Vor einiger Zeit hat ein Schlauberger meine Internetseiten gehackt und Kraut und Rüben hinterlassen. Beim Aufräumen bin ich bin ich auf diese olle Kammelle gestossen und habe festgestellt, dass sich nischt aber auch jarnischt geändert hat. Deshalb hab ich mir gedacht, wärme ich das alte Gemotze doch einfach noch mal auf und veröffentliche es hier noch mal … 

Wie die Zeit vergeht … Nun ist es schon fast drei jahre her, dass ich LASSY.org zunächst als persönliches Blog ins Netz gestellt habe. Mittlerweile ist aus dem Blog ein “e.V.” geworden, eine Sache, an die ich mich nie so ganz gewöhnen werde, weil ich Vereinsmeierei absolut nicht ausstehen kann …

Wie auch immer, damals war der Grund für die Eröffnung der Seite, dass ich mich über irgendwas aufgeregt habe und ein Ventil gesucht habe, mir meinen Frust von der Seele zu schreiben. Und die Tatsache, dass sich auf dieser Seite seit einiger Zeit nicht sehr viel tut in Sachen neue Artikel, heisst sicherlich nicht, dass es jetzt weniger Dinge geben würde, die mich aufregen. Ganz im Gegenteil: Viele “Anektdoten” bringen mich derart auf die Palme, dass ich nicht mal wüsste, wie ich sie beschreiben sollte, ohne persönlich verletzend zu werden.

Die häufig so genannte “Tierschutzszene” ist schon ein lustiges Völkchen.

Schon der Begriff “Szene” ist irreführend, weil damit suggeriert wird, dass die Mitglieder eben dieser irgendeine Gemeinsamkeit hätten. Doch selbst, wenn man beginnt, die “Szene” in ihre Einzelteile zu zerlegen, also zum Beispiel in Hunde-, Katzen- oder Pferdeschützer, sucht man die bereits erwähnte Gemeinsamkeit vergebens.

Zumindest, wenn man noch positiven Eigenschaften sucht. Denn Egomanen, Profilneurotiker, unseriöse Geschäftemacher und Kriminelle findet man zu Hauf.

Da werden Spendenaufrufe für nicht existente Notfälle verbreitet oder – schlimmer gehts immer – schwerst kranke und leidene Tiere zum Zwecke der Selbstvermarktung fotografiert, gefilmt und dann mit ihrem schlimmen Schicksal im Internet Beute gemacht, anstatt sich verdammt nochmal an das Tierschutzgesetz zu halten und die armen Seelen zu erlösen.

Dort heisst es nämlich:

Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Spenden sammeln ist kein vernünftiger Grund und der Zweck der Aufklärung rechtfertigt es nicht, einem Lebewesen unnötige Qualen zuzumuten.

Immer wieder höre ich das Argument, dass “die armen Tiere doch sonst sterben/hungern/leiden oder was auch immer müssen“. Ein echtes Totschlagargument, um jede noch so wahnwitzige Idee zum vermeindlichen Wohle der Tiere umzusetzen.

Genau dieses Argument hat den Animal Horder erst begünstigt. Da werden dutzende Hunde und Katzen bei vermeintlichen Tierschützern “untergebracht”, weil sie doch sonst sterben müssten. Und niemand fragt, was das Leben zum Beispiel auf dem Zarenhof besser macht als ein Leben in einem spanischen Tierheim. Wo genau liegt der Unterschied? Abgesehen davon, dass Hunde in einem spanischen Tierheim eher selten verhungern …

50 Hunde in einen Transporter ohne Klimaanlage 40 Stunden nach Deutschland karren? Kein Problem, das Tierheim ist doch schliesslich überfüllt. Wenn der Transport dann Hops genommen wird, ist der Aufschrei groß.

Und wenn die Animal Horderin aufgeflogen ist, machen alle betretene Gesichter …

… und es geht weiter wie gehabt.

Dabei legt die “Tierschutzszene” – wieder eine Gemeinsamkeit – eine bemerkenswerte Menschenverachtung an den Tag. So geht momentan eine “prominente” Tierschützerin via Facebook und Co. gegen eine Tierärztin vor, die in irgendeinem Lokalblättchen ihre Meinung zum Auslandstierschutz geäußert hat und ruft zum Boykott dieser armen Leuchte auf.

Abgesehen davon, dass es das gute Recht dieser Tierärztin ist, Unsinn zu schreiben und manche Menschen damit sogar richtig viel Geld verdienen, gäbe es sehr sehr viele Themen, die die gleiche oder mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Aber es ist wesentlich einfacher, mit der Macht eines Titels auf irgendwelche unbedeutenen Viechdoktoren einzudreschen, als sich seriös mit komplexen Themen zu beschäftigen. Und alle machen mit – den Aufruf zum Boykott habe ich heute bereits fünf Mal bekommen.

Ebenfalls bei Facebook bekommt eine Frau den vollen Hass der “Tierschutzszene” zu spüren, weil sie ihren Hund hat einschläfern lassen, nachdem dieser ihr Kind gebissen hat und kein Tierheim ihn aufnehmen wollte. Da es sich hierbei um einen Listenhund handelt, fühlen sich nun die selbsternannten Hundeschützer auf den Plan berufen.

Leider haben sie eines nicht begriffen:

Natürlich ist es Schwachsinn, zu behaupten, dass ein Hund nur auf Grund seiner Rasse per se gefährlich ist. Es ist aber genauso schwachsinnig, zu behaupten, dass ALLE diese Hunde nur auf Grund ihrer Rasse harmlose und missverstandene Opfer eines rassistischen Systems sind.

Von den gefühlten 1000 Kommentaren fragt nicht ein einziger der großen Tierschützer, wie es dem Kind geht! Geschweige denn, dass irgendjemand einen Hauch von Verständnis dafür zeigt, dass die Dame es sich eben nicht leicht gemacht hat.

Mehr? Ende August 2010 tauchte bei Youtube ein Video auf, das eine junge Frau dabei zeigt, wie sie sichtlich amüsiert Hundewelpen in einen See wirft. Vollkommen logisch, dass der Sturm der Entrüstung losbrach. Schon kurze Zeit später hatte die Facebook-Gruppe, die sich gegründet hatte, um die Täterin zu finden über 5.000 Mitglieder, wie Spiegel Online am 1.9.2010 berichtete. Heute hat die Gruppe immer noch über 18.000 “Fans” – und das, obwohl die Täterin bereits am 3.9.2010 identifiziert wurde.

Wie weit diese Online-Jagd ging, zeigt ein Artikel der “Welt“, der unter anderem darüber berichtet, dass User Adresse, Profile und Fotos von “Verdächtigen” veröffentlicht hatten. Unter anderem auch von einer Schülerin aus der Nähe von München. In ihrem Fall wurden sogar ihre Telefonnummer und Schule, die sie besucht, veröffentlicht.

Die Schülerin erhielt daraufhin Anrufe bis hin zu Morddrohungen.

Aber wir Tierschützer wissen es ja besser, wissen wie die Menschen ticken und aus diesem Grunde gibt es auch die berühmten Schwarzen Listen, in denen man sich herrlich austoben kann, um seine “Kollegen” vor bösen Menschen zu bewahren. Ein Blick ins TAS zeigt, woran man einen potentiellen Tierquäler erkennt:

“Rauschebart und Säufernase”

Diesen Hinweis hat eine Dame als “Warnung” vor einen vermeintlich unseriösen Interessenten eingetragen – toll!

Aber warum sollte es den Adoptanten besser gehen als den Tierschützern selber? Es gibt gefühlt eine Million Foren, in denen sich  ganz andere Diskussionen abspielen als man denken sollte, wenn man “Fellnasen”, “Notpfoten” und andere eher flauschig klingende Titel liest.

Hier wird sich in Stellung gebracht. Wenn die eigene Arbeit schon unseriös oder illegal ist, kann man sie zumindest dadurch aufwerten, dass man die Arbeit der anderen als noch unseriöser und illegaler darstellt. Und wenn das nicht hilft, kann man immer noch zur persönlichen Beleidigung übergehen – aber bitte nicht niveauvoll, wenn schon, denn schon, ab unter die Gürtellinie …

Ganz am Ende kommen die Tiere, bzw. die süßen, gesunden, jungen und idealerweise reinrassigen unter ihnen. Der alte große und womoglich hässliche Mischlingshund kommt wenn überhaupt nur am Rande vor, z.B. bei Kastrationsaktionen oder – wenn ihn ein ganz schlimmes Schicksal ereilt hat – als Anheizer zum Spendensammeln.

Und während auch die großen Tierschutzvereine sich regelmäßig mit “Frischfleisch” aus dem Ausland eindecken – selbstverständlich während sie gleichzeitig über überfüllte Tierheime im Inland jammern – kommt häufig nichts und nur ein Bruchteil des Geldes tatsächlich bei den Organisationen vor Ort an. Schliesslich braucht der Vorstand neue Laptops oder der Tierheimleiter einen neuen Dienstwagen.

Und wenn es mit der Vermittlung mal nicht so klappt – kein Problem, da wird man kreativ.

So hat 2009 ein Tierschutzverein zwar die Welpen am Flughafen abgeholt, die Mutterhündin jedoch der Einfachheit halber einfach zurückgelassen. Auch der Wachmann, der vor einigen Tagen 20 Hunde auf dem Schiessplatz einer Polizeischule fand, hat sicherlich nicht schlecht gestaunt.

Und das es Vereine gibt, denen augenscheinlich scheissegal ist, wo ihre Hunde landen durfte ich selber feststellen, als ich im letzten Jahr einen Hund aus einer Messiwohnung holen durfte, der kurze Zeit vorher an die psychisch kranke Frau und ihren gewalttätigen und vorbestraften Lebensgefährten “vermittelt” worden war.

Die lapidare Reaktion des Vereins: “Vielen Dank für Ihre Mühe, Sie können den Artikel wieder offline nehmen …”

Aber es gibt ja noch weitere Möglichkeiten, den “Vertrieb” der Hunde anzuheizen. Da macht man aus Hunden, die im Tierheim sitzen einfach Hunde, die in einer Tötung sitzen und schon morgen sterben müssen. Blöd nur, wenn das rauskommt, aber im Krieg und im Tierschutz sind ja alle Mittel erlaubt …

All diese Beispiele zeigen – irgendwas scheint im Tierschutz grundlegend schief zu laufen. Wie kann das sein?

Nun, vielleicht sollten wir eins nicht vergessen: Tierschutzvereine sind auch nur Vereine – genau wie Kleingarten-, Kegel- oder Schützenvereine auch.

Es gibt jedoch einen gravierenden Unterschied: Als Tierschützer haben wir eine besondere Verpflichtung, den Tieren gegenüber, aber auch den Menschen, die auf uns bauen.

Schade, dass viele nur sich selber verpflichtet sind.

In diesem Sinne …

That’s all, Folks!

5 Kommentare
  1. Frank
    Frank sagte:

    Klasse! Endlich mal Klartext! Solange sich Tierschützer über alle Regeln hinwegsetzen, weil sie sich im Recht wähnen, wird es dem Tierschutz mehr schaden als nützen. Und das wäre schade, gibt es doch viele Menschen, die eine große Verantwortlichkeit auch bei der Tiervermittlung leben und täglich eine harten und ehrlichen Job machen. Einige dieser sogenannten Tierschützer sind dabei offensichtlich unbelehrbar. Es fängt harmlos an wie mit der „Tierschutz-Frau“ die bei einem Hundespaziergang Futter in die Hundegruppe warf, „weil die armen Tiere doch Essen haben müssten“ und es auch nach zweimaliger Bitte von beteiligten Hundehaltern nicht lassen konnte, es ein drittes Mal zu tun, mit dem Ergebnis einer Beißerei.
    Es endet wohl lange nicht bei der „medialen Hexenverbrennung“ vermeintlicher Tierquäler bis hin zum Aufruf zur Körperverletzung oder gar zum Mord. Tieren – und im Besonderen Hunden – darf kein Nein ausgesprochen werden, weil sie Ihre Freiheit haben müssen…Den verdarbten Menschen wünscht man gleichzeitig die Pest an den Hals. Das ist die letzte Vorstufe zur Dekadenz. Und an der sind bekanntlich ausnahmslos alle Hochkulturen gescheitert. Es ist nur eine Frage der Zeit…

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  2. Rike
    Rike sagte:

    Ist es denn bei anderen Hilfswerken so sehr anders? Diese fürchterlichen Spendenaufrufe im Fernsehen mit den tragischsten Bildern und letztendlich landet das gesammelte Geld an der Börse – weil man gehört ja zu den Guten und die wissen schon, was sie machen.
    Mittlerweile sind ja auch die Hundehalter mit dem Podenco-Mix aus Spanien die besseren Menschen, denn auch das größte anzunehmende Unglück kann mit ein bisschen Verstand das eigene Profil aufwerten. „Oh, der Hund ist gut erzogen. Naja, ist ja auch reinrassig und vom Züchter – meine ist ja von der Straße“. Und wenn man dann noch so dreist ist, nach Tests zu übertragbaren Krankheiten zu fragen, dann gehts rund :D

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  3. Gerlinde
    Gerlinde sagte:

    Puuh, da gibt es doch glatt noch solch böse Menschen wie mich :-)

    Ich persönlich kann jedem Wort nur zustimmen. Und zwar genau aus dem Grund, weil mir Tiere am Herzen liegen und ich so manche durch Tierschützer verursachte Qualen nicht nachvollziehen kann. Typisches Beispiel, die armen Hunde aus aller Herren Länder, die im Ursprungsland mit Einsatz und Verhandlungsgeschick und nicht mehr Engagement ein teilweise angenehmeres Leben in Freiheit haben könnten, als aktuell in deutschen Tierheimen.

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