Es wird Frühling und das ist eigentlich gut. Nur habe ich ein kleines Problem – sein Name ist Barney und ist vor ein paar Wochen bei uns eingezogen. Barney ist ein Borderline-Collie mit ein paar kleinen aber uncharmanten Macken.

So zeigt er die ausgezeichneten Eigenschaften dieser tollen britischen Koppelgebrauchshunde. Fixieren, in Deckung gehen und blitzschnell losstarten. Nur eben nicht in den schottischen Hihglands an einer 1000-köpfigen Schafherde, sondern bei Autos, Radfahrern, Spaziergängern, ICEs und Rollerbladern. Und – diese Erfahrung haben wir heute gemacht – bei startenden Rettungshubschraubern, aber denen begegnet man ja nicht allzu oft.

Wenn Barney nicht gerade todbringende Fahrzeuge zu hüten versucht, frisst er für sein Leben gern – blöderweise sich selber. Aber naja.

All das ist nicht neu und jeder Hundetrainer, der sich mal mit Border Collies beschäftigen durfte weiss, dass Genie und Wahnsinn bei solchen Spezialisten oft eng beieinander liegen.

Das kriegt man hin und mittlerweile läuft es auch schon besser … Aber:

Mein Problem ist eher anders gelagert. Denn Barney hat die Eigenheit, dass er jeden noch so geringen Hauch von – nennen wir es Einwirkung – mit einem lautstarken Jaulen und Schreien quittiert.

Und ich schreibe nicht über körperliche Einwirkung, nein, es reicht, wenn Barney sich selber im Weg steht. Ein Beispiel:

Neulich war ich mit Barney beim Tierarzt. Als wir ins Wartezimmer kamen, berührte Barney mit einem Hauch von Fell die Tür und jaulte so laut auf, dass die Tierärztin aus dem Behandlungszimmer gestürmt kam, weil sie glaubte, dass jemand mit einem Notfall reingestürmt gekommen wäre.

Glücklicherweise kannte sie sich aus und sagte beruhigt: „Achso, ein Border Collie.“

Es wäre nicht so, dass Barney ein besonders feingeistiger und sensibler Hund wäre. Nein, das ist Masche. Und ich könnte wetten, dass ich schonmal beobachtet habe, wie er mich heimlich ausgelacht hat, als ich mich mal wieder rechtfertigen durfte.

Sähe Barney aber zum Beispiel einen Tennisball hinter einer Rolle Natodraht, so bin ich mir sicher, dass es ihm die Stacheln scheißegal wären. Wenn er etwas will, dann wird er stumpf wie ein Klischee-Labbi und rumpelt alles um. Zum Beispiel wenn es um Hündinnen geht, die entweder gerade läufig sind, es mal waren oder irgendwann werden. Oder um Rüden. Gucken die ihn auch nur böse an, schreit er übrigens auch wie angestochen und ergreift die Flucht, präventiv quasi. Nur um dann grad nochmal angedödelt zu kommen.

Nun ist Barney nicht ohne Grund bei mir. Denn meine Idee war es, dass er meine Schafe hüten soll. Immerhin entstammt er einer Arbeitslinie und zeigt sich prinzipiell auch interessiert an den Schafen. Naja, eigentlich vielmehr an dem, was die so ausscheiden.

Trotzdem habe ich ihn mitgenommen zu Tom, der Border Collies ausbildet und mich mit den Worten begrüßte: „Ist das eine Hündin?“ Damit war er nicht der einzige. ALLE halten Barney für eine Hündin, als ich neulich einen unserer Welpen dabei hatte, wurde ich auch prompt gefragt, ob Barney die Mutter wäre.

Pff, ich stelle mir vor, wie die Welpen an die Milchleiste wollen und Barney schreiend wegrennt, weil die Nasen so kalt sind.

Vielleicht liegt diese Verwechslung darin begründet, dass Barney ein bisschen, nunja, tussimäßig rüberkommt. So überkreuzt er immer die Beine, sogar wenn er Schafe hütet und ins „Lie Down“ geht. Weniger diplomatische Geister finden bei Anblick von Barneys „Style“ minderheitendiskriminierende Redewendungen, aber die gebe ich hier nicht wieder.

Es ist allerdings faszinierend, wie sich solche Hunde wie Barney in kürzester Zeit ändern, wenn sie einmal gemerkt haben, wofür sie mal gezüchtet wurden. Arbeitet er an der Herde sind ihm vorbeirasende Autos herzlich egal, können ganze Armadas von Roller Bladern an ihm vorbeiziehen und ernten maximal ein „Pfft“ von ihm.

Sind keine Ziegenartigen in der Nähe sieht das Ganze etwas anders aus.

Heute mittag ging ich mit Barney in einer auf Grund des schönen Wetters stark frequentierten Grünanlage spazieren. Um uns herum all die schönen Dinge, die man als „auslösenden Reiz“ bezeichnet. All die Radfahrer, Jogger, Nordic Walker, der startende Rettungshubschrauber – kurz, eigentlich alles, was sich bewegt, mal bewegt hat oder unter Umständen bewegen könnte. Barney würde die Kontinentalspalte hüten, wenn man ihn ließe.

Und natürlich die üblichen Hundebesitzer.

Mit einem Hund wie Barney in einem solchen Umfeld unterwegs zu sein, ist eh schon die Pest am Bein anspruchsvoll, ein einziges Gezerre, Gehechel und Gefiepe, nur unterbrochen von fürchterlichen Gejaule, weil so ein verdammter Grashalm es gewagt hat, Barney am Bauch zu kitzeln oder er mal wieder planlos ins Ende der Leine gerannt ist.

Dieses wiederum wird mit den düsteren Blicken aller Anwesenden gestraft, ich bin mir sicher, dass sogar der Blinde auf der Parkbank seinen Blindenführhund angewiesen hat, mich böse anzugucken.

Reglementieren? Hier? Bin ich bekloppt?

Das schöne an der Sache ist allerdings, dass man mit Barney jede noch so positiv arbeitende TsD-Fundamentalistin als elende Tierquälerin dastehen lassen kann, weil der gute selbst auf den sanftesten Geschirrgriff mit qualvollen Sterben reagieren würde.

Und so dauerte es auch nicht lange, bis mich die erste junge Frau anfauchte: „Wie könn’se nur so brutal mit dem Hund umgehen?“

Ich überlegte kurz und antwortete: „Sie machen sich Sorgen um den Hund? Machen Sie sich lieber Sorgen um meine Frau!“ Das hatte gesessen. Ruhe im Karton, danke an Schäfer Franz für den Tipp.

Trotzdem wünsche ich mir, dass es noch mal richtig kalt wird, so Minus fünf Grad wären gut. Zum einen wären dann weniger Leute unterwegs, Vor allem aber könnte ich mit Kaputzenpulli, Schal und Sonnenbrille einigermaßen entspannt die Mittagspause geniessen.

13 Kommentare
  1. Mike
    Mike sagte:

    Jojo….wir sind böööse ;)
    War neulich in der Stadt unterwegs. Der Einfachheit den Maulkorb auf die böööse Mali Schnüss. Dann macht die sich nicht so dick wenn Omas Waldi Agro wird.
    Dafür dann böööse Blicke von wegen Maulkorb/Tierschutzrelevanz vom Publikum.
    Mein Vorteil: Ich bin breit gebaut und kann von Berufswegen böööse gucken.
    Also hab ich meine Ruhe. Leider auch bei potenziell sehr netten Singel Frauen…
    Also Bomberjacke an und Maulkorb drauf ;) Normen und Ruh ist…….oder hast du noch deine Rütters-Jacke ;)

    Antworten
    • Kiara
      Kiara sagte:

      Jaaaa mit Mali und Maulkorb in die Stadt zu gehen macht echt Laune.
      „Beisst der?“, „Nein, der hat den Mauli nur zur Deko an“. Keiner glaubt mir, dabei ist der Hund wirklich lieb. Aber die Blicke sind einfach herrlich!
      Böses, tätowiertes Mädchen mit bösem, bösem Malinois an der Leine… I Like!

      Was deinen Borderline Collie angeht Normen, so wünsch ich dir weiterhin viel Freude damit.

      Antworten
      • Mike
        Mike sagte:

        Genau! Lass uns einen „Bad-Malinois“ Club gründen! Und Normen darf unter unseren „Schutz“ seinen Barney öffentlich erziehen ;)

        Antworten
        • Kiara
          Kiara sagte:

          Da bin ich voll mit dabei :) Aber blos den Maulkorb drauf lassen, sonnst merken die anderen dass die eigentlich lieb sind, dann wär unsere Tarnung am A**** ;)

          Antworten
          • Mike
            Mike sagte:

            Joooo :) Normen du hast jetzt 2 böööse Tättowierte Bodyguards und 2 böööse Mali-Mädchen mit Maulkorb ;) zur Verfügung.
            Wann und wo möchtest du denn Barney dominieren äh trainieren :)
            Darfst dann natürlich auch deine Rütter-Jacke und Sonnenbrille tragen ;)
            Ich hab jetzt schon die Bilder im Kopf Kiara und lach mich scheckig. …

            PS: Meine Hündin halten vom Verhalten/Größe her alle für nen Rüden.
            Vielleicht kann sie deiner Barney-Tussi noch was Mänlichkeit abgeben ;)
            Oder wir treffen uns in Köln. Da fallen die Männlichen Tussis nicht so auf…

  2. Alexandra
    Alexandra sagte:

    Hach, Normen!

    Wie schön, dass du als Trainer auch so ein durchgeknalles „Hütitüti“ dein Eigen nennst, das geht runter wie Öl!

    Zitat „Reglementieren? Hier? Bin ich bekloppt?“ gefällt mir besonders, denn wenn mein Second-Hand-Rüpel wieder einmal knurrend und drohend in die Leine springt, wenn uns ein fremder Zweibeiner auch nur ansieht, denk´ ich mir das jedesmal. Mit Fackeln und Sensen würden die mich lynchen, würde ich dem Honk in aller Öffentlichkeit mal zeigen, was ich davon halte, ungeachtet der Tatsache, dass mein Berserker sie herzhaftest in das Knie tackern täte, würde, wollte, müsste etc. etc.. Geht halt leider auf Kosten der Erziehung und so wird er es demnach nie lassen können…………*seufz*

    Liebe Grüße aus Österreich

    Antworten
  3. Tanja M.
    Tanja M. sagte:

    „Das schöne an der Sache ist allerdings, dass man mit Barney jede noch so positiv arbeitende TsD-Fundamentalistin als elende Tierquälerin dastehen lassen kann, weil der gute selbst auf den sanftesten Geschirrgriff mit qualvollen Sterben reagieren würde“

    Wie kann das sein? Der Geschirgriff wird kleinschrittig in einer entspannten Umgebung geübt und dann langsam generalisiert.
    Wenn der Hund quietscht, war der Aufbau für den Anus.

    Sonst könnte man einen Hund mit rückgerichteter Aggresion dieses Werkzeug gar nicht auftainieren, denn dafür wurde es ursprünglich entwickelt.

    Antworten
    • normen
      normen sagte:

      Nur mal so als Verständnisfrage. Der Geschirrgriff wurde ursprünglich als Werkzeug bei umgelenkter Aggression entwickelt? Wie soll das denn bitte im echten Leben funktionieren? Man hofft, dass man den auslösenden Reiz schneller bemerkt als der Hund und wirkt dann beruhigend auf ihn ein? Und trainiert wird das ohne auslösenden Reiz?
      Wenn man den Hund im Angesicht des auslösenden Reizes in den Geschirrgriff nehmen kann, dann handelt es sich entweder nicht um umgelenkte Aggression oder der Reiz ist nicht der Auslöser. Das ist keine Lerntheorie, sondern einfache Physik. Abgesehen davon lernt der Hund nicht, dass er nicht umlenken soll, sondern wird lediglich am Reiz vorbeigetrickst. Das ist meiner Meinung nach ganz weit weg von der Lebensrealität, in der die Hundebesitzer leben.
      Davon abgesehen ist der Text sehr spitz formuliert und ich verrate Dir gerne ein Geheimnis: Barney jault garnicht, wenn er von einem Grashalm gerührt wird ;-)

      Antworten
  4. Mike
    Mike sagte:

    Jaja genau! Der generell rückwärts schreitente Agrresions an den Anus gerri chtete Geschirr-Griff…..verdammt ich komm schon wieder nicht mit!
    Ist aber auch ne Sache mit der Ironie. …..

    Antworten
  5. Alex
    Alex sagte:

    :D Ich lese ja immer, dass die Welt besser dran wäre mit einem Matriarchat. Aber wenn ich mitzähle, wie viele Frauen im Netz verbal/mental/usw entgleisen, dann mache ich mir echt Sorgen. :D

    Wir haben übrigens so eine Malli-Podenco-Madame, die laut losjault, wenn man sie dran hindert Nachbars Labrador zu Köderfleisch zu verarbeiten. Der Spruch von Schäfer Franz hat hier auch schon gut eingeschlagen. Jetzt grüßen wieder ein paar Nachbarn weniger, dafür wird nicht mehr viel kommentiert. :D Lieben Dank an den Schäfer!

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.