Das Internet lügt!

Wenn ich böse wäre, würde ich fordern, dass wir unbedingt mehr gefährliche Hunde brauchen, damit den ganzen Hundehoschis* nicht der Social Media Content ausgeht. Denn das Resozialisierungsbusiness weist mittlerweile einige Redundanzen auf. 

Typischer Biting Dog Lifecycle:

  1. Man treibt den Köter so lange zur Weißglut, bis der so richtig ausrastet und filmt das Ganze natürlich als Beweis dafür, wie schlimm der ist. Denn ist er nicht schlimm, bist du kein Held. 
  2. Man schreibt einen schmissigen Text, der wahlweise von schlimmer Kindheit, dummen Hundebesitzern oder einer Mischung aus beiden besteht.
  3. Als nächstes wird trainiert – selbstverständlich spektakulär und smartphonebegleitet.
  4. Um zu zeigen, das man wirklich heldenhaft ist, dokumentiert man auf gar keinen Fall die langweilige Kleinarbeit mit dem Vieh, sondern – Hex Hex – die gerettete, brave Hundeseele.
  5. Wenn das nicht klappt, kein Problem! Social Media ist vergesslich. Oder erinnerst Du dich noch an den Bösen Hund von letzter Woche? Das Monster von heute wird schnell von der Bestie von morgen abgelöst und gerät in Vergessenheit. Im Zweifel gibt es noch die Anschlussverwertung für den nächsten Hundehoschi oder Reichweite in Form von Trauerposts.

Spass beiseite, das Internet lügt!

Das, was ihr da zu sehen bekommt, hat mit Hundetraining (oft) nicht viel zu tun. Vielmehr geht es darum, mit spektakulären Bildern Aufmerksamkeit zu generieren.

Mit aggressiven Hunden zu arbeiten, ist in der Regel sturzlangweilig. Wer schlau ist, weiss, dass er nicht al dente, also bissfest, ist. Warum sollte man – außer bei einer Sicherstellung, wo es wirklich schnell gehen muss – einfach in einen Zwinger rennen und sich verprügeln lassen? Der Hund wird ja nicht schlecht, wenn man ihn erstmal kennenlernt und Schönwetter macht.

Und ganz ehrlich, wenn man schon mit Hackfresse zum Zwinger marschiert, muss man sich auch nicht wundern, wenn der Köter auch gleich schlechte Laune bekommt.

How ever. Bedenklich finde ich, dass ich in letzter Zeit jede Menge ambitionierte Menschen auf meinen Workshops kennengelernt haben, die sich im Umgang mit beißenden Hunden ohne Not in Gefahr bringen, weil sie denken, dass das so sein muss.

Die sich in Selbstzweifeln winden, weil sich nicht suizidal zu irgendwelchen Hunden reingehen und die denken, dass sie unfähig sind, wenn sie gebissen wurden.

Tierschutz-Influencer gaukeln dir bei Social Media genau die selben künstlichen, verzerrten und gefilterten Märchen vor, wie alle anderen Influencer auch.

Lass dich nicht beissen.

Der Hund auf dem Beitragsbild heisst übrigens Jax und sucht ein Zuhause.