„Eigentlich“ ist das Wörtchen, von dem Hundetrainer leben. Und es gibt bestimmte Dinge, die behält man eigentlich besser für sich. Zeit sie anszusprechen.

Vor kurzem stieß ich im Internet auf ein Video, in dem ein maulkorbgesicherter Hund in einem Tierheim einen Menschen attackierte. Das war kein Zufall, sondern Teil eines Trainings. In den Kommentaren darunter fanden sich diverse Respektsbekundungen und – selbstverständlich – auch ein paar Kommentare, die gegen das Gezeigte wetterten.

Ein geschätzter Kollege von mir hatte auch einen Kommentar hinterlassen, nämlich:

. „An wen will man diesen Hund guten Gewissens vermitteln?“

Das ist eine verdammt gute Frage, die jedoch niemand aufgriff. Stattdessen kamen jede Menge blöder Kommentare, auf die ich jetzt nicht eingehe.

Dabei hat er vollkommen recht. Und zwar aus mehreren Gründen:

Ein Blick in die sozialen Netzwerke zeigt, dass es eine Vielzahl von Projekten gibt, die sich mit der Resozialisierung von Hunden befassen. Wenn ich nur mal die Handvoll nehme, die mir auf Anhieb einfallen, macht das gut und gerne 200 Hunde, die trainiert und an geeignete Menschen vermittelt werden sollen.

Hier stehen wir vor dem ersten Problem. Solche Menschen sind rar gesät, während es genügend problematische Hunde auf Wartelisten gibt, die sofort nachrücken, wenn morgen alle resozialisiert und vermittelt worden sind.

Ich selber habe 2015 meine tierheimähnliche Einrichtung dicht gemacht. Trotzdem bekomme ich noch wöchentlich Anfragen, ob ich einen Hund aufnehmen könne.

Die bittere Wahrheit ist, dass die eigentliche Kunst darin liegt, jemanden zu finden, der a) Lust auf ein jahrelanges Projekt hat und b) über die entsprechenden Mittel und Möglichkeiten verfügt. Hin und wieder gelingt das. Ein Grund zur Freude, aber sicherlich keine Routine.

Denn, und damit kommen wir zum zweiten Problem. Eine Resozialisierung beim Hund – zumindest so, wie wir uns das wünschen – gibt es nicht!

Der Grund dafür ist simpel. „Kannst Du Fahrrad fahren? Wir können noch so lange trainieren, du wirst es auch morgen noch können.“

Man kann ein einmal erlerntes und etabliertes Verhalten nicht einfach löschen. Hunde sind – ebenso wenig wie Menschen – keine Computer, deren Festplatte man formatiert, und danach ist alles wieder gut.

Anders als Hunde sind wir Menschen jedoch in der Lage, Einsicht über begangenes Unrecht zu entwickeln und einen Zusammenhang zwischen unserem früheren Verhalten und unserer aktuellen Situation herzustellen.

Diese Einsicht ist der Kern von Resozialisierung. Und selbst bei menschlichen Straftätern schwierig und oft vergebens.

Das, was im Hundetraining erreicht werden kann, ist eine Verhaltensänderung.

Das zuvor erlernte Verhalten ist jedoch nach wie vor da und kann auch wieder abgerufen werden. Dementsprechend muss der Mensch bereit sein, auf das alternative Verhalten zu bestehen.

Denn auch das gehört dazu: Eine Gewohnheit, und sei es eine schlechte, ist erstmal etwas Gutes. Sie erspart uns das Denken. Das ist bei Hunden nicht anders. Der Hund, der beißt, tut dies aus gutem Grund. Und Handlungstrategien, die uns lieb und teuer sind, schmeißen wir nicht einfach so über Bord.

Die meisten Hunde zeigen Verhaltensänderungen nur dahingehend, dass sie kreativer werden, um ihre Ziele zu erreichen.

Während Lernen ein Leben lang möglich ist, ist Erziehung ein zeitlich begrenzter Vorgang. Irgendwann sind wir „fertig“. Einen erwachsenen Menschen grundlegend zu ändern, ist nicht möglich. Selbiges gilt für einen erwachsenen Hund.

Wenn im Vermittlungstext des Tierheims steht, dass „der kleine Rocky noch etwas Erziehung benötigt“, bedeutet das nichts anderes, als dass er eine Marotte hat, die gemanaged werden möchte. Ob und wie intensiv er das Verhalten zeigt, hängt dabei stark von seinem Gegenüber ab.

Auch das ist eine hässliche Wahrheit: Nur weil der Hund nicht mehr versucht, den Trainer zu beißen, heißt das noch lange nicht, dass das auch für den neuen Besitzer gilt.

Diejenigen, die sich ernsthaft mit Tierschutz befassen, wissen, wie oft Hunde nach einiger Zeit wieder im Tierheim landen – wegen genau der Probleme, wegen derer sie dort gelandet sind.

Vor einiger Zeit hieß es noch „Unsere Tierheime sind voll“, mittlerweile haben wir Meta-Tierheime für Hunde, die im Tierheim nicht mehr gehalten werden können?

Eine weitere hässliche Wahrheit ist, dass wir mehr problematische Hunde haben als es Menschen gibt, die sie übernehmen können oder wollen.

Eine befreundete Tierschützerin erzählte mir mal, dass sie grundsätzlich jeden Rüden kastrieren lässt. „Wie kommst Du dazu?“, fragte ich einigermaßen entsetzt. „Heute ist doch keiner mehr in der Lage, einen intakten Rüden zu führen“, antwortete sie trocken.

Was mich zu der Frage führt, ob viele Hunde nicht auch einfach deshalb problematisch sind, weil wir mit Normalverhalten nicht mehr umgehen können?

Ein anderer, ebenfalls sehr geschätzter Kollege, vertritt die Meinung, dass man beißvorfällig gewordene Hunde einschläfern sollte. Er argumentiert, dass Hunde keine gefährdete Spezies seien, womit er recht hat. Er argumentiert weiter, dass die Sicherung und Arbeit mit diesen Hunden sehr teuer sei, womit er ebenfalls recht hat. Und er argumentiert, dass die meisten dieser Hunde trotz der einen oder anderen erfolgreichen Vermittlung im Gros eh ein Leben lang weggesperrt bleiben werden. Auch damit hat er zumindest nicht Unrecht.

Erik Zimen sagte mal, dass es kein Tier gäbe, das leichter zu erziehen sei, als der Hund. Immerhin – und das macht Hunde einzigartig – ist es ein elementares domestikationsbedingtes Merkmal, dass der Hund den Menschen vorzieht. Wenn er die Wahl hat.

Warum also haben wir so viele problematische Hunde?

Ist es die Folge unverantwortlicher Zucht? Werden Hunde immer schwieriger? Sind sie Opfer unserer Wegwerfmentalität geworden?

Und/oder sind wir Menschen nicht mehr in der Lage mit Hunden umzugehen? Ist es einfach die Entwicklung unserer Gesellschaft?

Fragen über Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt.

17 Kommentare
  1. Rolf Bauerdick
    Rolf Bauerdick sagte:

    Hi Norman
    Die Hauptgründe für das Auffällig werden der Hunde sehe ich in der Art der Halter und den Beweggründen einen Hund Anzuschaffen. Früher wurde ein Hund nach bestimmten Kriterien ausgesucht, die sich nach der „Arbeit“richtete, die der Hund verrichten sollte. Heute hat man die Leute mit grosser Fresse, aber nichts im Ärmel. Die brauchen selbstverständlich nen starken Hund der ihnnen Ermöglich das Maul aufzureissen ohne direkt einen auf die Zähne zu kriegen. Nächste Gruppe….Die Armen Armen Hundchen aus der Auslandsrettung, am besten selbst aus der Tötung. Die Klientel die sich Vorzugsweise auf diese Wehrlosen Geschöpfe stürzt ist wohl allgemein bekannt. Und wenn das Hundchen dann anstatt die Hand vor lauter Dankbarkeit abzuschlecken nen Herzhaften Happen nimmt, liegt es natürlich nicht daran das dieser Hund keine Leitung bekommen hat, sondern ist er ein Undankbarer Unbetraubarer Mistköter. Und dann haben wir noch die Sozialkrüppel mit 784 FB Freunden, aber nicht einem einzigen echten Sozialkontakt. Die schaffen sich ein Wehrloses Tier an um es mit Liebe zu Ersticken bei dem Versuch sich selber Einzureden das sie doch echte Soziale Fähigkeiten haben. Wenn so ein Tier dann tatsächlich mal seine Ruhe haben will und trotz mehrfacher Warnsignale weiter Liebevoll Vergewaltigt wird, sich nicht zu helfen weis und zuschnappt oder Kratzt, bricht für unseren Sozialakrobaten die Welt zusammen und die Bestie weiss Liebe nicht zu schätzen. Und auf diese Art werden die Auffälligen Hunde fröhlich mehr. Was die Resozialisierung angeht….Es gibt schwere und minder schwere Fälle. Dummerweise ist es so das sich viele Menschen Berufen fühlen ausgerechnet nen nicht Vermittelbaren Hund zu „Retten“, der dann in den meisten Fällen gründlich Versaut wird. Es ist halt wirklich so das die „Verhaltensoriginalen Hunde“, wie ein bekannter Trainer sie zu nennen pflegt, immer mehr werden und dem ein sehr kleiner Prozentsatz an Menschen gegenüber steht, die mit so einem Hund wirklich Umgehen können. Ich hege noch immer die Hoffnung das der Trend nen Hund als Sozialersatz zu halten irgendwann vorbei geht.

    Antworten
    • Gabi
      Gabi sagte:

      Sehr gut geschrieben Rolf Bauerdick.
      Die Menschen sind oft nicht in der Lage Position zu beziehen, Durchhaltevermögen zu zeigen und auch mal zu unpopulären Entscheidungen zu stehen. Positive Konequenz ist das a und 0 in der Erziehung, ob bei Mensch oder Tier.

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      • normen
        normen sagte:

        Hallo Margit,
        meine Blogeinträge stehen unter Creative Commons-Lizenz, d.h. Du darfst die Texte gerne teilen, wenn es nicht kommerziell geschieht und du die Quelle nennst.
        Viel Grüße!
        Normen

        Antworten
    • Wolfhart
      Wolfhart sagte:

      Du teilst die Menschen mit Problemhunden pauschal in drei Kategorien ein. Das ist mir ehrlich gesagt etwas zu dünn. Vielleicht kannst Du mir ein paar Fragen beantworten?

      Zitat:
      „Heute hat man die Leute mit grosser Fresse, aber nichts im Ärmel. Die brauchen selbstverständlich nen starken Hund der ihnnen Ermöglich das Maul aufzureissen ohne direkt einen auf die Zähne zu kriegen.“

      Wie bitte? Von welchen Leuten redest Du da? Zuhälter? Zugegeben, ich wohne eher ländlich. Aber unsere Hunde sind immer mit dabei, ob Land oder Stadt. Und was Du da beschreibst, kenne ich nicht. Wo genau finde ich solche Leute?

      Zitat:
      „Nächste Gruppe….Die Armen Armen Hundchen aus der Auslandsrettung, am besten selbst aus der Tötung. Die Klientel die sich Vorzugsweise auf diese Wehrlosen Geschöpfe stürzt ist wohl allgemein bekannt.“

      Hm, wir haben 2 Hunde vom Züchter und einen aus der Auslandsrettung. Gehöre ich jetzt in Deine Schublade mit der „bekannten Klientel“? Was genau meinst Du überhaupt damit? Sind alle Menschen die sich um Tiere kümmern grundsätzlich schlecht für Dich? Ist es nicht eher so, dass die schlechten Sachen in der Öffentlichkeit bis zum Platzen aufgeblasen werden, während die guten Sachen stillschweigend als selbstverständlich gelten?
      Ganz von der Hand zu weisen ist die von Dir beschriebene Problematik sicher nicht. Aber sind das wirklich die Hunde die anschließend einer Resozialisierung bedürfen? Vielleicht kann Normen hierzu etwas sagen – er hat die nötige Praxis.

      Zitat:
      „Und dann haben wir noch die Sozialkrüppel mit 784 FB Freunden, aber nicht einem einzigen echten Sozialkontakt.“

      Ich bin nicht bei Facebook, treffe mich aber sehr regelmäßig mit sehr vielen anderen Hundebesitzern die bei FB sind und sicher auch jede Menge FB „Freunde“ haben. Die passen alle nicht in Deine Schublade. Aber ganz ehrlich, wie wahrscheinlich ist es, dass sich ein von Dir beschriebener „Sozialkrüppel“, der ohnehin keinen Schritt vor die Türe machen will, sich einen Hund zulegt, der ihn ausgerechnet dazu zwingt? Wie wahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet diese Sorte Mensch zum vermehrten Auftreten der von Normen beschriebenen Problematik beiträgt?

      Zitat:
      „Ich hege noch immer die Hoffnung das der Trend nen Hund als Sozialersatz zu halten irgendwann vorbei geht.“

      Gerade für ältere Menschen kann ein Hund als Sozialpartner eine extreme Steigerung der Lebensqualität bedeuten. Darüber hinaus bin ich einigermaßen davon überzeugt, dass es kein Trend ist sich einen Hund als Sozialpartner zu halten, sondern eine unmittelbare Folge unserer gesellschaftlichen Entwicklung insgesamt. Und ob das gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt.
      Sich einen Hund als „Sozialersatz“ zu halten, sehe ich dagegen auch kritisch. Ich kenne in meinem Umfeld aber keinen einzigen Menschen der das macht.

      Ich persönlich lasse mich von niemanden bevormunden! Meine Hunde sind meine Sozialpartner. Sie gehören zur Familie einfach mit dazu und stehen nicht an einer bestimmten Stelle. Das hat etwas mit Gemeinschaft zu tun. Sie dürfen übrigens auch gerne mit im Bett schlafen. Und sie reißen auch nicht die Weltherrschaft an sich wenn sie vor mir ihr Futter bekommen oder vor mir durch die Türe gehen. Unstrittig dabei ist aber natürlich, dass wir Menschen den Weg vorgeben. Und das Hunde beschäftigt werden möchten, ist auch keine so ganz neue Erkenntnis. Beschäftigung muss aber nicht zwangsläufig Schafe hüten sein oder an der Kette den Hof bewachen… Es gibt kein Links und es gibt kein Rechts. Mit Problemen muss man sich vernünftig und in aller Tiefe auseinandersetzen. Deshalb ist es wichtig sich die nötigen Gedanken VOR der Anschaffung eines Hundes zu machen. Genau an dieser Stelle passieren meiner Meinung nach aber die meisten Fehler. Und genau an dieser Schnittstelle sollte auch eine Regelung her.

      Auch gebe ich Dir recht, dass immer mehr Menschen offensichtlich immer weniger Sozialkontakte haben. Das Phänomen der von Dir angesprochenen „Sozialkrüppel“ zeigt sich zum Beispiel auch in den diversen Kommentarspalten von Zeitungen. Da wird so viel gehetzt und gezetert, dass man meinen könnte diese Leute gehen überhaupt nicht mehr vor die Türe. Es wird nur noch übereinander „gesprochen“, anstatt miteinander. So lassen sich natürlich auch keine Lösungen für irgendein Problem finden.

      Viele Grüße
      Wolfhart

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  2. Tanja
    Tanja sagte:

    Weil Hunde und andere Tiere vermenschlicht werden, weil man keine Grenzen mehr setzt, weder bei Kindern noch bei Hunden, weil man Tieren moral unterstellt die sie nicht haben,da sie aus instinkt handeln, heute sind viele Menschen einfach nicht fähig einen Hund zuführen, weil sie nicht fähig sind ihm Grenzen zusetzten…es ist einfacher ihm alles durchgehen zulassen und sich nicht mit ihm auseinander setzten zu müssen, Bequemlichkeit und Vermenschlichung sind das Problem…

    Antworten
    • Angelika Behrend
      Angelika Behrend sagte:

      Das ist wahr.Aber die gesamte Gesellschaft scheint so gestört zu sein.Ich sehe das bei Kindern,deren Eltern sich viel zu viel bieten lassen.Nein sagen ist in allen Bereichen nicht mehr gefragt.

      Antworten
  3. Moni
    Moni sagte:

    Die vermenschlichung und das „ so gut zum hund sein“ sehe ich als kernproblem.
    Mit einem hund „ arbeiten, ihm aufgaben zu geben, ihn auslasten – das muss man wissen und tun, gut sein allein ist direkt falsch. Ein rudelführer in der natur ist konsequent, gradlinig.
    Welcher Gutmensch erfüllt das? Eine leine in der hand ist noch lange nicht artgerechte Haltung, auch nicht füttern und streicheln. Viele Hundehalter wissen nicht dass SIE mit der Anschafznun Rudelführer sind
    Der Hund übernimmt das Kommando und- die probleme sind da
    Der mensch ist sich seiner Aufgaben nicht bewusst

    Antworten
  4. Steffi
    Steffi sagte:

    Ich bin auch der Meinung das die Kernproblematik darin liegt, das die Halter nicht mehr in der Lage sind klare Grenzen zu ziehen und diese auch durchzusetzten. Das ein Hund eben auch wie ein Hund behandelt werden muss und in einer Familie das letzte Glied der Kette ist. Hunde haben mittlerweile einen anderen Stellenwert bekomnen und stehen an erster Stelle. Die Welt dreht sich da nur noch um den Hund und dieser wird nicht mehr aus den Augen gelassen, nur noch betüddelt und beschmust (damit das auch bequem ist noch auf der Couch und im Bett) kriegt Futter fein regelmäßig vor die Nase gestellt, hat Spielzeug satt zur freien Verfügung und ein Halter der springt und tut und macht was der Hund gerade will und dann noch mit Leckerchen vollstopft…. Dazu kommt noch, dass der Hype was alles zur Auslastung angeboten wird immer größer wird (mal abgesehen vom Zubehör für Hunde). Die meisten Hundehalter haben kein Gespür für das andere Ende der Leine und es fehlt das Bauchgefühl.

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  5. Karin Heiß
    Karin Heiß sagte:

    Auch ich habe die Erfahrung gemacht soviele Menschen sprechen mich an, ob ich meinen hund verkaufe was aber dahinter steht interessiert die meisten nicht. Viel Arbeit nochmehr Arbeit Geduld Verständnis und ich finde ein gewisses mass an selbstaufgabe. Der hund muss ausgelastet werden wenn ich den Leuten das erkläre sehen sie mich immer an wie ein rotes huhn.

    Antworten
  6. Carola
    Carola sagte:

    Ich schreibe hier als Betroffene, die zum falschen Zeitpunkt, wider alle Vernunft, aber mit viel positiven Emotionen einen lustigen, verschmusten, unerzogenen, 3 Jahre alten Rüden bei sich aufgenommen hat. Im Vorfeld habe ich Bücher gelesen, in Foren gestöbert, mich umfassend informiert. Bin mit dem Hund in Hundeschule, Hundesport und habe weiter gelesen mich ausgetauscht und mir Mühe gegeben alles richtig zu machen. Was irgendwann folgte war grenzenlose Verwirrung. Als Ersthundebesitzerin war ich irgendwann wie gelähmt, weil egal was ich gemacht habe quakte irgendwer empört. Ich habe völlig das Gefühl für die Bedürfnisse meines Hundes verloren und Spass hatten wir kaum noch zusammen. Es kam noch beruflicher Stress hinzu, private Probleme und der Hund hat entsprechend reagiert. Mich gebissen, andere gebissen. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Rat-Schläge bekommen. Von „Oh Gott, du kannst ihn doch nicht weggeben, sein Kind gibt man doch auch nicht weg.€ bis „Der muss eingeschläfert werden.“ war alles dabei Wieder habe ich gelesen, Trainer aufgesucht inzwischen etwas sicherer in der Beurteilung was gut und was nicht gut für uns ist. Jetzt stehe ich vor der Entscheidung ihn abzugeben oder weiter zu machen. Es zerreißt mich! Und hier komme ich als Mensch mit all meinen Emotionen, Ängsten (z.B. vor Konflikten, ich weiß… ganz ungünstig) und Bedürfnissen ins Spiel. Darf ich das? Ich Mängelwesen Mensch, darf ich an mich und meine Bedürfnisse denken, Fehler machen, mal schwach sein und vielleicht sogar aufgeben. Klar! Geht gar nicht anders, ist menschlich. Aber in der Welt der Hundemenschen finde ich das nicht einfach. Da wird -natürlich immer im Sinne der „süßen Fellnasen“ – verurteilt, empört aufgeschrien und die Moralkeule geschwungen und bei allem Mitgefühl für den Hund, der Mensch aus den Augen verloren (extrem die Diskussion um Chico). Fazit für mich, an mir arbeiten, mehr gesunder Menschenverstand statt Methode xy, auf MICH und MEINEN HUND schauen und mehr aufs Bauchgefühl hören. Ich hoffe es gelingt mir. Ich will ihn nicht weggeben.

    Antworten
    • Kai
      Kai sagte:

      Klare Worte, Probleme sehen und das Ichmöchtedranarbeitenwollen – genau das unterscheidet Sie von so Vielen.
      Ich wünsche Ihnen, daß es gelingt.

      Antworten
    • Rolf Bauerdick
      Rolf Bauerdick sagte:

      Bravo, Carola. Du hast ein extrem grosses Problem sehr gut Umschrieben. Vor ca 40 Jahren gab es noch ein gewisses Manko an Informationen zum Thema Hundeerziehung. Heute ist genau das Gegenteil der Fall. Jeder ist Experte, jeder weiss es besser, und jeder ist sicher das nur seine Methode wirkt. Und gerade ein Ersthundebesitzer ist mit dieser Flut an Information und Ratschlägen absolut Überfordert. Dein Entschluss ist richtig. Hör auf dein Bauchgefühl, finde deine Selbstsicherheit zurück und gehe Hocherhobenen Hauptes und mit deutlich ausgestrecktem Mittelfinger an den Besserwissern und Ratschlagverteilern langs.Vielleicht noch ein einziger Ratschlag von nem Besserwisser….. Wenn du mit deinem Hund Beschäftigt bist weil er sich mistragen hat oder sonstwas, lass dich weder Ablenken noch Belehren wie es anders muss. Mit dem Menschen kannst du dich auseinandersetzen wenn du mir deinem Hund fertig bist. Drücke die Daumen. Mit etwas Glück und Durchhaltevermögen kriegst du das Vertauen deines Hundes zurück.

      Antworten
      • Petra Kleinwegen
        Petra Kleinwegen sagte:

        Ich kann’s dir nachfühlen, Carola. Diese elende Besserwisserei der anderen, das Feuerwerk von Meinungen, das auf einen niederprasselt, man kann sich kaum dagegen wehren. Ich hab erst jetzt hier in einem Dorf, wo das aktuelle Treiben noch nicht angekommen ist, Ruhe gefunden, die Chance, wieder den Kopf frei zu kriegen für meine Hunde, wieder ein Gefühl für sie zu kriegen und das leben zu können. Den Rüden werde ich nicht ändern können, das hat Normen ganz richtig beschrieben. Er hat seine Ansichten – der Hund, Normen natürlich auch, aber ich mein grad den Hund – und wenn er meint, danach handeln zu müssen, dann tut er das. Wir beide kommen gut miteinander aus, ich weiß zwar nicht, was mit ihm gemacht wurde, damit er so wurde (geht nach vorn und beißt auch nahezu ohne Vorwarnung zu, reflexartig, wenn er sich bedroht fühlt), aber bis jetzt steh ich nicht auf seiner Speisekarte. Und außerhalb der eigenen vier Wände gibt’s Maulkorb. Wir halten uns von Problemen fern, die Dorfbewohner haben Verständnis für solche Hunde, und so allmählich wird alles wieder. Man sagt ja gern, dass man immer alles auf „die anderen“ schiebt, aber manchmal haben „die anderen“ tatsächlich einen gehörigen Anteil an den Problemen.

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  7. Norbert Günther
    Norbert Günther sagte:

    Das Problem ist -wie so oft- der Mensch. Ein Hund kommt bei seiner Geburt und nach „richtiger“ Prägung als ein hochsoziales Wesen in diese Welt. Danach ist er dann auf Gedeih und Verderb den Menschen „ausgeliefert“. Hat er Glück und kommt zu Menschen, die „Hundeverstand“ besitzen, kann er sich i.d.R. ohne Probleme in sein menschliches Rudel einfügen. Eine sehr viel geringere Chance auf eine artgerechte weitere Entwicklung haben die Hunde, welche an Menschen geraten, zu denen sie keine soziale Bindung aufbauen können, oder die das Verhältnis zu sehr vermenschlichen.
    Mit der steigenden Zahl von Hunden in unserer Gesellschaft ist nicht zwangsläufig auch die Zahl der „hundeverständigen“ Menschen angewachsen, sodaß man davon ausgehen kann,
    daß viele Hunde heute in den „falschen“ Händen sind.
    „Über 60% der Hundehalter haben keine, aber wirklich keine Ahnung wer und was da am anderen Ende der Leine vor ihnen hergeht.“ SStefan Wittlin, chweizer „Medicus-Canis“, Kynologe-Hundetherapeut, Tierpsychologe, Buchautor und Kolumnist
    Der Mensch ist das Problem…

    Antworten
  8. Wolfhart
    Wolfhart sagte:

    Hallo Normen

    Achtung, böse und pauschal:

    Wenn ich mal von oben auf die Erde schaue, dann müsste ich eine ganz dumme Frage stellen. Wie kommst Du darauf, dass wir Menschen überhaupt mit Tieren umgehen können? Wir bekommen ja nicht einmal den vernünftigen Umgang mit der eigenen Spezies hin.

    Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Wenn Menschen im Spiel sind gibt es niemals einfache Antworten!

    Auf der einen Seite gibt es Menschen die langsam und endlich begreifen, dass Tiere fühlende Geschöpfe sind, denen wir mit dem entsprechenden Respekt begegnen müssen. Diese Erkenntnis ist meiner Meinung nach sehr wichtig, sie treibt mitunter aber auch seltsame Blüten, z.B. in Sachen Hundeerziehung.

    Auf der anderen Seite haben wir uns ein sehr fragwürdiges Wertesystem geschaffen in welchem wirklich alles gegen Geld aufgewogen wird. Die Aussage „Er argumentiert weiter, dass die Sicherung und Arbeit mit diesen Hunden sehr teuer sei, womit er ebenfalls recht hat“ ist ein deutlicher Beleg dieses Problems. Spätestens wenn wir es mit Lebewesen zu tun haben, sollten andere Werte mit Abstand an erster Stelle stehen.

    Von meinem kleinen Tellerrand aus würde ich Deine Fragen wie folgt beantworten:

    „Ist es die Folge unverantwortlicher Zucht?“
    Teilweise ja. Abgesehen von den so genannten Hundevermehrern und den teilweise sinnvollen wie aber auch sinnlosen Hundeimporten aus allen Ländern dieser Erde ist auch die klassische Vereinshundezucht mit ihrem Rasse-Reinheits-Diktat und Selektion nach Schönheit alles andere als das Gelbe vom Ei.

    „Werden Hunde immer schwieriger?“
    Nö, Hunde sind Anpassungskünstler, die Menschen werden nur aktuell bekloppter.

    „Sind sie Opfer unserer Wegwerfmentalität geworden?“
    Teilweise ja. Wer gemäß Wertesystem das Geld an oberster Stelle stehen hat, für den ist der Hund nur ein Kostenfaktor.

    „Und/oder sind wir Menschen nicht mehr in der Lage mit Hunden umzugehen?“
    Wenn wir wirklich bereit sind uns auf den Hund einzulassen und ihm die nötige Zeit und Aufmerksamkeit widmen, dann ergibt sich der Umgang von ganz alleine. Wenn wir aber versuchen den Hund zu etwas zu machen was er nicht ist, dann kann das nur in die Hose gehen. Wenn wir den Hund lieben, dann müssen wir ihn auch als Hund behandeln. Durch unsere Nähe zu einer Züchterin haben wir z.B. manchmal die Möglichkeit Welpen und heranwachsende Hunde beim Spiel miteinander zu beobachten. Ich behaupte, alleine dabei kann man sehr viel mehr lernen als in manch einer Hundeschule.

    „Ist es einfach die Entwicklung unserer Gesellschaft?“
    Diese Frage ist mir ehrlich gesagt zu pauschal. Natürlich entwickelt sich die Gesellschaft immer in eine bestimmte Richtung. Aber innerhalb dieser Richtung gibt es auch immer verschiedene Strömungen. Das müsste man meiner Meinung nach differenzierter betrachten. Aber das würde vermutlich jeden Rahmen sprengen.

    Ich finde Deine Seite wirklich extrem gut. Du bringst die Sachen auf den Punkt und nennst die Probleme beim Namen. Und ich glaube, das ist auch der einzig gangbare Weg. Nur wenn der Finger in der Wunde liegt macht das auch Aua. Und nur wenn es Aua macht, macht man sich auch Gedanken darüber, wie man dieses Aua wieder los wird. Andere sagen, lernen durch Schmerz. In diesem Sinne wünsche ich mir noch viele weitere schmerzhafte Artikel von Dir!

    Viele Grüße
    Wolfhart

    Antworten
  9. Katja
    Katja sagte:

    finde Eure Sicht der Dinge sehr interessant, mal was anderes als das übliche Gutmenschgelaber…
    Ich habe seit vielen Jahren Hunde und Pferde. Pferde standen immer im Focus, denn wenn ein Hengst aggressiv ist oder Untugenden hat, ist das bei 500 kg nicht lustig. Hunde waren nette Familienmitglieder relativ problemlos, klar mit kleinen Macken aber da hat man gegen gewirkt oder sie akzeptiert. Zu der Zeit dachte ich immer, das Hundetrainer Polizei- und Rettungshunde ausbilden. Für normale Familienhunde völlig unnötig.
    In den letzten Jahren hatten wir aber Hüte- und Treibhunde und die sind ein ganz anderes Kaliber, aktiv, intelligent das Übliche. Ich denke es liegt an den Rassen, die für einen bestimmten Zweck selektiert wurden und ihre Bestimmung nicht ausüben können, denn wer hat schon eine Kuh- oder Schafherde. Es liegt also nicht unbedingt an den Züchtern. Allerdings werden z. B. Jagdhunde meist nur an Jagdscheinbesitzer abgegeben, da wär der Absatzmarkt für Hüte-und Treibhunde ziemlich eingeschränkt.
    Zudem sehe ich das viele Menschen sehr weit weg von Natur und Tier sind, zum einen Hundebesitzer deren Hund Mittelpunkt ihres Lebens ist, Kindersatz, Partnerersatz, das sind auch meist die, die alles besser wissen,eine große Bürde für den Hund, zum anderen Menschen, die panische Angst vor Tieren haben und dann die, die alles süß finden, bei unserem 9 jährigen Hund meinen der wär aber noch jung und trotz des Hinweises, dass er keine fremden Menschen mag, meinen sie würden ihn doch mal gerne streicheln, weil sie Originalton: das Risiko lieben
    Wir haben einen Cattle Dog und sind soweit ich weiß die fünfte Station für ihn. Er ist und bleibt ein schwieriger Hund, der gerne beißt, allerdings nicht uns,klare Grenzen braucht und nur mit viel Liebe und du bist aber ein Süßer! geht da gar nichts, auf der anderen Seite ist er sehr lustig, intelligent und loyal, wir wissen er ist ein Mistvieh aber er ist unser Mistvieh!
    Manchmal hilft auch eine Namensänderung, denn bei Zorro, Devil oder Dämon hat man direkt eine andere Erwartungshaltung als bei Strolchi, Filou oder Jupp.
    Abschließend möchte ich noch sagen, dass gegenseitige Sympathie Grundvoraussetzung ist, im besten Fall entscheidet sich der Hund für seinen Menschen nicht umgekehrt. Hunde, Menschen und Pferde sind kommunikative, soziale Wesen, mit Goodwill auf beiden Seiten geht da einiges.

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