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	<title>Geschimpfe &#8211; Normen Mrozinski aka NoMro</title>
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	<description>Hundewissen und Texte</description>
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		<title>Auf die Fresse gibt&#8217;s umsonst!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[normen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Dec 2025 14:34:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschimpfe]]></category>
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					<description><![CDATA[„Fußtritte und Fußstöße sind ungeeignete, abzulehnenden Strafmaßnahmen. Zu unseren Füßen sucht unser Hund gelegentlich Schutz. Sie müssen ihm so vertraut sein wie unsere Hände. (…) Zu bedenken ist außerdem, dass durch den Tritt eines schweren Schuhs oder eines Stiefels ein Hund verletzt werden kann.“ Manfred Koch-Kosteritz, 1973 Es ist schon lange nicht mehr vorgekommen, dass [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>„<i>Fußtritte und Fußstöße sind ungeeignete, abzulehnenden Strafmaßnahmen. Zu unseren Füßen sucht unser Hund gelegentlich Schutz. Sie müssen ihm so vertraut sein wie unsere Hände. (…) Zu bedenken ist außerdem, dass durch den Tritt eines schweren Schuhs oder eines Stiefels ein Hund verletzt werden kann.“ Manfred Koch-Kosteritz, 1973</i></p></blockquote>
<p>Es ist schon lange nicht mehr vorgekommen, dass ich so lange über einen Text gegrübelt habe, wie in den letzten Tagen.</p>
<p>Der Hintergrund ist, dass sich die gesamte Hundewelt seit ein paar Wochen völlig überrascht und empört darüber zeigt, dass ein Typ, der im Internet erzählt, dass man Hunden &#8222;aufs Maul hauen muss&#8220; (oder so ähnlich), das tatsächlich auch tut. Gefühlt 90% der Social Media-Accounts stürzen sich auf das Thema, reposten diverse Gruselvideos auf Instagram, insistieren, wie grausam das alles ist &#8211; nur um im nächsten Moment noch einen Screenshot hinterher zu posten. So verschafft man ordentlich Reichweite.</p>
<p>Das Gesetz des Shitstorms: In 3-4 Monaten ist die Geschichte vergessen. Was im Gedächtnis bleibt, ist der Name und dass er was mit Hunden zu tun hat. Als ein Kollege vor vielen Jahren mal einen heftigen Shitstorm abbekommen hat, schilderte er später, dass er nie zuvor so viele Anfragen für seine Angebote erhalten hatte wie in dem Jahr.</p>
<p>Daher bin ich mir der kognitiven Dissonanz durchaus bewusst, wenn ich was zu dem Thema schreibe.</p>
<p>An der allgemeinen Erregung möchte ich mich nicht beteiligen, der Grund, dass ich das hier schreibe ist ein anderer.</p>
<p>Nämlich, dass es allen Ernstes Leute gibt, die das für so etwas wie Hundetraining halten, was da online zu finden ist &#8211; und versuchen, dass irgendwie lerntheoretisch schön zu reden und zu erklären.</p>
<p>In der (virtuellen) Hundewelt stehen sich ja bekanntlich zwei Lager (v)erbittert gegenüber: Die &#8222;Grünschleifen&#8220; auf der einen und die &#8222;Aversivler&#8220; auf der anderen Seite.</p>
<p>Wenn es darum geht, dem Hund etwas beizubringen, erreicht man mit positiver Belohnung am schnellsten und elegantesten sein Ziel. Gleichzeitig stösst ein <em>ausschliesslich</em> auf positiver Belohnung beruhendes Hundetraining in dem Moment an seine Grenzen, in dem sich <em>der Hund unter Abwägung von Prioritäten gegen das Angebot des Menschen entscheidet</em>.</p>
<p>By the Way, positiv verstärkendes Hundetraining ist in keiner Weise straffrei. Das Ignorieren eines sozialen Lebewesens ist ebenfalls eine Strafe, für viele Hunde die Höchststrafe.</p>
<blockquote><p><em>Stock oder Peitsche lehnen wir als Erziehungsmittel ab. Seit dem wir wissen, wie feinfühlig und wie leicht lenkbar ein Hund ist, sind diese barbarischen Mittel überholt. Der ‚verschlagene‘ Hund, meist mißtrauisch und argwöhnisch geworden, ist nicht mehr Freund des Menschen, sondern nur ein peinliches Zerrbild. <i>Manfred Koch-Kosteritz, 1973</i></em></p></blockquote>
<p>Die Idee, man könnte einen Hund ausschließlich über Strafe erziehen, ist derweil unseriös.</p>
<p>Wie soll der Hund denn das vielbeschworene Alternativverhalten erlernen, wenn ich das gewünschte Verhalten nicht belohne? Training muss doch so aufgebaut werden, dass der Hund die Chance hat, etwas richtig zu machen.</p>
<p>Ziel einer Verhaltensunterbrechung ist, dass sich der Hund &#8211; unter der erwähnten Abwägung von Prioritäten &#8211; <em>gegen</em> seine intrinsische Motivation entscheidet und <em>für</em> ein erwünschtes Verhalten, welches ich ihm <em>vorher</em> &#8211; mit Belohnung &#8211; beigebracht habe. Der Hund muss also lernen, welches Verhalten unerwünscht ist, gleichzeitig muss er das erwünschte Verhalten kennen, um es zeigen zu können.</p>
<p>Ihr glaubt nicht, wie viele Leute ihre Hunde dafür bestrafen, dass sie an der Leine zerren, ohne ihnen jemals Leinenführigkeit beigebracht zu haben.</p>
<p>Also z.B. <em>nicht</em> an der Leine pöbeln, sondern <em>gesittet dran vorbeigehen</em>. <em>Das gesittete gehen</em> wiederum muss man vorher gelernt haben. Gut gemacht, feiner Hund!</p>
<p>Über Vorgehensweisen kann man streiten, es gibt immer die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Dem Hund &#8222;auf&#8220;s Maul hauen&#8220; ist derweil keine diskutable Vorgehensweise:</p>
<ul>
<li>Ein Hund, der Aversionsverhalten zeigt, lernt <em>keine</em> Verhaltensänderung, sondern weicht dem Menschen aus, der ihn bestrafen könnte. Sobald sich der Hund außerhalb des Einflussbereichs des Strafenden befindet, zeigt er das unerwünschte Verhalten wieder.<br />
Ein Beispiel: Eine Kundin war mit ihrem Hund in einer Hundeschule, weil er Themen mit dem zweiten im Haushalt lebenden Hund aufgemacht hat. Das Ergebnis des Trainings war, dass die Hündin den anderen Hund<em> in ihrer Anwesenheit</em> nicht mehr attackierte. Dazu kam es dann, als irgendwann mal eine Tür nicht richtig verschlossen war.</li>
<li>Hunde gewöhnen sich schnell an körperliche Strafen, das nennt sich dann &#8222;Depressionseffekt&#8220;. Man denke an &#8222;harthalsige&#8220; Hunde, die sich mangels Leinenführigkeit und immer neuer Hilfsmittel irgendwann an jede Einwirkung gewöhnt haben.</li>
<li>Bei starkem Stress ist die Lernfähigkeit herabgesetzt. Wenn wir uns massiv bedroht fühlen, wird das autonome Nervensystem aktiviert, welches für intellektuelle Vorgänge nicht erreichbar ist. Hier empfehle ich das Hirnmodell von Andreas Krüger, der das schön kindgerecht aufbereitet hat. Gerade bei Schmerzeinwirkung haben wir einen stark erhöhten Adrenalin/Noadrenalinspiegel. Alle, denen in einer Prüfungssituation schonmal ihr Name nicht mehr eingefallen ist, haben am eigenen Leibe erlebt, was eine Denkblockade ist.</li>
<li>Des Weiteren darf bezweifelt werden, dass ein Hund, der &#8222;gerade auf&#8217;s Maul&#8220; bekommt, sich also in einer starken Belastungssituation befindet, wirklich lernen kann, was von ihm verlangt wird. Siehe z.B. Martin Seligmann und seine erlernte Hilflosigkeit oder Pawlow mit der experimentellen Neurose.</li>
</ul>
<p>Den Begriff der<em> &#8222;strafbedingten Aggression&#8220;</em>  konnte man früher mal in Hundebüchern finden. Gemeint war damit ein Hund, der <em>in Erwartung einer Bestrafung</em> einen Menschen attackiert, um selbige zu verhindern. Oft sind solche Hunde generell freundlich bis distanzlos. Sobald sie aber die Idee bekommen, dass Ungemach droht, verlieren sie sich völlig und attackieren hysterisch und völlig inadäquat den Menschen.</p>
<p>Hunde generalisieren unsere Handlungen sehr schnell. Und wenn eine erhobene Hand, eine bestimmte Körperhaltung oder der Griff zu einem Objekt ungünstig verknüpft werden, kann das dazu führen, dass dem Hund die Nerven durchgehen. In der Arbeit mit solchen Hunden führt das zu von aussen absurd anmutenden Situationen, z.B. wenn man den Hund fürs Drohen belohnt, weil er diese Strategie endlich wieder zeigt. Feine Maus!</p>
<p>Wie Hunde auf unsere Handlungen reagieren, lässt sich mit Konditionierungsmechanismen nicht erklären. Das wussten auch schon die Behavioristen, auf deren Lerntheorie sich Hundetraining auch 100 Jahre später noch bezieht. Einer der Hauptkritikpunkte am Behaviorismus ist das sogenannte Blackbox-Modell &#8211; Verhalten wurde auf beobachtbare Reize und Reaktionen reduziert, psychische und physiologische Vorgänge fanden in den Lernexperimenten keine Berücksichtigung.</p>
<p>Jean Piaget gilt als einer der Begründer der kontruktivististischen Lerntheorie. Bereits ab den 1930er Jahren hatten sich Forschende mit dem beschäftigt, was in der Blackbox vorgeht, weil schnell offensichtlich wurde, dass die Reaktionen der Versuchstiere nicht in jedem Fall zum dargebotenen Reiz passten.</p>
<p>Die Theorie des Kostruktivismus besagt, dass wir uns unsere Lebensrealität anhand unserer Lernerfahrungen, Wertvorstellungen und unserer Sozialisation konstruieren und anhand dieser Lebenswirklichkeiten entsprechend lernen.</p>
<p>Klingt komplex, lässt sich aber anhand eines simplen Beispiels verdeutlichen:</p>
<p><strong>Gendern :-)</strong></p>
<p>Alle, die diesen Begriff lesen, haben eine individuelle Idee dazu. Für die einen beschreibt der Begriff den Untergang des Abendlandes, für die anderen gehört dieser Begriff zum Alltag. Wie wir dazu stehen ist abhängig von unseren Erfahrungen, unserem Lebensumfeld, unseren Moralvorstellungen undsoweiterundsofort.</p>
<p>Genauso verhält es sich mit der Reaktion unserer Hunde auf unsere Handlungen. Ob und wie eine Handlung wirkt, hängt damit zusammen, welche Vorerfahrungen. der Hund in seinem Leben gemacht hat. Das betrifft unser Zusammenleben, vorheriges Hundetraining, aber auch Faktoren wie die Aufzucht oder &#8211; der neueste heiße Scheiss in der Hundewelt &#8211; epigentische Faktoren.</p>
<p>Das erklärt auch den Trainereffekt. Wenn ein Hundetrainer seinen Kunden den Hund aus der Hand nimmt und zeigt, wie toll das doch klappt, liegt das in der Regel daran, dass all die sozialen Bezüge und Vorerfahrungen im Zusammenleben fehlen.</p>
<p>Ich habe es schon tausendmal woanders geschrieben: Niemand kauft sich einen Hund, um ihn zu bestrafen. Die ersten Lebensmonate von Hunden drehen sich zumeist um Stubenreinheit, Welpengruppe, Leinenführigkeit und Abruf, die in aller Regel &#8222;positiv&#8220; aufgebaut werden Erst, wenn Hunde älter und damit &#8222;explorativ&#8220; werden, ergeben sich Probleme, die das oben beschriebene &#8222;positiv verstärkende&#8220; Hundetraining an seine Grenzen bringen.</p>
<p>Wenn Hunde dann erstmalig mit einer unterbrechenden Maßnahme konfrontiert werden und sich beeindruckt zeigen, heisst es dann ganz oft: &#8222;Siehst, der braucht nur mal eine Grenze.&#8220;</p>
<p>Dieses Kynoblabla ist Quatsch.</p>
<p>Der Hund wird sich nach kurzer Zeit an die Maßnahme gewöhnen. Ob er in der Folge eine Verhaltensänderung zeigt oder weitermacht, wie bisher, hat nichts mit der Unterbrechung als solcher zu tun, sondern mit dem, was der Hund daraus macht.</p>
<p>In der Präambel des Tierschutzgesetzes heisst es<em> &#8222;Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerz, Leid oder Schaden zufügen&#8220;.</em></p>
<p>Unabhängig von moralischen Gesichtspunkten:</p>
<p>Wenn sich Hunde Menschen oder Artgenossen gegenüber derart aggressiv verhalten, dass sie eine Gefahr für sich und ihre Umgebung darstellen, dann mag das Arbeiten mit Schmerzreizen im Einzelfall <em>einen vernünftigen Grund</em> darstellen. Wenn das ganze Training aber von vorne herein so gestaltet ist, dass eine Verhaltensänderung maximal unwahrscheinlich wird, dann fällt der vernünftige Grund weg.</p>
<p>In diesem Sinne: Weniger Stiefeln, mehr Streicheln.</p>
<p><a href="https://events.nomro.de/event/soli-webinar-auf-die-fresse-gibts-umsonst-ein-leben-mit-problemhund/" target="_blank" rel="noopener">Btw ein bisschen Werbung &#8211; Demnächst gibt es ein Webinar zu dem Thema. Guck mal hier.</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Konflikt ist ein Konflikt ist ein Konflikt</title>
		<link>https://nomro.de/ein-konflikt-ist-ein-konflikt-ist-ein-konflikt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[normen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jun 2025 12:07:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschimpfe]]></category>
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					<description><![CDATA[1872 formulierte Charles Darwin in seinem Werk „The Expression of the Emotions in Man and Animals“ das Prinzip der Antithese, nachdem gegensätzliche Emotionen durch gegensätzliche Ausdrucksformen gezeigt werden. Im Falle von Hunden bedeutet dies, dass ein Hund, der z.B. offensiv droht, sich antagonistisch zu einem Hund verhält, der defensiv droht. Darwin beschäftigte sich mit den [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>1872 formulierte Charles Darwin in seinem Werk <a href="https://darwin-online.org.uk/content/frameset?viewtype=text&amp;itemID=F1142&amp;pageseq=1" target="_blank" rel="noopener"><i>„The Expression of the Emotions in Man and Animals“</i></a> das Prinzip der Antithese, nachdem gegensätzliche Emotionen durch gegensätzliche Ausdrucksformen gezeigt werden.</p>
<p>Im Falle von Hunden bedeutet dies, dass ein Hund, der z.B. offensiv droht, sich antagonistisch zu einem Hund verhält, der defensiv droht. Darwin beschäftigte sich mit den Emotionen von Menschen und Tieren, die letzteren seiner Zeit noch abgesprochen wurden. Da sich auch Menschen antithetisch verhalten, wollte er so den Beweis antreten, dass auch Tiere Emotionen haben müssten.</p>
<p>Diese Verhaltensähnlichkeiten zwischen Mensch und Canide nennt man &#8222;Analogien&#8220;. Und davon gibt es einige. Zum Beispiel investieren sowohl Menschen als auch Wölfe sehr viel Energie in die Aufzucht ihres Nachwuchses, verfügen über hohe soziale Kompetenzen und über verschiedene kognitive Fähigkeiten.</p>
<p>Antithetisches Verhalten lässt sich insbesondere im Bereich der Agonistik beobachten, so lange diese ritualisiert* stattfindet. Neben dem eben erwähnten Drohverhalten betrifft das auch den Kommentkampf. Ähnliche wie der Hund &#8222;baut&#8220; sich der offensiv auftretende Mensch &#8222;auf&#8220; und nimmt Raum ein, während sich der defensiv, deeskalierende agierende Mensch &#8222;klein macht&#8220;. und Raum gibt. <em>(vgl. Feddersen-Petersen 2015)</em></p>
<p><strong>Antithese im Hundetraining</strong></p>
<p>Da Hunde sehr sensibel auf unsere &#8222;Körpersprache&#8220; reagieren, liegt es auf der Hand, dass das &#8222;körpersprachliche Arbeiten&#8220; im Hundetrainingskosmos einen festen Platz inne hat. Insbesondere, wenn ein Verhalten des Hundes unterbrochen werden soll, kann es hilfreich sein, Raum zu beanspruchen und Distanz zu fordern. Das Prinzip heisst dann &#8222;Distanz schafft Nähe&#8220;, &#8222;Willst du gelten, mach dich selten&#8220;, &#8222;Du bist der Star, mach&#8216; dich rar&#8220; etcpp.</p>
<p>Logisch, vorausgesetzt die Beziehung ist stimmig, nimmt der Hund die eingeforderte Distanz als Strafe wahr und möchte Nähe zum Menschen herstellen. So wird also geblockt, fixiert und verscheucht, was das Zeug hält. Ausreichend sensibilisiert kann die Verhaltensunterbrechung so &#8222;fein&#8220; stattfinden, dass man als Hundemensch nicht Gefahr läuft, von irgendwelchen Leuten angeranzt zu werden. Ein bisschen Gewichtsverlagerung, etwas Körperspannung und ein  Blickfixieren &#8211; und zack, weiss Luna, dass sich gerade der Himmel verdunkelt. Entscheidet sich die Süßmaus für Kooperation, erfolgt eine Einladung und der Konflikt wird aufgelöst. Alles wieder tutti.</p>
<p>Diese Vorgehensweise als solche find&#8216; ich erstmal völlig Ok und dem entsprechend findet sie auch in meiner Verhaltensberatung Anwendung, wenn es passt. Aber ich bin ja auch &#8217;ne Hartwurst, wie Ihr wisst. Was mir jedoch auf den Zeiger geht, ist dieses merkwürdige Reframing in der Hundewelt:</p>
<p>Zunächst einmal liest man immer wieder, dass körpersprachliches Arbeiten eine tolle Kommunikation sei; ganz nah am Hund, ein tolles &#8222;Gespräch&#8220;. Nah am Hund? Stimmt, Analogie und so. Kommunikation? Ja, aber toll für den Hund? Und Gespräch? Wenn ich mit meinem Hund z.B eine &#8222;Stop&amp;Go&#8220;-Übung mache, dann führe ich eher einen Monolog. Ich als Mensch schränke den Raum des Hundes ein und gebe diesen zu meinen Bedingungen wieder frei. Es ist nicht vorgesehen, dass der Hund seine Meinung dazu kund tut. Und tut er es doch, wird die Meinung wegtrainiert.</p>
<p>Dazu kommt die oben erwähnte stimmige Beziehung. Wenn ich meinem Hund wirklich wichtig bin, dann stellt das ernsthafte Einfordern von Distanz und Raum die Höchststrafe für ein soziales Lebewesen dar. Als Mensch tue ich nichts anderes als ihn auf eine Art und Weise, die ihm sehr nahe ist, auszuschliessen. Möchte er wieder dazu gehören, muss er meine Bedingung annehmen.</p>
<p>Wir reden hier also über einen handfesten Konflikt: <em>&#8222;Wenn Du dich nicht so benimmst, wie ich es möchte, hast du in meiner Nähe nichts zu suchen.&#8220; </em></p>
<p>Dieses Angebot, welches dem Hund gemacht wird, ist also eher vergleichbar mit dem des Paten: Eines, das man nicht ablehnen kann.</p>
<p>Wenn der Hund wirklich ein unerwünschtes Verhalten zeigt, ist das wegtreiben oder -scheuchen von mir aus Ok. Ganz im Gegenteil, im Hundetraining bin ich ein großer Freund von sozialer Auseinandersetzung. Was ich aber immer wieder beobachte ist, dass Hunde ohne Sinn und Verstand für jeden Scheiss eingeschränkt werden. Doof gucken &#8211; wegscheuchen. Am Blümchen schnüffeln &#8211; böser Blick und gib ihm.</p>
<p>Manchmal könnte man auch einfach mal sagen, was man möchte. Vielleicht hört der Hund ja drauf. Spannenderweise hat das schon vor 10 Jahren ein bekannter Hundetrainer gesagt, der wirklich nicht dafür bekannt ist, besonders kuschelig vorzugehen.</p>
<p>Nur weil eine körpersprachliche Unterbrechung nicht körperlich ist, heisst das noch lange nicht, dass sie deshalb nett wäre. Warum wir so tun, als ob ein &#8222;Bodyblock&#8220; vergleichbar wäre mit einem romantischen Tanz, erschliesst sich mir nicht.</p>
<p>Egal, wie wir das Kind nennen. Ein Konflikt bleibt ein Konflikt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>*Als Ritualisierung bezeichnet man den Satz an Verhaltensweisen, der im Zuge der Stammesgeschichte einen Signalwert erhalten haben. (Dorit Feddersen-Petersen, 2015) </em></p>
<p>Als Beispiel möchte ich die Vorderkörpertiefstellung anbringen, gerne auch &#8222;Spielaufforderung&#8220; genannt. Jeder Hund ist per Disposition in der Lage, dieses Signal zu erkennen. Ein Beispiel aus dem menschlichen Verhalten wäre Ekel, ein Verhalten, welches wir schon als kleine Kinder bei unserem Gegenüber erkennen können. (Ekman, 1999)</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Würg (2)</title>
		<link>https://nomro.de/wuerg-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[normen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jan 2025 10:21:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschimpfe]]></category>
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					<description><![CDATA[Wo wir beim Thema „Würg“ sind: Eine weitere Plattitüde, bei der ich auf der Stelle Ganzkörperherpes bekomme, ist der Spruch „Der braucht nur mal &#8217;ne klare Grenze aufgezeigt“.  Was Grenzsetzung angeht, bin ich grundsätzlich vorne dabei. Jeden Tag sehen wir Hunde, die Grenzen überschreiten, die ihnen nie gesetzt wurden. Und wer mit Freiheit nicht umgehen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wo wir beim Thema „Würg“ sind: Eine weitere Plattitüde, bei der ich auf der Stelle Ganzkörperherpes bekomme, ist der Spruch „Der braucht nur mal &#8217;ne klare Grenze aufgezeigt“.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Was Grenzsetzung angeht, bin ich grundsätzlich vorne dabei.</p>
<p>Jeden Tag sehen wir Hunde, die Grenzen überschreiten, die ihnen nie gesetzt wurden. Und wer mit Freiheit nicht umgehen kann, landet früher oder später im Knast. Oder dauerhaft an der Leine. Oder im Tierheim. Oder auf dem Tisch einer Tierarztpraxis.</p>
<p>Es ist keine Meinung, sondern wissenschaftlich verbriefte Tatsache, dass man ein intrinsisch motiviertes, erfolgreiches Verhalten nicht mit einem Belohnungsprinzip ändern kann.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Insofern bin ich angesichts des weit verbreitetem Fellnasenfundamentalismus gerne auf der dunklen Seite der Macht und sage: Ja, unerwünschtes Verhalten darfst Du unterbrechen.</p>
<p>Und weiter: Eine Verhaltensunterbrechung ist dann eine Verhaltensunterbrechung, wenn sie ein Verhalten unterbricht. Und nicht, wenn der Hund wohlwollend nickt und dann weitermacht wie gehabt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Dann gibt es aber Menschen, die erzählen im Jahr 2025 noch, dass sie ihrem Hund &#8211; selbstverständlich kynopädagogisch begleitet &#8211; eine Grenze setzen sollten und der Hund danach drei Tage nicht laufen konnte. War dann wohl &#8211; mit Verlaub &#8211; ein bisschen doll, nicht?<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Hundeschule aber hat erzählt, dass man das Problem ratzfatz löst, in dem man nur <em>ein einziges Mal ein für alle Mal</em> klärt, wo der Frosch die Locken hat.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Und wenn’s nicht klappt, war es eben nicht dolle genug. Also, nächste Runde, auf in den Kampf!<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Abgesehen davon, dass es sowas wie moralische und tierschutzrechtliche Grenzen gibt, ist die Idee dahinter lernpsychologischer Blödsinn.</p>
<p>Wenn ein Individuum unerwünschtes Verhalten zeigt, ist das Ziel einer Unterbrechung/Strafe eine bedingte Hemmung. Die wiederum ist per Definition „das Unterdrücken einer angeborenen oder erlernten Endhandlung“.</p>
<p>Das heisst im Klartext, dass der Hund an der Leine pöbeln <em>könnte</em>. Weil er aber gelernt hat, dass sich dann der Himmel verdunkelt, unterlässt er es und zeigt ein anderes (im Idealfall erwünschtes) Verhalten.</p>
<p>Torbenoliver klaut nicht mehr bei Mediamarkt, weil er gelernt hat, dass er dafür Ärger bekommt und Toilettenstühle putzen muss.</p>
<p>Wenn man einfach nur draufhaut, zeigt der Hund in der Folge dem Auslöser gegenüber eine bedingte Aversion, also ein erlerntes Meideverhalten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Auslöser ist dann schlechterdings die Reaktion des Menschen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Hund lernt also <em>nicht</em>, dass er nicht an der Leine pöbeln soll, sondern lernt, dass er Dresche bezieht, wenn ein anderer Hund auftaucht.</p>
<p>Das ist übrigens auch der Grund, warum Waldi und Luna weiter ungebremst in die Leine ballern, wenn man die Rappeldose, Wasserflasche oder was auch immer zuhause vergessen hat.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Und Torbenoliver lernt nur, dass er verprügelt wird, wenn man ihn erwischt.</p>
<p>Wie oben beschrieben kann ich ganz gut damit leben, wenn ich aus einer bestimmten Richtung als „Hardliner“ bezeichnet werde.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Das hat natürlich zur Folge, dass ich in die selbe Schublade gesteckt werde wie die „Dasmussmandochmalklärendürfen“-Truppe, die – siehe Social Media – gar nicht mal so klein ist. Da kommt dann der oben genannte Ganzkörperherpes ins Spiel.</p>
<p>Was das Training mit „Problemhunden“ (meistens haben die ja gar keine Probleme, sondern die dazugehörigen Menschen) zu tun hat – also, wenn man dem Hund etwas wieder abgewöhnen muss – geht es meiner Meinung nach nicht um „nett“. Nett ist die kleine Schwester von Kacke. Vielmehr geht es um „Fair“.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Fairness setzt Sensibilität und Kenntnis des Gegenübers voraus. Denn was Belohnung ist und was Bestrafung, entscheidet immer der Empfänger.</p>
<p>Und nicht Facebook oder Instagram.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Würg (1)</title>
		<link>https://nomro.de/wuerg-1/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[normen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jan 2025 14:05:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschimpfe]]></category>
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					<description><![CDATA[Es gibt so eine Unart, die mich tierisch nervt, wenn es um Problemverhalten bei Hunden geht:  Diese Unterstellung, dass Hunde nicht in der Lage wären, selber auf dumme Ideen zu kommen und diese in die Tat umzusetzen. Pöbelt der Hund an der Leine? Er hat Stress! Zeigt er Dir die Mittelkralle, wenn du ihn gerufst [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt so eine Unart, die mich tierisch nervt, wenn es um Problemverhalten bei Hunden geht:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Diese Unterstellung, dass Hunde nicht in der Lage wären, <em>selber</em> auf dumme Ideen zu kommen und diese in die Tat umzusetzen. Pöbelt der Hund an der Leine? Er hat Stress! Zeigt er Dir die Mittelkralle, wenn du ihn gerufst ? Bindungsstörung! Beisst er? Angst!</p>
<p>Natürlich haben Hunde Stress, Angst und manche haben vielleicht sogar ein Problem damit, Bindungen einzugehen*.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Aber: Die allermeisten Hunde zeigen Verhalten, weil es für sie Sinn ergibt! Weil es Spass macht. Weil es erfolgversprechend ist oder einen hohen Belohnungswert hat.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Er pöbelt an der Leine? Geil, wir beide gegen die da, wie 15-jährige in der Disko! Er kommt nicht? Wozu auch? Du wartest eh auf ihn. Wenn du dich hinter dem Baum versteckst, kann er das riechen! Und wenn du versuchst, ihn einzufangen, ist das ein Riesen Spaß (für ihn)!<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Es ist erstaunlich. Die Leute erfreuen sich ob der erstaunlichen kognitiven Fähigkeiten, über die Hunde verfügen. Hunde können Perspektiveinnahme, Hunde können Stimmungen erkennen undundund. Aber sobald ein Hund ein Problemverhalten zeigt, ist er das Opfer widriger äußerer Umstände.</p>
<p>Nicht nur, dass solche Pauschalerklärungen Hunde für dumm verkaufen. Sie sorgen auch dafür, dass sich Menschen ohne Not schuldig fühlen und in der Folge von ihrem schlechten Gewissen geplagt versuchen, dinge gut zu machen, die sie gar nicht vermasselt haben.</p>
<p>Wie oft hört man im Erstgespräch „Ich weiß, ich habe alles falsch gemacht“. Nö. Wir machen seit 50.000 Jahren alles falsch. Und die Viecher sind immer noch da. Und die meisten kommen ganz gut durch die Welt, ohne auf der Titelseite der scheiss Bildzeitung zu landen. Aber seit 30 Jahren gibt es Hundeschulen, die damit Geld verdienen, dass sie dir einreden, was du alles falsch gemacht hast.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Hundeschule als Beichtstuhl für versagenden Herrchenmenschen. Und die Zehnerkarte als kynologischer Ablasshandel sozusagen. Aber vielleicht hast Du ja gar nichts falsch gemacht. Vielleicht findet Dein Hund sein Verhalten einfach nur ziemlich praktisch. Vielleicht will er gar nicht gerettet werden?</p>
<p>Hunde sind intelligenter als wir glauben. Und sie durchschauen uns. Sie zeigen Social Grin, weil sie uns beobachten und wissen, dass wir das niedlich finden. Alle, die sich schon etwas länger mit Hundetraining beschäftigen, können bestätigen, dass Vorgehensweisen, die vor 10 Jahren noch super funktioniert haben, heute innerhalb kürzester Zeit durchschaut werden und in der Folge wirkungslos verpuffen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wir sollten unseren Hunden ihre Fähigkeiten nicht nur in den Bereichen zugestehen, die uns in Verzücken versetzen. Sondern auch in denen, in denen sie uns in den Wahnsinn treiben.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Laut lachen mit Mark</title>
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		<dc:creator><![CDATA[normen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 May 2023 10:52:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschimpfe]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Biologe Norbert Sachser schreibt in seinem Buch „Der Mensch im Tier“ (gutes Buch, kaufen!) über seine Oma, die einen Hund hatte. Er schildert, dass sie das Tier in- und auswendig kannte, genau wusste, was er mag und wie sie mit ihm umgehen konnte. Sachser bescheinigt seiner Oma eine hohe Tierkenntnis, wie er es nennt.  [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Biologe Norbert Sachser schreibt in seinem Buch „<a href="https://www.rowohlt.de/buch/norbert-sachser-der-mensch-im-tier-9783499629440" target="_blank" rel="noopener">Der Mensch im Tier</a>“ (gutes Buch, kaufen!) über seine Oma, die einen Hund hatte. Er schildert, dass sie das Tier in- und auswendig kannte, genau wusste, was er mag und wie sie mit ihm umgehen konnte. Sachser bescheinigt seiner Oma eine hohe Tierkenntnis, wie er es nennt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Worüber Sachsers Großmutter jedoch nicht verfügte, war Sachkenntnis. Sprich, sie kannte sich sehr gut mit ihrem Hund aus, jedoch nicht mit Hunden im Allgemeinen.</p>
<p>In meiner Familie war es nicht die Oma, sondern meine Tante Waltraud mit ihrem Hund Purzel. Purzel war ein kleiner Mischling unbekannter Herkunft und hatte einige „Special Effects“, wie es heute euphemistisch genannt wird, wenn Hunde schlecht erzogen sind*. Doch auch meine Tante verfügte über die besagte Tierkenntnis und kam mit ihrem Purzel prima klar. Von Hunden an sich hatte sie jedoch keine Ahnung.</p>
<p>Das war aber auch nicht weiter tragisch, denn meine Tante ist nie auf die Idee gekommen, irgendwelchen Menschen Ratschläge im Umgang mit deren Hund zu geben.</p>
<p><strong>40 Jahre später ist das anders.</strong></p>
<p>Heute füttert Tierkenntnis den Algorithmus sozialer Netzwerke, insbesondere den des Boomer-Netzwerks „Facebook“. Mark Zuckerberg gefällt das.</p>
<p>Sobald jemand eine Frage zum oder gar ein Problem mit Hund formuliert, finden sich jede Menge Erfahrungen, die andere Menschen mit jeweils ihrem Hund gemacht haben.</p>
<p>Hunde sind allerdings hoch individuell. Genauso wie Menschen. Das heisst, nur weil mein Topptipp bei meiner Fellfresse* maximale Wunder bewirkt hat, heisst das noch lange nicht, dass das bei Deinem Wauwau auch klappt.</p>
<p>Dazu kommt, dass das, was du schilderst noch lange nicht dem entsprechen muss, was ich verstehe. (Das gilt übrigens auch für die Interpretation etwaiger Videoschnipsel etc)</p>
<p>Ein Beispiel: Vor vielen Jahren klingelte mal mein Telefon und ein älterer Herr schilderte mir, dass er Training benötige, weil sein Hund den Nachbarn &#8222;gezwickt&#8220; hatte. Auf meine Frage, ob der Nachbar ihn angezeigt hätte, antwortete der Herr: &#8222;Nein, der liegt noch im Krankenhaus&#8220;.</p>
<p>Seine Vorstellung von Zwicken war definitiv eine andere als meine.</p>
<p><strong>Fassen wir mal zusammen:</strong></p>
<p>Auf Grund einer Hundegeschichte in einer Hundegruppe bastelt unser Gehirn beruhend auf unserer persönlichen Phantasie Bilder zusammen, anhand derer wir Tipps geben, die auf unserer Erfahrung mit einem völlig anderen Hund beruhen.</p>
<p>Diese Tipps wiederum werden von anderen beruhend auf ihrer Phantasie und persönlichen Erfahrung interpretiert und Tada:</p>
<p>Schon ist die deftige, nennen wir es<span class="Apple-converted-space"> </span>Diskussion, inklusive des verschwenderischen Umgangs von Satzzeichen in vollem Gange.</p>
<p>Mark Zuckerberg gefällt das.</p>
<p>Die Person, die sich eigentlich Hilfe oder einen Tipp erhofft hatte, darf sich aus dutzenden Meinungen, die als Ratschläge getarnt sind, derweil eine aussuchen.</p>
<p><strong>Alles Wissen dieser Welt &#8211; jetzt kostenlos</strong></p>
<p>Glücklicherweise gibt es in jeder Hundegruppe, die was auf sich hält, entsprechend kynopädagogisch geschultes Fachpersonal, das sich in die Diskussion einbringt und die eigene Expertise zumeist auch gleich im ersten Satz betont.</p>
<p>Bei meinen Workshops frage ich gerne mal in die Runde, wer von den Teilnehmenden** eigentlich hauptberuflich mit Hunden arbeitet und wie viel Zeit dabei übrig bleibt, um in Hundegruppen über Verhalten zu diskutieren und Tipps zu geben.</p>
<p>Wenn ich nicht gerade Veranstaltungen vorbereite, gebe oder nachbereite, versuche ich die ganzen Mails zu beantworten, Telefonate zu führen und irgendwie die Buchhaltung zu schaffen, um zu verhindern, dass mein Steuerberater das Land verlässt. Nebenbei möchten meine eigenen Hunde ja auch mal raus und diese merkwürdigen sozialen Bedürfnisse meiner Familie befriedigt werden.</p>
<p>Natürlich möchten auch die sozialen Netzwerke bedient werden, damit ihr mitbekommt, dass ich endlich mal wieder zum Bloggen gekommen bin.</p>
<p>Doch selbst wenn ich es wollte, hätte ich nicht die Zeit, in Hundegruppen ernsthaft mitzudiskutieren. Geschweige denn, eine gesamte Kommentarspalte durchzuarbeiten.</p>
<p><strong>Und eine Frage soll erlaubt sein:</strong></p>
<p>Eine fundierte Ausbildung in Sachen Hundetraining kostet eine Menge Geld. Dazu kommen jede Menge investierte Zeit in Fortbildungen, das Lesen von Fachbücher etc.</p>
<p>Warum sollte jemand all dieses Wissen für alle kostenlos in eine Hundegruppe schenken?</p>
<p><strong>Wie hilfreich sind eigentlich soziale Netzwerke?</strong></p>
<p>Mit Blick auf junge Menschen können wir überall nachlesen, wie bedenklich soziale Netzwerke sein können.</p>
<p>Während Instagram ihnen vorgaukelt, dass ein Körpergefühl nahe am Hungertod das wahre Sexy ist, fackeln sich andere selber ab, weil es eine entsprechende Challenge auf TikTok gibt. Facebook und Telegram werden mittlerweile von vielen Menschen als seriöse Quelle für vermeintlich sensationelle Nachrichten akzeptiert.</p>
<p><strong>Warum sollten soziale Netzwerke für Menschen mit Hund weniger problematisch sein als für Jugendliche?</strong></p>
<p>Niemand kommt auf die Idee, bei Instagram mal ein Reel zu posten, in dem man gerade maximal genervt vom Köter* ist. Überall brave Hundchen, strahlende Herrchenmenschen*, überall Heititei. Und wenn nicht, dann total ironisch, *hihi*, diese kleine Kackbratze*. Man muss sie einfach lieben,</p>
<p>Es gibt jede Menge Studien, die sich damit beschäftigen, dass der ständige Vergleich mit anderen in den sozialen Netzwerken die Menschen unglücklich macht, dass das Prinzip der &#8222;Likes&#8220; für eine Dopaminausschüttung sorgt, die empfängliche Menschen süchtig machten kann. YouTube hat das &#8222;Dislike&#8220; nicht etwa angeschafft, weil Alphabet so menschenfreundlich ist, sondern weil es schwerwiegende psychische Folgen für insbesondere junge Menschen haben konnte.</p>
<p>Ich habe es bereits an anderer Stelle geschrieben und erzähle es nahezu jedes Wochenende bei meinen Veranstaltungen:</p>
<p>Wenn jemand in einer Gruppe, die sich z.B. mit der Fütterung von Hunden beschäftigt, besonders betont, wie viel Mühe in die Zubereitung und Zusammensetzung des Futters investiert wird, dann tut dieser Mensch das in erster Linie, um sich selber gut zu fühlen.</p>
<p>Selbiges gilt, wenn die selbe Person fordert, das Dir der Hund abgenommen werden sollte, weil Du nur schnödes Trockenfutter verfütterst.</p>
<p>Wenn jemand jeden Tag die ewig selben Fotos* vom Hund auf Baumstamm, Heuballen, im Wald und auf dem Hundeplatz postet, dann, damit jeder sieht, wie aktiv man ist.</p>
<p>Und wenn Dir jemand einen kostenlosen Tipp gibt, dann vielleicht, um dir parallel zu zeigen, dass du keine Ahnung hast. Ratschläge sind auch Schläge.</p>
<p>Nicht Facebook, Instagram oder TikTok müssen mit deinem Hund klarkommen, sondern du.</p>
<p>Soziale Netzwerke sind Dir bei der Erziehung deines Hundes in etwa so behilflich, wie die Menschen, die dich ungefragt auf der Hundewiese vollquatschen.</p>
<p>Es ist deine Entscheidung, wie du trainierst, welche Form der Beschäftigung du wählst, was du fütterst und ob Du Halsband oder Geschirr anlegst.</p>
<p><strong>Ganz schön polemisch, wa? </strong></p>
<p>Vor kurzem habe ich mal ein Meme mit folgendem Text erstellt:</p>
<p>&#8222;Wenn ein Hund droht, ist das sehr nett von ihm. Er sagt &#8218;Hau ab, sonst gibt das Ärger.&#8216; Es git auch heute noch Menschen, die das Drohverhalten abtrainieren. Mit dem Ergebnis, dass es Ärger gibt.&#8220;</p>
<p>Darunter kommentierte jemand &#8222;Das ist aber sehr verkürzt dargestellt&#8220;, jemand anderes antwortete darauf &#8222;Ja, aber das gibt Likes&#8220;.</p>
<p>Genauso funktionieren soziale Netzwerke, eine kurze prägnante Aussage mit dem Ziel, Likes zu generieren.</p>
<p>Wenn man sich dessen bewusst ist, kann auch Facebook nette Unterhaltung sein.</p>
<p>Bei allem anderen hilft ein gutes Buch.</p>
<p>Wie sagen die jungen Leute so schön? Haters gonna hate.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>*Diese Formulierung nutze ich nur für den Algorithmus!</p>
<p>** Außerdem habe ich versucht, den Artikel weitestgehend in genderneutraler Sprache zu verfassen, nur um Euch zu ärgern.</p>
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		<title>Podcastfolgen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[normen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Jan 2023 14:20:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschimpfe]]></category>
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					<description><![CDATA[Podcasts sind eine tolle Sache. Man kann sich in aller Ruhe anhören oder sogar ansehen, was andere Menschen zu bestimmten Themen zu sagen haben. Und die Menschen haben oft eine Menge zu sagen. So auch ein bekannter Kollege, der sich vor einigen Tagen in einem Podcast über Schutzhundesport geäußert hat, was wiederum für heftige Reaktionen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Podcasts sind eine tolle Sache. Man kann sich in aller Ruhe anhören oder sogar ansehen, was andere Menschen zu bestimmten Themen zu sagen haben. Und die Menschen haben oft eine Menge zu sagen.</p>
<p>So auch ein bekannter Kollege, der sich vor einigen Tagen in einem Podcast über Schutzhundesport geäußert hat, was wiederum für heftige Reaktionen im Alte-Leute-Netzwerk „Facebook“ gesorgt hat.</p>
<p>Die Kernaussage der Kritik lautet, dass der Kollege Hunde, die im Schutzdienst trainiert werden, pauschal als gefährlich dargestellt hat.</p>
<p>Die Reaktionen im Netz fallen erwartbar aus. Diejenigen, die (Schutz-)hundesport betreiben, schimpfen über ihn, der ja keine Ahnung haben kann, weil er noch nie einen Hund erfolgreich durch eine Prüfung geführt habe.</p>
<p>Die anderen sind sich sicher, dass auf allen Hundeplätzen der Republik in tierquälerischer Absicht Hunde geknechtet werden und dieser Hundesport verboten gehört.</p>
<p><strong>Also, wird ein Hund gefährlich, weil er im Schutzhundesport trainiert wird?</strong></p>
<p>Ein ganz klares Nein! Aber!</p>
<p>Wenn ich einen Hund mit Blick auf eine eventuelle Gefährlichkeit hin überprüfe, gibt es zwei elementare Punkte, die es einzuschätzen gibt.</p>
<p>Auf der einen Seite das Aggressionsverhalten des Hundes, wobei ein aggressiver Hund nicht zwingend gefährlich sein muss. Ganz im Gegenteil. Wenn ein Hund Drohverhalten zeigt, ist das erstmal sehr nett von ihm. Immerhin gibt er mir zu verstehen, dass ich besser gehen sollte, wenn ich nicht gebissen werden möchte.</p>
<p>Gefährlich wird es im Aggressionsbereich erst dann, wenn der Hund kein Drohverhalten (mehr) zeigt, „reflexartig“ beißt oder das Aggressionsverhalten inadäquat stattfindet. Dass Hunde das zeigen, was oft als Beschädigungsbeißen bezeichnet wird, kommt sehr selten vor.</p>
<p>Damit kommen wir zum zweiten Punkt, nämlich dem, was gerne als fehlgeleitetes Beutefangverhalten bezeichnet wird. Nahezu allen schweren Beißvorfällen in den letzten Jahren lag keine aggressive Motivation zu Grunde, sondern eine jagdliche Motivation.</p>
<p>Ein – gewünschtes – Ergebnis menschlicher Selektion ist, dass Hunde Dinge jagen, die nicht zu ihrem Beutespektrum gehören. Im besten Fall kann dieses Objekt ein Ball sein, im schlimmsten Fall löst der Hund jagdlich auf Menschen aus.</p>
<p>Das Ziel von Aggression ist letzten Endes die Distanzvergrößerung.<br />
Das Ziel von Jagen ist Töten und Fressen der Beute.</p>
<p>Damit kommen wir zum Punkt.</p>
<p>Der Besitzer eines Hundes, der ein Kind getötet hat, hat es vor einigen Jahren bei der Verhandlung des Falles auf simple wie tragische Weise zusammengefasst:</p>
<p>„Der Hund wollte nichts böses tun, er hat den Kopf mit dem Ball verwechselt.“</p>
<p>Nahezu alle aus meinem Bekanntenkreis, die Hundetraining geben, raten den Menschen dringend davon ab, mit dem Hund unkontrolliert Objekte zu werfen oder „Zerrspiele“ zu veranstalten.</p>
<p>Die Betonung liegt auf „Unkontrolliert“.</p>
<p>Hunde müssen nicht, aber sie <em>können</em> als Folge ungünstiger Beschäftigung verlernen, Bewegungsreize zu differenzieren, so dass sie jagdlich auf Artgenossen oder Menschen auslösen.</p>
<p>Diese Hunde sind gefährlich.</p>
<p>Diese Gefährlichkeit wiederum kann durchaus überprüft werden, ohne eine Prüfung absolviert zu haben.</p>
<p>Im Hundesport – und nicht nur im Schutzhundesport – spielt „Beute“ eine große Rolle. Sei es zur Belohnung, Motivation oder als Bestandteil der Aufgabe, die der Hund lösen soll.</p>
<p>Und überall da, wo Beutereize eingesetzt werden, muss das Verhalten des Hundes genau betrachtet und darauf eingegangen werden.</p>
<p>Passiert das nicht, besteht die Gefahr, dass Hunde bei gewissen Reizlagen außer Kontrolle geraten.</p>
<p>Vernünftig angeleitet auf dem Hundeplatz ist diese Gefahr nicht größer als unkontrolliert im heimischen Garten.</p>
<p><strong>Die Sache mit der Zuchthygiene</strong></p>
<p>Die Gebrauchshunderassen, die heute <em>oft</em> in der IGP und im Ringsport eingesetzt werden, neigen rassebedingt dazu, ein erhöhtes Beutefangverhalten zu zeigen.</p>
<p>Diese Verhaltenstendenzen sind gewünscht und im Training mit den Hunden hilfreich.</p>
<p>Das Ziel, möglichst griffige Hunde zu züchten, führt leider auch dazu, dass viele Hunde heute ein extrem dünnes Nervenkostüm haben, was dann mit „Triebigkeit“ verwechselt wird.</p>
<p>Und manche topp motivierte Neuhundebesitzwer*innen haben das Problem bereits auf dem Schoß sitzen, wenn sie den Hof der Zuchtstätte verlassen.</p>
<p>Die Kombination aus ungünstigem Trainingsaufbau und mangelnder Zuchthygiene kann man spätestens dann im Tierheim besuchen, wenn die Hunde ungefähr 18 Monate alt sind.</p>
<p>Damit kommen wir aber zum anderen Punkt.</p>
<p><strong>Wird im Hundesport tierschutzrelevant trainiert?</strong></p>
<p>Wenn ich den Kommentarspalten auf Facebook glauben darf, haben ausnahmslos alle, die Hundesport generell skeptisch sehen, die Erfahrung gemacht, dass auf den Hundeplätzen ausschließlich stachelwürgerschwingende Brutalos unterwegs sind.</p>
<p>Natürlich wird es hier wie in jedem anderen Bereich auch schwarze Schafe geben. Aber.</p>
<p>Der Schutzhundesport in Deutschland hat ein massives Nachwuchsproblem, welches in Teilen natürlich hausgemacht ist.</p>
<p>Noch in den 1980er Jahren gab es in nahezu jedem Dorf eine Ortsgruppe des SV und oft noch eine vom Boxer Klub und vom PSK. Die Trainingsmethoden zu dieser Zeit waren oft sehr ruppig, so dass viele Menschen den Vereinen den Rücken gekehrt haben.</p>
<p>Die meisten Ortsgruppen sind quasi ausgestorben und viele der verbliebenen Hundesportvereine haben ihre IGP-Abteilungen geschlossen, weil sich kaum jemand mehr dafür interessiert.</p>
<p>Um neue Mitglieder zu gewinnen und die Abwanderung bestehender Mitglieder zu verhindern, liegt es im ureigenstem Interesse der Hundesportvereine, nicht mit tierschutzrelevanten Methoden zu arbeiten und bei der Ausbildung auf Motivation und Belohnung zu setzen.</p>
<p>Die Hunde sollen in den Prüfungen freudig arbeiten und die Gesamterscheinung spielt bei der Bewertung eine Rolle. Hunde, die sich in einer Aversion bewegen, werden keine guten Platzierungen erreichen.</p>
<p><strong>Also was?</strong></p>
<ul>
<li>Hunde werden nicht automatisch gefährlich, nur weil sie im Schutzhundesport trainiert werden.</li>
<li>In jedem Bereich des Trainings mit Hunden ist Sensibilität gefragt.</li>
<li>Um die Gefährlichkeit eines Hundes einzuschätzen, muss man keinen Hund erfolgreich durch eine Prüfung geführt haben.</li>
<li>Eine lerntheoretisch korrekte und <em>erfolgreiche</em> Schutzhundesportausbildung kann nicht tierschutzrelevant erfolgen.</li>
</ul>
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		<title>Die Sache mit den Webinaren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[normen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Mar 2022 10:16:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschimpfe]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine große Analogie zwischen Hunden und mir ist die, dass ich gerne ressourcenschonend arbeite. Andere würden sagen, dass ich ein faul bin, aber ressourcenschonend klingt doch irgendwie schöner. Und so habe ich auch versucht, den administrativen Aufwand in Grenzen zu halten, wenn es um Webinare geht. Bis dato war es so: Du meldest Dich über [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine große Analogie zwischen Hunden und mir ist die, dass ich gerne ressourcenschonend arbeite. Andere würden sagen, dass ich ein faul bin, aber ressourcenschonend klingt doch irgendwie schöner.</p>
<p>Und so habe ich auch versucht, den administrativen Aufwand in Grenzen zu halten, wenn es um Webinare geht.</p>
<p>Bis dato war es so:</p>
<p>Du meldest Dich über meine Webseite an und erhältst als Antwort die Zugangsdaten zum Webinar, einen Link zu den Unterlagen und die Rechnung. Alles in einem Abwasch, ganz einfach.</p>
<p>Als ich 2014 die ersten Webinare gegeben habe, war die Technik oft noch wackelig.</p>
<p>Teilnehmer*innen hatten technische Probleme, kamen nicht rein oder hatten keinen Ton. Sowas ist natürlich maximal ärgerlich, weshalb ich immer Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt habe. Schließlich haben die Leute dafür bezahlt. Und außerdem kann ich nachvollziehen, dass man die Inhalte vielleicht noch mal nacharbeiten will.</p>
<p>Leider hat sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert, dass es Kolleg*innen und Teilnehmer*innen gibt, die die zur Verfügung gestellten Materialien an Dritte weitergeben.</p>
<p>Grundsätzlich finde ich es völlig OK, wenn Du dir das Webinar mit deiner besten Freundin anschaust oder dem einen Kollegen in der Hundeschule die Aufzeichnung zur Verfügung stellst. Ich persönlich möchte nicht päpstlicher als der Papst sein, wenn es darum geht, die Nutzung zu kontrollieren.</p>
<p>Was ich weniger OK finde ist jedoch, wenn du den Link zu den Materialien in sozialen Netzwerken teilst. Und so kam es vor einiger Zeit vor, dass ein Aufzeichnungsordner mehr als 1000 mal (!) angeklickt wurde, obwohl nur 60 Teilnehmer*innen im Webinar anwesend waren.</p>
<p>Was ich dann schon ärgerlich finde ist, wenn in einer WhatsApp-Gruppe abgesprochen wird, dass eine Person sich anmeldet und die Materialien dann an alle weitergibt.</p>
<p>Richtig zum Kotzen wird es, wenn eine Kollegin die Copyright-Hinweise aus den Materialien entfernt und diese dann im Internet zum Kauf anbietet. Da ist Feenstaub dann alle.</p>
<p>Problematisch für alle Beteiligten wird es dann, wenn manche Menschen gar nicht vorhaben, sich fortzubilden, sondern es lediglich auf den Ordner mit den Unterlagen und der Teilnahmebescheinigung abgesehen haben.</p>
<p>Die Mitarbeiter*innen der Veterinärämter und Tierärztekammern sind ja nicht doof. Und so gibt es die ersten Behörden, die Webinare als Fortbildungen nicht mehr akzeptieren. Logisch, denn überprüfen, ob du wirklich dabei bist, kann niemand. Die Tierärztekammern diskutieren schon länger eine ähnliche Beschränkung.</p>
<p>Und wenn Du Dich beschwerst, dass Du keine Teilnahmebescheinigung bekommen hast, obwohl das Webinar erst morgen stattfindet, ist das halt etwas verdächtig.</p>
<p>Diejenigen, die das Nachsehen haben sind die, die sich auf einen &#8211; hoffentlich &#8211; unterhaltsamen und informativen Abend freuen und gleichzeitig den Fortbildungsnachweis benötigen.</p>
<p><strong>Deshalb gibt es ab sofort einige Änderungen.</strong></p>
<ul>
<li>Während des Webinars erhaltet Ihr ein Passwort, mit dem Ihr auf die Teilnahmebescheinigung zugreifen könnt. Ohne Teilnahme, kein Passwort. Ohne Passwort keine Teilnahmebescheinigung.</li>
<li>Wenn es sich bei dem Webinar um eine Aus-/Fortbildung, also z.B. 11er-Vorbereitung oder Start.Ab.-Webinar handelt, könnt ihr selbstverständlich weiterhin auf Aufzeichnungen zugreifen &#8211; allerdings nur in Verbindung mit Eurem persönlichen Google-Account. Ein Download wird nicht mehr zur Verfügung gestellt.</li>
<li>Für Webinare, die keinen Fortbildungscharakter haben und keine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema voraussetzen, wird es keine Aufzeichnungen mehr geben.</li>
</ul>
<p>Viele werden den Mehraufwand ärgerlich finden. Ich persönliche finde das Ganze am ärgerlichsten. Zum einen, weil ich immer noch der Meinung bin, dass wir Hundemenschen untereinander einen kollegialeren Umgang pflegen sollten, zum Anderen, weil ich es eigentlich ressourcenschonend mag. Bin halt doch faul.</p>
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		<title>Schnäppchen</title>
		<link>https://nomro.de/schnaeppchen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[normen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Nov 2021 13:39:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschimpfe]]></category>
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					<description><![CDATA[Manche Pointen zünden schmerzhaft. So klingelte vor einiger Zeit mein Telefon. Am anderen Ende der Leitung war eine Veterinäramtsmitarbeiterin, mit der ich hin und wieder mal zu tun habe. Nach kurzem Smalltalk kam sie auf den Punkt und fragte mich, ob ich jemanden wüsste, der einen Hund aufnehmen könnte, der gerade eben ein Kind schwer [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Manche Pointen zünden schmerzhaft.</p>
<p>So klingelte vor einiger Zeit mein Telefon. Am anderen Ende der Leitung war eine Veterinäramtsmitarbeiterin, mit der ich hin und wieder mal zu tun habe. Nach kurzem Smalltalk kam sie auf den Punkt und fragte mich, ob ich jemanden wüsste, der einen Hund aufnehmen könnte, der gerade eben ein Kind schwer verletzt hatte.</p>
<p>Die Antwort war einfach: Nein.</p>
<p>Dennoch schilderte sie mir, was passiert war:</p>
<p>Die Familie hatte den Hund kurz zuvor bei Ebay-Kleinanzeigen gefunden. In der Anzeige fanden sich ein paar putzige Fotos und eine rührige Geschichte, warum die süße Fellnase ein neues Zuhause braucht.</p>
<p>Die Menschen waren sofort schockverliebt und Zack: Schon hatten sie ein neues Familienmitglied. Ein echter Glücksfall sozusagen.</p>
<p>Bis zu dem Morgen, an dem die Leute ihren neuen Hund einen Moment lang mit ihrem Kleinkind unbeaufsichtigt ließen und dieser dem kleinen Jungen in den Kopf biss und ihn beissschüttelnd durch die Wohnung schleppte.</p>
<p>Nun war das Kind in der Universitätsklinik und der Hund im Schlafzimmer eingesperrt.</p>
<p>Die Eltern des Kindes hatten verständlicherweise kein Interesse daran, auch nur noch eine Sekunde mit dem Hund zusammenzuleben, also wendeten sie sich zunächst an das nächste Tierheim.</p>
<p>Nun ist es jedoch so, dass Tierheime nicht verpflichtet sind, Abgabetiere aufzunehmen. Die Verträge mit der Gemeinde umfassen lediglich Fundtiere und solche, die aus Beschlagnahmungen stammen.</p>
<p>Das Tierheim lehnte also dankend ab.</p>
<p>Also kontaktierten die Menschen das zuständige Veterinäramt, welches jedoch nicht weiterhelfen konnte. Denn grundsätzlich wäre es mit etwas Kreativität zwar möglich, den Hund einzuziehen und so über Umwege im Tierheim unterzubringen. Zumal von einer Gefährlichkeit des Hundes auszugehen ist und die Besitzer des Hundes bisher weder eine Erlaubnis zum Halten gefährlicher Hunde geschweige denn eine Sachkunde vorzuweisen hatten.</p>
<p>Doch gibt es im Vertrag zwischen Gemeinde und zuständigem Tierheim einen Passus, der das Tierheim von seinen Pflichten entbindet, sobald der Hund aggressiv oder gefährlich sei.</p>
<p>Da sich keine Lösung abzeichnete, entschieden sich die Hundebesitzer dazu, einen Tierarzt aufzusuchen und den Hund einschläfern zu lassen. Doch auch das ist nicht so einfach. Denn die Einschläferung eines Hundes auf Grund von Gefährlichkeit oder übersteigertem Aggressionsverhalten ist im entsprechenden Landeshundegesetz nicht vorgesehen.</p>
<p>Eine Erfahrung, die auch eine Tierärztin machen musste, die einen Hund nach mehreren Beißvorfällen eingeschläfert hatte und in der Folge erfolgreich wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz verurteilt wurde. Ironischerweise hatte ausgerechnet ein Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins die Anzeige erstattet, welcher sich nun weigerte, den Hund aufzunehmen.</p>
<p>Fassen wir also zusammen:</p>
<p>Während das Kind noch im Krankenhaus behandelt wird, findet sich kein Tierheim, welches den Hund aufnehmen würde. Dies ist insofern verständlich, weil davon auszugehen ist, dass der Hund lebenslang zu verwahren ist.</p>
<p>Gleichzeitig findet sich kein Tierarzt, der Hund einschläfern würde, da zum einen die Verurteilung der Kollegin und zum anderen der allgemeine Aufschrei rund um „Chico“ vor einigen Jahren verhindern, dass irgendein/e Veterinär/in freiwillig seinen Ruf und seine Karriere gefährdet. Auch das ist verständlich.</p>
<p>Vor zwei Wochen traf ich mich dann mit einem Kollegen zum Metal hören, Biertrinken und Blödsinn reden und erzählte ihm von der Geschichte. Er sicherte mir zu, dass er für den Hund einen Platz in seiner Pension freischaufeln würde.</p>
<p>Tolle Nachricht, dachte ich mir noch und rief gleich am Tag drauf beim Veterinäramt an. Das Thema hatte sich zwischenzeitlich allerdings erledigt. Die Familie hatte den Hund „anderweitig weitervermittelt“.</p>
<p>Vermutlich mit ein paar putzigen Fotos und einer rührigen Geschichte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In einigen Bundesländern dürfen auffällig gewordene Hunde nur an sachkundige Personen weitergegeben werden. In der Regel sind dies Tierheime oder Menschen, die die Sachkunde vor Übernahme des Hundes nachweisen.</p>
<p>In dem betreffenden Bundesland gibt es diese Vorgabe nicht.</p>
<p>Wenn jemand einen Hund über Ebay, Quoka, Deine Tierwelt oder wie sie alle heissen übernimmt und sich dieser im Nachhinein als gefährlich herausstellt, bedarf die Haltung einer Genehmigung.</p>
<p>Das heisst, dass der neue Besitzer des als gefährlich eingestuften Hund eine Erlaubnis beantragen und seine Sachkunde nachweisen muss, um eben diesen Hund zu halten. Und Nichtwissen schützt nicht vor Strafe. Auch nicht vor erhöhter Hundesteuer und Auflagen für die Haltung des Tieres.</p>
<p>Die Vermittlung an sich ist erstmal legal. Und in der Sekunde in der sich die Vertragsparteien einig sind, hat der/die neue Besitzer/in das Problem am Hacken.</p>
<p>Auch wenn es sicherlich rechtliche Möglichkeiten gibt, bei Verschweigen oder Unterschlagen von wichtigen Informationen betreffs des Verhaltens des Hundes gegen den oder die Verkäufer/in vorzugehen: Das ändert nichts daran, dass das Problem erstmal im Kofferraum der frischgebackenen Hundebesitzer sitzt und sich solche Auseinandersetzungen ewig ziehen.</p>
<p>Solche Fälle treten in letzter Zeit – wenn auch nicht in der Drastigkeit – immer öfter auf.</p>
<p>Man kann also nicht oft genug betonen: Augen auf beim Hundekauf!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Hässliche Wahrheit (3): Man darf sie nicht alle retten!</title>
		<link>https://nomro.de/haessliche-wahrheit-3-man-darf-sie-nicht-alle-retten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[normen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 May 2019 14:43:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschimpfe]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute habe ich frei. Und weil ich keine Ahnung habe, was ich mit so viel Freizeit anfangen soll, trödle ich ein wenig in den sozialen Netzwerken rum. Und siehe da. In meiner Timeline spült es einen Hilferuf hervor: Jemand sucht für einen Hund, der mehrfach aktenkundig gebissen hat, einen Menschen, einen Verein oder wasauchimmer. Zwecks [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute habe ich frei. Und weil ich keine Ahnung habe, was ich mit so viel Freizeit anfangen soll, trödle ich ein wenig in den sozialen Netzwerken rum. Und siehe da. In meiner Timeline spült es einen Hilferuf hervor:</p>
<p>Jemand sucht für einen Hund, der mehrfach aktenkundig gebissen hat, einen Menschen, einen Verein oder wasauchimmer. Zwecks Rettung vor der &#8222;Todesspritze&#8220;, wie der Autor schreibt. Solche Aufrufe sind erstmal nicht außergewöhnlich und zumindest in meiner persönlichen Filterblase allgegenwärtig.</p>
<p>In diesem Fall jedoch gibt es einige Besonderheiten.</p>
<p>Zum Einen lebt der Hund nicht in Deutschland, sondern in der Schweiz. Das ist aber nicht so schlimm, denn zum Anderen würde die Schweizer Polizei schriftlich genehmigen, dass der Hund ausreisen darf.</p>
<p>Das ist ja ein Ding, denke ich mir. Und tatsächlich finden sich unter dem Beitrag jede Menge Kommentator*innen, die den armen Bub sofort und auf der Stelle retten würden. Wenn sie nicht schon drei hätten, versteht sich.</p>
<p>Die Einfuhr bzw. im Falle der Schweiz, die kein EU-Mitglied ist, die Verbringung von gefährlichen Hunden nach Deutschland regelt das Gesetz mit dem völlig unkomplizierten und charmanten Namen <em>&#8222;Gesetz zur Beschränkung des Verbringens oder der Einfuhr gefährlicher Hunde in das Inland&#8220;</em> oder kurz <em>&#8222;Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz&#8220;</em>, oder noch kürzer <em>&#8222;HundVerbrEinfG&#8220;</em>.</p>
<p>Wer sich schonmal über merkwürdige Gurkenverordnungen gewundert hat, wird an der Geschichte dieses Gesetzes seine wahre Freude haben.</p>
<p>In Kraft getreten ist dieses Wunderwerk der politischen Spontanität im Jahr 2001. Die Älteren unter uns werden sich erinnern, dass kurz zuvor ein Kind bei einem tragischen Beißvorfall in Hamburg ums Leben gekommen war. Tragisch auch deshalb, weil die Besitzer der betreffenden Hunde den Behörden bekannt waren, diese jedoch untätig blieben. Dies Unglück hätte also verhindert werden können.</p>
<p>Unmittelbar nach dem Vorfall war die Wut groß und insbesondere die Boulevardmedien befeuerten mit wenig zurückhaltenden Schlagzeilen à la &#8222;Tötet die Bestien!&#8220; die Debatte.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund taten die Verantwortlichen das, was sie am besten können: Sie übten sich in Aktionismus! Aber in Blindem, bitte.</p>
<p>Entgegen unzähliger Hinweise von Biolog*en, Tierärzt*en, Hundetrainer*n etcpp. wurde in kürzester Zeit also das &#8222;HundVerbrEinfG&#8220; zusammengeschustert, welches im wesentlichen besagt, dass</p>
<blockquote><p>&#8222;Hunde der Rassen Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden&#8220;</p></blockquote>
<p>nicht nach Deutschland gebracht werden dürfen.</p>
<p>Kaum trat das Gesetz in Kraft, kamen prompt die ersten unangenehmen Fragen bzgl. gefährlicher Hunde auf.</p>
<p>Nur mal hypothetisch: Was wäre zum Beispiel, wenn es an der deutsch-österreichischen Grenze zu einem Gebäudeeinsturz käme und die Mitglieder österreichischen Rettungshundestaffel Pitbulls als Suchhunde hätten? Haben die Verschütteten dann Pech gehabt, weil die Hunde nicht einreisen dürfen?</p>
<p>Dass man da wohl etwas vorschnell war, ahnten auch die Verantwortlichen und beschlossen die <em>&#8222;Verordnung über Ausnahmen zum Verbringungs- und Einfuhrverbot von gefährlichen Hunden in das Inland&#8220;, </em>kurz <em>&#8222;<span class="jnkurzueamtabk">HundVerbrEinfVO&#8220;.</span></em></p>
<p><span class="jnkurzueamtabk">Diese Verordnung trat im April 2002 in Kraft und erklärt, dass Diensthunde, auch solche fremder Streitkräfte sowie &#8222;Blindenhunde, Behindertenbegleithunde und Hunde des Katastrophen- und Rettungsschutzes&#8220; doch einreisen dürfen. So ein Glück!</span></p>
<p>Außerdem darf man seinen Hund wieder mit nach Hause bringen, wenn man im Urlaub war. Und weil wir Deutschen so gastfreundlich sind, dürfen auch ausländische Gäste ihren Hund mitbringen. Und der Baden-Württemberger mit seinem Rottweiler in Bayern eine Pinkelpause machen. Aber maximal vier Wochen. Wenn der Schwabe sich dabei das Bein bricht, darf der geliebte Fiffi ausnahmsweise länger bleiben. Auf Antrag versteht sich.</p>
<p>Der Hund in dem oben geschilderten Hilferuf gehört übrigens keiner der im &#8222;HundVerbrEinfG&#8220; genannten Rassen an.</p>
<p>Auf Grund der spätestens jetzt öffentlich bekannten Beißvorfälle stehen seine Chancen für eine – legale – Einreise dennoch nicht allzu gut. Selbst wenn der besagte schweizer Polizist den deutschen Kollegen die Ausreisegenehmigung vortanzen würde.</p>
<p>Zum Einen weil jedes Bundesland nochmal ein eigenes Hundegesetz hat und beißende Hunde, egal woher sie stammen, nirgendwo gerne gesehen sind. Zum Anderen, weil die Polizei, auch in der Schweiz, solche Dinge gar nicht entscheidet bzw. entscheiden darf.</p>
<p><em>&#8222;Der Kevin überfällt zwar alte Omas, aber so lange er das nicht hier tut, schreiben wir ihm eine Unbedenklichkeitbescheinigung.&#8220;</em></p>
<p>Ja, Nee, is klar.</p>
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		<title>Das Hundetraining ist tot, lange lebe das Hundetraining.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[normen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Aug 2017 15:14:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschimpfe]]></category>
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					<description><![CDATA[Thomas und Stephan haben eines gemeinsam: Beide haben an einer renommierten Universität Medizin studiert. Ihre Professoren waren jeweils Koryphäen auf ihrem Gebiet, die Universitätsbibliothek ist weltweit anerkannt und nicht zuletzt haben beide sehr viel Geld und Zeit in ihr Studium investiert. Der Unterschied? Während Stephan heute ein anerkannter Chirurg in einer Privatklinik ist, muss sich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Thomas und Stephan haben eines gemeinsam: Beide haben an einer renommierten Universität Medizin studiert. Ihre Professoren waren jeweils Koryphäen auf ihrem Gebiet, die Universitätsbibliothek ist weltweit anerkannt und nicht zuletzt haben beide sehr viel Geld und Zeit in ihr Studium investiert. Der Unterschied? Während Stephan heute ein anerkannter Chirurg in einer Privatklinik ist, muss sich Thomas vor Gericht in einem Kunstfehlerprozess verantworten, weil er einen Patienten auf dem Gewissen hat.</p>
<p>Die Geschichte ist (hoffentlich) frei erfunden, soll jedoch verdeutlichen, worauf ich hinaus will.</p>
<p>Immer wieder lese ich in sozialen Netzwerken die Frage nach der &#8222;besten Ausbildung&#8220;, die angehende Hundetrainerinnen buchen können. Genannt werden in der Regel die üblichen fünf oder sechs Verdächtigen. Und die eine oder andere Institution nennt sich in dem Zusammenhang auch mal selber gerne &#8222;die Elite&#8220;.</p>
<p>Doch nur, weil jemand mehrere Tausend Euro für eine Ausbildung übrig hat, macht dieser Umstand denjenigen noch nicht zum Teil einer wie auch immer gearteten Elite. Vielmehr steht die finanzielle Hürde diesem Wunschdenken im Weg.</p>
<p>Auf der einen Seite gibt es keine ernstzunehmenden Aufnahmetests, die diesem Anspruchsdenken Gewicht verleihen würden. Auf der anderen Seite – warum sollte jemand, der wirklich ambitioniert ist, so viel Geld für etwas ausgeben, das man sich für wenige Euro selber erarbeiten kann?</p>
<p><strong>Im Ernst! Du möchtest Hundetrainerin werden?</strong></p>
<p>Dann leihe Dir die entsprechende Fachliteratur aus der Bibliothek (Ja, die gibt es noch!) und vor allem lies sie.</p>
<p>Schaue Dir auf Youtube die verschiedenen Techniken an und sieh vor allem zu, dass Du das Gelernte verstehst und das Verstandene in die Praxis umsetzen und erklären kannst.</p>
<p>Sei dabei offen für alles, probier vieles aus und erkläre fachlich, was Dir komisch vorkommt oder Deiner Meinung nach nicht funktionieren kann.</p>
<p>Das lernst Du in keinem Ausbildungsinstitut, sondern durch Erfahrungen, die du machst.</p>
<p>Mach Praktika – in der Hundepension, im Tierheim, als Gassigänger. Wenn Du eine Methodik interessant findest, dann buche ein paar Einzelstunden. Danach bist du schlauer.</p>
<p>Das, was du theoretisch in einer Ausbildung lernen kannst, findest du in Büchern.</p>
<p>Praktisch geht es vor allem um eines: Technik.</p>
<p>Die eine ist vielleicht &#8222;nett&#8220;, die andere &#8222;böse&#8220;. Aber es bleibt Technik</p>
<p>Beratungs<em>techniken, </em>Leinenführigkeits<em>techniken, </em>Rückruf<em>techniken, </em>Belohnungs<em>techniken</em> usw.</p>
<p>Die Technik bringt man dem Kunden bei und dieser wiederum glaubt, dass sich sein Problem in Luft auflöst, weil er auf Technik vertraut. Das kann nicht funktionieren und funktioniert in vielen Fällen auch nicht.</p>
<p>Der Grund dafür ist einfach. Erziehung ist nichts technisches, vielmehr findet sie im Alltag statt. Ganz nebenbei. Es sind die kleinen Momente, die den Unterschied machen. Und nicht Trainingseinheiten.</p>
<p>Man &#8222;trainiert&#8220; nicht mit dem Kind, dass man keine alten Omas ausraubt. Würde das funktionieren, dann gäbe es in der Schule das Fach &#8222;Erziehung&#8220; und es gäbe keine Arschlochkinder mehr.</p>
<p>Erziehung heisst, Werte vorzuleben, in der Lage zu sein, sich in Konflikten durchzusetzen, ohne unfair zu werden und vor allem so zu belohnen, dass es keine leere Floskel ist.</p>
<p>Durch Training eignet man sich derweil praktische Fähigkeiten wie Fahrradfahren, Klavierspielen oder Kochen an.</p>
<p>Wer also glaubt, den bissigen Hund mit einem &#8222;Anti-Aggressionstraining&#8220; in den Griff zu bekommen, der sollte einfach mal einen Blick auf die Rückfallquote jugendlicher Straftäter werfen, die erlebnispädagogisch korrekt zum Kite-Surfen nach Mallorca geschickt wurden.</p>
<p>Ein Hund wird seinen Menschen nicht ernster nehmen, nur weil dieser beim Spaziergang nonverbal und ritualisiert hin und her marschiert oder zum hundertsten Mal &#8222;Sitz&#8220; übt.</p>
<p>Techniken sind für den Erziehungserfolg zweitrangig. Vielmehr sollten sie als Vehikel dienen. Sie sollen kleine Erfolge produzieren, um dem Hundebesitzer Selbstbewusstsein mit auf dem Weg zu geben. Denn Selbstbewusstsein erlangt man durch Handlungsfähigkeit. Wer weiss, wenn ich das geschafft habe, wozu bin ich noch in der Lage?</p>
<p>Hundetraining, wie es heute vielfach durchgeführt wird, kommt daher schnell an seine Grenzen.</p>
<p>Alle haben den Behaviorismus kritisiert, doch geändert hat sich wenig. Es wird konditioniert auf Skinner komm raus, ohne die inneren Vorgänge des Hundes zu berücksichtigen oder ihm die Möglichkeit zu geben, eigene Erkenntnisse zu gewinnen.</p>
<p>Wir palavern über kontextspezifisches Lernen und wundern uns, warum das auf dem Hundeplatz in Anwesenheit des Trainers prima funktioniert und auf der Wiese im Stadtpark nicht.</p>
<p>In den letzten Wochen habe ich gleich mehrere Menschen mit ihren Hunden kennengelernt, die jahrelang eine Technik nach der anderen trainiert haben.</p>
<p>Jede einzelne davon<em>,</em> jeder Satz und Begriff, der mir geschildert wurde, war nahezu identisch. Jeden Ablauf, jede einzelne der durchkonfektionierten Übungen konnten die Hunde rauf und runterbeten.</p>
<p>Aber erzogen waren diese Hunde deshalb noch lange nicht. Nur strategischer und kreativer, wenn es darum ging, ihrem Besitzer auf der Nase rumzutanzen.</p>
<p>Alles war trainiert: Leinenführigkeit, Dranbleiben ohne Leine, Rückruf, Sitz, Platz etc. Aber mal so nett sein und beiseite gehen, wenn der Besitzer mit dem Tablet voller Kaffeetassen vorbeiwill – Pustekuchen.</p>
<p>Der Grund dafür ist der, dass viele Hunde schlicht zu schlau sind und die Übertragung von <em>Technik</em> in den Alltag meiner Meinung nach nicht funktionieren kann.</p>
<p>Die <em>Technik</em> ist nicht für die Erziehung des Hundes wichtig, sondern für den Trainer, der sie vermittelt und deshalb Teil einer Peer Group ist. Eines für alle. Egal, ob es passt. Man hat schliesslich eine Menge Geld dafür bezahlt. Zeig mir Deine Leinenführigkeit und ich sage dir, was sie Dich gekostet hat. Da wären wir dann wieder bei den Eliten.</p>
<p>Viele Hunde sind heute so austrainiert, dass sie nach spätestens fünf Minuten durchschaut haben, wessen Geistes Kind da vor ihnen steht. Sie kapieren sofort, ob sie sich in einer Trainingssituation befinden oder nicht und wissen ganz genau, was zu tun ist. Sie sind leinenschlau, maulkorbschlau, hasenzugmaschinenschlau und diealtepasstgeradenichtauf-schlau.</p>
<p>Was glaubst du, wie weit Du kommst, wenn du die hundertste Übung eintrainierst?</p>
<p>Der Begriff Hundetraining als solcher ist irreführend, weil er suggeriert, man würde etwas mit Hunden tun. Auch &#8222;Verhaltensberater&#8220; ist Blödsinn. Toll, wenn der Kunde weiss, warum der Hund etwas tut. Aber eigentlich will er doch wissen, wie er damit umgehen soll. Vielleicht wäre &#8222;Erziehungsberater&#8220; passender.</p>
<p>Ich weiss es nicht.</p>
<p>Eines jedoch wird mir jeden Tag aufs Neue klar. Die Idee des Trainings ist überholt. Wir müssen zugeben, dass wir die Viecher unterschätzt haben. Je mehr Raum Hunde bei ihren Menschen einnehmen, je weniger sind sie für Dressur empfänglich.</p>
<p>Kein Wunder, schliesslich wollen sie Sozialpartner und keine Dompteure.</p>
<p>Wir müssen runter von den bequemen Hundewiesen.</p>
<p>Wir müssen weg von Reiz-Reaktions-Mustern.</p>
<p>Wir müssen weg von simplen Belohnungsprinzipien.</p>
<p>Die Trainingstechnik ist der fleischgewordene Knopfdruck.</p>
<p>Offenlegung:</p>
<p>Ich selber habe eine sehr kostspielige Ausbildung gemacht, in der mir dieselben Techniken vermittelt wurden, wie hunderten Auszubildenen vor mir und hunderten nach mir. Außerdem habe ich eine Ausbildung mit entwickelt und bis vor kurzem selber eine angeboten.</p>
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