Suche junge, dekorative Biologin zum Stricken.

Mit dem Hundetrainerdasein ist das ja so eine Sache.

Während man bzw. frau früher nur die Entscheidung treffen musste, ob man jetzt, wo die Kinder aus dem gröbsten raus sind, lieber ein Naildesign-Studio (oder eine Social Media-Agentur) eröffnet oder lieber Hundetrainer wird, ist es mittlerweile ja etwas komplizierter.

Seit dem 1. August 2014 nämlich müssen Menschen wie ich nachweisen, dass sie „sachkundig“ sind. Das regelt der §11 des Tierschutzgesetzes. Dafür wiederum sind die Veterinärämter zuständig, deren Mitarbeiter bis Dato garnicht wussten, über welch weitreichende Expertise sie so verfügen.

Nun isses wie es ist und viele Hundetrainer machen seitdem ihre ersten artfremden Erfahrungen mit Pferden – um genau zu sein mit dem Amtsschimmel, der teilweise kräftig wiehert.

Um die „Sachkunde“ zu erhalten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. So kann man z.B. über den BHV eine Prüfung ablegen oder sich durch die Tierärztekammern zertifizieren lassen.

Man kann aber auch eine Prüfung beim zuständigen Amt ablegen, mit dem kleinen Haken, dass die meisten Ämter garnicht so genau wissen, wie eine solche Prüfung aussehen soll.

Dieser kleine Haken hat zur Folge, dass gefühlt Tausende von Anträgen bei den Ämtern in Ablage P zur Wiedervorlage warten.

Zudem gibt es – je nach individuellen Größenwahn und Allmachtsgefühl des zuständigen Sachbearbeiters – noch gefühlt tausend andere Möglichkeiten, irgendwie an den vermaledeiten „Elfer“ zu kommen.

Der eine Kollege darf keine Retrieverleinen mehr benutzen, obwohl von denen garnichts im TierschG steht, der nächste Kollege darf gleich einen ganzen Tierschutzbeauftragten ernennen, womit er die Anzahl seiner Mitarbeiter gerade verdoppelt, der vierte wird lächelnd durchgewunken, weil er mit der Tochter vom Amtsleiter poppt und die fünfte Kollegin bekommt ein Berufsverbot, WEIL sie selbiges mit dem Sohn der Amtsleiterin tut.

So gesehen hatte ich großes Glück mit meinem auch ansonsten sehr netten und umgänglichen Veterinäramt.

Nur knapp Tausend Euro (für eine Zertifizierung durch die Tierärztekammer und für die Bearbeitung meines Antrags) und schon darf ich – sozusagen mit Stempel drauf – weiterarbeiten. Danke!

Um sich zertifizierter Hundetrainer nennen zu dürfen, muss man mindestens zwei Tage Fortbildungen im Jahr nachweisen können.

Bis letztes Jahr war das relativ einfach. Man besuchte einen Wochenend-Workshop zu einem Hundethema, reichte die Bescheinigung ein und durfte weitermachen.

Dann ließ sich die Tierärztekammer  Schleswig-Holstein etwas neues einfallen.

Ab sofort werden nämlich nur noch Fortbildungen anerkannt, die von jemanden gegeben werden mit abgeschlossenen Biologiestudium oder mit tierärztlichen Studium inkl. der Zusatzbezeichnung „Verhaltensdingens“.

Der Grund für diese Änderung ist relativ einfach. Als es darum ging, welche Voraussetzungen durch die Ämter anerkannt werden und welche nicht, ging es bestimmt ganz besonders friedlich von Statten.

Denn in Deutschland gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich zum Hundetrainer oder waswasich ausbilden zu lassen und keine dieser Möglichkeiten ist wirklich günstig.

Derjenige Hundetrainerzertifizierer, dessen Schüler per Gesetz durchgewunken werden, erhält quasi eine Lizenz zum Gelddrucken.

Insofern kann man durchaus die Frage stellen, warum es neben den Zertifizierungen und den Prüfungen durch die Ämter auch ein kommerzieller Anbieter in die Riege der Auserwählten geschafft hat. Aber egal, es sei ihm gegönnt.

Die Hand voll Möglichkeiten, die neben dem Gang zur amtlichen Prüfung übrig bleiben, sind zwar überschaubar, aber deswegen nicht weniger Konkurrenten.

Und so wirft man sich gegenseitig vor, zu lasch, zu hart, zu sonstwas zu sein, um dem Anderen jeweils das Leben schwer zu machen.

Hier kommen dann die Zertifizierten ins Spiel. Ein guter Freund sagte man „Der Mensch lernt, wenn er muss“ und einige derer, die ihre Zertifizierung erlangt hatten, dachten sich wohl „genug gelernt“ und reichten teils merkwürdige „Fortbildungsnachweise“ ein – vom Wochenende Wellnessurlaub in einem Hotel, in das man Hunde mitnehmen durfte bishin zur Eintrittskarte zu Rütters „Mensch – Hund“.

Da aber eine gewisse Qualität der Weiterbildungen gewährleistet sein soll, gilt nun die oben erwähnte Regel – sehr zum Vorteil der Biologen und Tierärzte, sehr zum Nachteil der Referenten, die eher praxisorientiert sind.

Denn ganz ehrlich – so eine Fortbildung ist nicht eben günstig und wer hat schon das nötige Kleingeld, gleich mehrere zu besuchen.

„Ihr wollt einen Biologen? Ihr bekommt einen Biologen“, dachte ich mir und fragte eine gute Freundin, die nicht nur Biologin ist, sondern sogar Ahnung von Hunden hat, ob sie nicht Lust und Zeit hätte.

Zumindest eines von beiden hatte sie, also treten wir zu zweit an, um Fortbildungen zu geben, die unsere zertifizierten Kollegen beim zuständigen Gremium einreichen können.

Vorausgesetzt – und da wird das Ganze absurd – die gute Freundin ist vor Ort.

Einfach „nur“ Inhalte wissenschaftlich auf ihre Richtigkeit zu prüfen, die entsprechenden Quellen gegenzurecherchieren und andere wissenschaftliche Standpunkte anzubringen etc. reicht nämlich nicht!

Nein, sie muss mit im Raum sitzen und kann sich die Zeit während der Praxis, die im Normalfall ca. 70 % der ganzen Veranstaltung ausmacht, damit vertreiben, indem sie bei Facebook surft oder Socken für ihren Freund häkelt.

Im Klartext bedeutet das, dass unsere gemeinsame Fortbildung anerkannt wird, es sei denn, sie bekommt einen Tag vorher eine Magen-Darm-Grippe. Dann haben meine Teilnehmer die Wahl.

Entweder wird die Veranstaltung nicht anerkannt oder man nimmt in Kauf, dass man sich einen netten Norovirus einfängt. Naja, hat ja immerhin den Vorteil, dass man an den folgenden Tagen viel Zeit im Klo verbringt und die Gelegenheit nutzen kann, die ganzen Studien nachzulesen.

Nun bin ich ja bekanntermaßen ein Freund der TÄK, mag die Menschen im Gremium wirklich gerne und schätze ihre fachlichen Fähigkeiten.
Aber wer auch immer auf diesen Schmarn gekommen ist, hatte wohl so etwas wie eine Diarrhö im Kopf.

„Stellenausschreibung“


Da es ja auch mal Tage gibt, an denen ich gezwungen bin, Hundetrainern alleine etwas zu erzählen – sei es, weil die liebe Kollegin Urlaub hat, andere Dinge vorhat oder einfach noch über ein eigenes Leben verfügt – suche ich auf diesem Wege

  • eine junge (weil nicht so teuer),
  • dekorative (sollte so einen wissenschaftlichen Verve mit sich bringen, am besten mit Kittel)
  • Biologin (Fachrichtung egal, von mir aus kannst Du über die Anatomie von Mücken ptomoviert haben),
  • die Zeit und Lust hat, während meiner Fortbildungen, zu stricken.

Vielleicht einen Pullover. Für anderweitige Unterhaltung ist gesorgt, ich bringe gerne Kreuzworträtselhefte oder einen Gameboy mit.

2 Kommentare
  1. Wolfhart
    Wolfhart says:

    Immer wenn sich mein alter Lehrmeister über die Bürokratie aufregte, donnerte er folgenden Spruch durch alle Räume: „Deutschland! Da werden Gesetze gemacht von Idioten, für Idioten.“ Manchmal flogen dabei auch noch Gegenstände durch die Luft. Damals fanden wir das immer alle sehr lustig, heute ist mir klar was er damit sagen wollte…

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  2. Alex
    Alex says:

    Es gibt auch genügend junge dekorative Tiermedizinerinnen, die in den Vorlesungen Stricken gelernt haben und so einen Nebenjob glatt annehmen würden. 😉

    😀 Meine Chefin hat immer gebrüllt „MItdenken ist Miterleben!!“

    Antworten

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