekommt die Hundemutti ihre Babys.

Kommen wir nochmal zurück auf die Erbkrankheiten. Wie hoch ist den überhaupt noch der Anteil der Hunde, die gesund sind?

Wie will man das ermitteln? Man sieht einen Hund, der offensichtlich gesund ist, glänzendes Fell, strahlend weiße Zähne hat und sich im Ausstellungsring harmonisch bewegt. Man kann aber nicht erkennen, ob der Hund wirklich gesund ist, ein einfaches Futter, regelmäßige Bewegung bekommt und in festen sozialen Strukturen lebt. Vielleicht wirkt er auch nur gesund, weil eine renommierte Tierklinik für das Tier in einer langwierigen Prozedur einen speziellen Ernährungsplan erarbeitet hat. Diese Information wird ein Züchter sicherlich für sich behalten, weil sich sonst vielleicht niemand findet, der Nachzuchten von diesem Hund kaufen wird.

Solche Hintergründe kommen dann meistens durch einen Zufall ans Tageslicht. Wenn ein Rüde mehrere Hündinnen deckt und sich die Welpenkäufer dann z.B. im Internet austauschen und sich so herausstellt, dass ein hoher Prozentsatz der Welpen, die ja Halbgeschwister sind, krank sind, wird so etwas öffentlich.

Außerhalb von solchen Zufällen werden solche Details nicht an die Öffentlichkeit gebracht, vielmehr werden sie vertuscht und beschönigt. „Das ist doch gar nicht so schlimm“, Die dürfen so etwas nicht fressen, das weiß man doch“ und „Nicht alles auf einmal, sonst bekommt er halt eine Magendrehung“ sind häufige Erklärungsversuche. Und schließlich wird erklärt, was man alles beachten muss, damit mit dem Hund alles in Ordnung ist.

Aber um für die Zucht zugelassen zu werden, müssen Hunde – wir hatten das Beispiel Deutscher Schäferhund – doch HD-geröngt werden und Vielseitigkeits- und Ausdauerprüfungen bestehen.

Ja, die Hunde werden geröntgt und untersucht. Der Haken daran ist jedoch, dass die Hunde einer durchgezüchteten Hunderasse sehr eng miteinander verwandt sind. Was bringt es, wenn ich einen befundfreien Hund in die Zucht nehme, dessen Geschwister jedoch Symptome einer Krankheit haben? Wenn ich einen HD-freien Hund mit perfekten Hüften für die Zucht empfehle und dieser Hund hat eine Wurfschwester mit schwerer HD und einen Wurfbruder mit leichter HD – dann ist dieser Hund, obwohl er selber befundfrei und vielleicht ein Prachtexemplar seiner Rasse ist, für die Zucht ein denkbar schlechter Vertreter.

Trotzdem werden solche Hunde verwendet. Denn würden man diese auch noch von der Zucht ausschließen, würde der Genpool weiter verkleinert. So entwickelt sich ein Teufelskreis.

Anders verhält es sich, wenn die ganze Rasse kollektiv in der Arbeit eingesetzt wird, was nur noch bei ganz wenigen der Fall ist. Mir fällt spontan der Working Kelpie ein, wo 95 % der Hunde in Australien auf den Farmen arbeiten. Keiner dort kauft einen Hund aus einer Zucht, in der Krankheiten auftreten. Selbst wenn der Deckrüde und die Hündin befundfrei sind – wenn sich einmal rumgesprochen hat, dass manche Hunde z.B. Probleme bei Hitze haben, dann wollen die Farmer von der ganzen Verwandtschaft nichts mehr wissen.

Auf der anderen Seite haben wir Hunde, für die kein Rassestandard geschrieben wurde, die jedoch seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden beinahe identisch aussehen.

Unter starken Einfluss der Natur – also Klima, Gelände, Struktur und Nahrungsgrundlage – und in Verbindung mit einer Arbeitssituation bzw. Anforderung hat sich über Jahrhunderte ein Hundetyp herausgebildet, der für diese Situation am besten geeignet sind. Dieser wird sich auch nicht verändern, ähnlich wie die Unterart eines Wildtiers, dass sich perfekt an seine Umgebung anpasst. Die Füchse in einer Region sehen sich auch sehr ähnlich. In einer anderen Region, in der es vielleicht etwas kälter ist, werden die Füchse gleichmäßig dichteres Fell haben. Dasselbe passiert mit Hunden, die in einem speziellen Arbeitsgebiet in einer relativ natürlichen Umgebung und vielleicht unter etwas extremeren Bedingungen leben und arbeiten müssen. Die Hunde sind daran dann sehr gut angepasst und so gibt es weder für die Züchter einen Grund, etwas daran zu ändern, noch werden sich die Hunde ändern.

Solche Hunde verändern sich jedoch innerhalb von wenigen Jahrzehnten sowohl vom Aussehen als auch vom Verhalten her, wenn man einige Tiere aus ihrem ursprünglichen Aufgabenfeld und ihrer ursprünglichen Umgebung herausgreift. Züchtet man einige dieser Hunde in unserer „zivilisierten“ Umgebung, greift man ja in den Genpool ein und sie werden innerhalb von beispielsweise 50 Jahren ihren Vorfahren kaum noch ähneln.

Du hast gerade das Verhalten erwähnt. Ich habe den Eindruck, dass viele eigentlich als zuverlässig anerkannte Gebrauchshunde heute nach Beißunfällen im Tierschutz enden. Hängt das Deiner Meinung nach auch mit der Zucht zusammen oder liegen die Gründe eher in anderen Bereichen?

Da werden mehrere Faktoren zusammenspielen. Und wenn diese unglücklich in einem durch die Zucht prädestinierten Exemplar zusammentreffen, dann werden solche Katastrophen passieren. Man darf nicht vergessen, dass es immer, seit dem es Hunde gibt auch Unfälle gab. Und man sollte nicht alles, was früher war, romantisieren.

Allerdings hatte man noch vor wenigen Jahrzehnten ein anderes emotionales Verhältnis zu Hunden und bei schweren Beißvorfällen gab es für den betroffenen Hund eigentlich nur eine Lösung. Der Hund wurde beseitigt und seine Gene damit aus der Zucht genommen. Das Tier stellte einen Risikofaktor da und niemand wollte mit einem Risikofaktor zusammenleben.

Außerdem wurde bei der Erziehung mehr nach dem Bauchgefühl gegangen und die Leute legten mehr Wert darauf, einen Hund zu halten, der zu ihrer Lebenssituation passte.

Metzger und Viehhändler hielten Rottweiler, Jäger hielten Jagdhunde, Landwirte hatten Sennenhund- oder Schnauzerähnliche Hunde im Hof und die Familie mit Kindern einen Pudel.

Jeder kam mit seinem Hund gut klar, weil er nicht ständig hemmen und reglementieren musste, sondern eigentlich nur noch die gewünschten Eigenschaften ein wenig kanalisieren.

Heute leben schwere, hochaktive Wach- und Schutzhundrassen und Hundetypen aus anderen Kulturkreisen bei Menschen, die von ihren Möglichkeiten her überfordert sind. Das birgt natürlich Konfliktpotential.

Da ich weiß, dass die Altdeutschen Hütehunde deine Passion sind: In letzter Zeit sehen wir diese Hunde wieder vermehrt, meistens auf Hundeplätzen mit dem Ziel, die Hunde auszulasten. Wie ist Deine Meinung dazu?

Es ist so. Körperlich auslasten kann man einen gesunden und fitten altdeutschen Hütehund kaum. Es sei denn, man gibt ihm die Möglichkeit, sich 6 bis 7 Stunden als Läufer zu betätigen. Aber das ist überhaupt nicht erforderlich.

Ein guter Freund von mir hat drei Altdeutsche, darunter einen 7 Monate alten Junghund. Mit diesem Hund wird bewusst nichts getan. Gar nichts. Außer das er freundlich behandelt wird, nachts mit ins Haus rein darf und mit seinen Artgenossen und Menschen zusammen die Nacht verbringt.

Ich habe selten so ausgeglichene Altdeutsche gesehen wie diese Hunde, die sich sehr leichtführig zeigen aber in keinster Weise überdreht. Man hat vermieden, sie in irgendeiner Weise aufzudrehen. Wenn man diese Süchte – und man kann hier durchaus von Suchtverhalten sprechen – gar nicht erst weckt, dann zeigen diese Hunde auch ein völlig normales Hundeverhalten und lassen sich sehr gut kontrollieren.

Nur sind sie dann nicht mehr spektakulär.

Frühzeitig Frustrationstoleranz lernen und den Leuten nicht auf die Nerven gehen, das mussten die Gebrauchshunde immer. Wenn ein einsamer Schäfer denn mal Besuch bekommt und sich irgendjemand zu ihm stellt und sich mit ihm unterhalten will, dann kann er es beim besten Willen nicht gebrauchen, dass dann sein Hund nervt, sich dazwischen drängt und kläfft.

Der Hund muss sich auch mal zurücknehmen können, das ist ganz wichtig. Aber wenn man versucht, diese Hunde viel zu früh, bevor sie die Reife dafür haben, mit Hundesport auszupowern, dann bekommt man zwar großartige Wettkampfresultate, aber oftmals alltagsuntaugliche Hunde, die durch Hyperaktivität eigentlich jedem auf die Nerven gehen.

Außer den Haltern. Und da stelle ich mir die Frage, warum es ein spektakulärer Hund sein muss.

Man kann sich über seinen Hund identifizieren, man kann sich vornehm, rustikal, volksnah oder exotisch geben und je nach Gusto eben aus über 400 Rassen auswählen und den Hund als Accessoire in unserer Gesellschaft nutzen, um sich selber darzustellen.

Damit schließt sich auch der Kreis. Viele Menschen wollen eben eine extrem kurznasige Bulldogge oder eine Rasse, die gerade im Kino zu sehen ist. Meiner Erfahrung nach landen vieler dieser Hunde nach einiger Zeit im Tierschutz.

Das ist das Resultat der Manipulierbarkeit der Massen durch Medien. Welche Möglichkeiten hat man, ist man überhaupt in der Lage ist, einen Hund zu halten oder sollte man vielleicht lieber noch ein paar Jahre warten? Muss es unbedingt die Rasse sein, nur weil mein Nachbar auch so einen Hund hat oder weil er gerade in den Medien ist? All diese Fragen sollten selbstverständlich sein, werden jedoch häufig beiseite geschoben.

Dazu trägt jedoch auch die vielfältige und breitgefächterte Hundeliteratur bei. Rassebeschreibungen werden sehr verschlüsselt wiedergegeben, so dass ein Leser, der nicht gewohnt ist, zwischen den Zeilen zu lesen, die Beschreibung durch die „rosarote Brille“ liest.

Sätze wie „Der Hund braucht eine frühzeitige Sozialisierung auf Artgenossen und Menschen“ oder „Sein Jagdverhalten muss kanalisiert werden“ bedeuten im Klartext: Die meisten Tiere dieser Rasse sind extrem unverträgliche Beisser und Raufer und neigen zum Wildern.

Diese Eigenschaften werden allerdings so schön umschrieben, dass der interessierte Tierfreund denkt, diese in den Griff zu bekommen. Wenn er dann merkt, dass die Schwierigkeiten doch größer sind, dann wird der Hund schnell zum Fall für den Tierschutz.

Bei welchen Hunderassen haben wir im Moment die meisten Probleme, was die Gesundheit angeht?

Es ist schwierig, hier eine Aussage zu treffen, aber ich würde sagen, dass als Faustregel gilt, dass bei den Rassen, bei denen eine Mode oder ein momentaner Trend Hauptanliegen für die Anschaffung ist, Vorsicht geboten ist.

Dabei ist völlig egal, ob es sich um einen Gebrauchshund, einen Jagdhund oder Familienbegleithund handelt. In dem Moment, in dem eine Rasse zum Trend wird, werden Hunde auf den Markt geworfen. Die Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands bis hin zu Verhaltensauffälligkeiten sind immer unausweichlich die Folge gewesen, egal um welche Rasse es sich gehandelt hat.

Man sollte sich anschauen, wie hoch die Welpenstatistiken sind und ob die Hunde noch in ihrem ursprünglichen Aufgabenbereich tätig sind. Wenn nicht, kann man davon ausgehen, dass sehr viele Krankheiten auftauchen.

Woran erkennt ein Käufer denn einen guten Züchter?

Meine Antwort auf diese Frage ist so simpel, dass die Leute, die mich fragen, sich oft auf den Arm genommen fühlen. Einen guten Züchter erkenne ich daran, dass er gute Hunde züchtet und an sonst nichts.

Kannst Du das näher erläutern?

Der Züchter muss mir nicht sympathisch sein – schön, wenn er es ist, aber ich sehe den Menschen vermutlich nie wieder. Er muss mir keinen aufgeschäumten Kaffee oder ein Stück Kuchen anbieten oder mich zehnmal zu sich nach Hause einladen.

Wenn ich mir einen Hund aussuche, dann will ich wissen, welchen Ruf der Züchter in der Szene hat, wo leben Hunde aus seiner Zucht und wie kommen die Besitzer mit den Hunden zurecht.

Wenn er dann noch ein paar steinalte Exemplare seiner Rasse hat, die noch bei guter Gesundheit mit ihm sein Leben teilen, dann sind das für mich Indizien, dass es sich dabei um einen guten Züchter handelt.

Welche Hunde hat er vorher gezüchtet und wie sieht die Verwandtschaft seiner Hunde aus. Wenn dort Merkwürdigkeiten auftreten wie z.B. frühe Krankheiten oder häufige Unfälle, die ja auch von Verhaltensauffälligkeiten her rühren können, dann werde ich misstrauisch.

Aber wenn die Masse der Käufer unter verschiedensten Bedingungen mit den Hunden aus dieser Zucht überwiegend zufrieden ist, dann würde ich sagen: Das ist ein guter Züchter.

Leider lassen sich viele Leute heute von bunt dekorierten Welpenzimmern und freundlicher Atmosphäre blenden. Doch letztlich zählt ja der Hund, der mit mir mein Leben teilen soll. Und deshalb will ich wissen, ob er gute Verwandte und Vorfahren hat oder nicht.

Wenn ich nun einen guten Züchter gefunden habe, woran erkenne ich denn, dass die Welpen gut gehalten werden? An einem gut ausgestattetem Welpenzimmer?

Das würde ich nicht unbedingt so sehen. Ich würde eher auf eine naturnahe Haltung achten, allerdings ist die Einschätzung etwas schwierig und ich würde das an der Rasse festmachen. Einen Whippet-Welpen kann man kaum so halten wie einen gleichaltrigen Herdenschutzhund. Dennoch würde ich darauf achten, dass die Hunde möglichst naturnah aufwachsen. Das soll jetzt natürlich nicht bedeuten, dass sie in einem nassen und verdreckten Zwinger hinter einem Holzschuppen leben sollen. Aber wenn ich Züchter sehe, die ihre Welpen vor allem abschirmen und den Hundekäufern verbieten, vor einer bestimmten Woche die Hunde überhaupt zu begutachten, weil sie irgendwelche Keime einschleppen könnten, dann habe ich wirklich Bedenken, ob ich dort Hunde mit einem stabilen Immunsystem finde. Einfach auf das Bauchgefühl und auf eine gewisse Natürlichkeit achten. Wenn vor Ort alles fürchterlich kompliziert und hygienisch ist, dann hätte ich Bedenken, ob da nicht sehr empfindliche Hunde leben, die in normalen Alltagssituationen möglicherweise öfter erkranken.

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