Der von mir hochgeschätzte Michael Frey Dodillet rief einst seine Leser via Internet dazu auf, ihm die absurdesten Ratschläge mitzuteilen, die ihnen jeweils ein „Krause“ (so heißen in seinen Büchern alle Sorten von Hundetrainern, Ratschlaggebern und Ahnunghaber) mit auf den Weg gegeben haben.

Eine Leserin berichtete daraufhin, dass ihr angeraten wurde, in der Dämmerung Mülltonnen zu umarmen, weil ihr Hund unsicher vor selbigen reagierte.

Die Anekdote sorgte natürlich für Lacher, da jede/r sofort das Bild von der Mülltonnenumarmenden Hundebesitzerin bei Dämmerung – und natürlich die Reaktionen der Passanten, die sie dabei beobachten – vor Augen hatte.

Doch so lustig das ist, der Ansatz als solcher ist gar nicht so falsch.

Vorausgesetzt nämlich, dass die Hundehalterin es tatsächlich schafft, dem Hund glaub- und ernsthaft zu versichern, dass Mülltonnen total nett sind, dann kann diese Vorgehensweise funktionieren und der Hund sich an die neuen merkwürdigen Freunde seiner Besitzerin gewöhnen.

Ich persönlich würde spätestens bei 30° und der ersten Biotonne aussteigen, aber das ist meine persönliche Meinung.

Eine Bekannte von mir hat in einer Hundeschule ihren Hund einschätzen lassen, weil sie wissen wollte, „wessen Geistes Kind“ er so sei. Der Versuchsaufbau zur Charakterisierung war sehr aufwändig, es gab Checklisten, Fragebögen und Ablaufpläne, machte also erst mal einen sehr seriösen und wissenschaftlichen Eindruck.

Das Ergebnis der Einschätzung sagte jedoch nicht besonders viel aus. Warum? Weil es keine definierten Sollwerte für Verhalten beim Hund gibt. Wenn in der Auswertung z.B. „verhält sich sehr explorativ“ steht, dann würde meine Gegenfrage „Im Vergleich zu was?“ lauten. Das er abhaut, wenn die Besitzerin die Leine abmacht, wusste sie auch schon vorher.

Das bedeutet, dass sich der Hund meiner Bekannten so lange „sehr explorativ“ verhält, bis ich auf eine Gruppe unerzogener Huskys treffe – die verhalten sich noch viel explorativer. Die mangelnde Datenbasis macht eine pauschale Einordnung sehr schwierig, in jedem Fall ist das Ergebnis nicht wissenschaftlich.

Alles nicht so einfach.

Vor kurzem war ich in ein paar Hundeschulen und Hundesportvereinen und bekam eine Menge Ratschläge mit auf den Weg, auf die ich so nicht käme und die mal sehr merkwürdig mal logisch und fundiert klangen.

Einen Teil davon habe ich einfach mal mit meinen Hunden ausprobiert, Mülltonnen umarmen war jedoch mangels sich vor solchen fürchtenden Hund nicht dabei.

Teil 1: Ein Calming-Cap für die Schäfertrulla?

Ein Calming-Cap ist grob zusammengefasst so eine Art Verschleierung, wobei dem Hund durch den Stoff tatsächlich die Sicht genommen werden soll.

Hunde, die zum Beispiel auf fahrende Autos sehr aufgeregt reagieren, sollen dadurch – wie der Name „Calming“ schon sagt – beruhigt werden, in dem die Wahrnehmung eingeschränkt wird.

Der einzige etwas nervösere Hund, den ich habe ist die Schäfertrulla. Zu Beginn einer jeden Aktivität neigt sie dazu hochzudrehen, wenn ich vorher keine Ansage mache.

Wenn mir ein Calming-Cap das Einnorden erspart, weil sie dadurch ruhiger wird – warum nicht?

Also habe ich mich beraten lassen und die Schäfertrulla verschleiert.

Beim ersten Versuch verhielt Madame sich tatsächlich zumindest anders als sonst. Die verminderte Sicht sorgte erstmal für Verwirrung. Außerdem sicherlich der fehlende Hinweis, dass wir nicht wie Boden-Boden-Raketen aus dem Auto schießen.

Da sich mein „Problem“ auf die ersten Meter eines Spaziergangs beschränken, habe ich die Hündin wie angeraten nach einiger Zeit vom Cap befreit. Das wiederum nutzte die Trulla, um nachzuholen, was sie am Auto noch versäumt hatte.

Na toll.

Aber ich bin ja tapfer und so wiederholte ich das Ganze nochmal, diesmal „durfte“ sie das Cap den ganzen Spaziergang tragen. Tatsächlich fiel der Raketenstart aus. Die Nervosität jedoch blieb mir persönlich zu hoch.

Daher finde ich es für uns passender, der Schäfertrulla vorm Aussteigen klarzumachen, dass wir bitte gesittet durch die Gegend laufen. Das geht in der Folge wesentlich entspannter ab und ist auch besser für unser aller Herzkreislauf.

Dennoch kann ein Calming-Cap in bestimmten Situationen durchaus sinnvoll sein. Zum Beispiel, wenn ein Hund selbst bei geringen Reizlagen dermaßen überreagiert, dass der Hund nicht mehr ansprechbar und eine Anpassung der Rahmenbedingungen nach unten nicht möglich ist.

Vor Jahren habe ich auf einem Workshop mal eine Malinoishündin erlebt, für die die ganz normale Umgebung eine totale Überforderung dargestellt hat. Für sie wäre es zumindest überlegenswert gewesen, zum Claming-Cap zu greifen.

Wie bei allem im Leben kommt es nur auf die Gelegenheit an.

 

Jensens Wohnung befand sich im Souterrain eines Wohnklos von Neumünster. Die meisten Mieter waren wohl das, was man „Prekariat“ nennen würde.

Der Briefkasten verriet, dass er seit mindestens 14 Tagen nicht geleert worden war, ein Blick in die Wohnung des Opfers machte jedoch klar, dass dies nichts bedeuten musste.

Die zwei Räume waren mit Möbeln im Stile des Gelsenkirchener Barocks eingerichtet, das Zentrum im Wohnzimmer bildete eine beigefarbene Wohnlandschaft aus Cord, die in den 1970er Jahren in Mode gewesen sein musste.

Dazu ein gefliester Couchtisch, der unter stapelweise Zeitungen, einem Stopfgerät für Zigaretten und jeder Menge unsortierter Unterlagen um Erlösung ächzte.

Auf den dunklen Sperrholzmöbeln staubten jede Menge Pokale vor sich hin, an den Wänden hingen Bilder, die das scheussliche Muster der Tapeten zu verdecken versuchten. Jensen mit seiner verstorbenen Frau. Jensen mit seiner Tochter und seiner verstorbenen Frau.

Das Gros des Wandschmucks machten jedoch Fotos, jedes einzelne fein säuberlich eingerahmt, von Jensen und seinem Hund aus. Oder von Jensens Hund ohne Jensen. Im Porträt, im Ganzen, in der Bewegung und vor allen stehend vor allen möglichen Hintergründen. Eifel, Sauerland, Harz, Schwarzwald, Alpen.

Jensen musste ein ereignisreiches Leben gehabt haben, zumindest war sein Hund weit rumgekommen.

In der Küche stapelte sich das dreckige Geschirr, in der Ecke die leeren Flaschen. Im Kühlschrank fanden sich zwei Flaschen Holsten, ansonsten irgendetwas, von dem man nicht mehr erkennen konnte, ob es in einem früheren Leben ein Stück Butter oder ein Stück Käse gewesen sein mag.

In der Luft lag ein Geruch, den Recks als ausserordentlich widerlich empfand, aber nicht identifizieren konnte, bis Kollege Heimschmitt von der Spurensicherung ihn blöd grinsend fragte, ob er in einen Regenschauer geraten sei, schliesslich rieche es hier nach nassem Hund.

Recks ignorierte den Spruch und durchstöberte die Unterlagen in dem kleinen Bücherregal.

Dabei fiel ihm ein Leitz-Ordner in die Hände, der im Gegensatz zum Rest der Wohnung penibel und akkurat sortiert war. Ganz oben eine Hülle mit einem kleinen blauen Büchlein darin, auf dem „Europäischer Impfausweis“ stand, gefolgt von jeder Menge Papieren.

Recks brauchte einen Moment, um zu verstehen, dass diese fein säuberlich nach Datum und Priorität geordneten Dokumente nicht Jensens, sondern die Jensens‘ Hundes waren. Lag aber eigentlich auf der Hand.

Verrückt, dachte er bei sich. Sein eigenes Leben schien Jensen völlig egal gewesen zu sein. Kontoauszüge, wichtige Unterlagen, alles lag irgendwo rum und war dem Verfall preisgegeben. Selbst der graue Führerschein im Portmonee des Opfers wurde nur noch mühsam durch etwas Klebeband zusammengehalten. Nur bei seinem Hund, da schien Jensen es ganz genau wissen zu wollen.

„Anka“ hiess der ganze Stolz des Getöteten, so stand es auf der Ahnentafel. Und auf dem Foto in dem blauen Büchlein erkannte Recks das Gesicht des Hundes, der ihn beinahe zu Tode erschreckt hatte.

„Recks, kommse mal“, unterbrach der Arsch, der gerade den „Nasser Hund“-Witz gemacht hatte den Kommissar in seinem Gedankengang.

Heimschmitt hielt triumphierend einen B6-Umschlag in die Höhe. Im Umschlag fanden sich mehrere Geldbündel, später sollte sich herausstellen, dass es alles in allem über 450.000 Euro in 500-Euro-Scheinen waren, die Jensen nicht besonders gut in seiner Wohnung versteckt hatte.

450.000 Euro. Das ist eine Menge Geld für einen toten Frührentner.

Hier geht es zu Teil 1.

„Jaja, sauwitzig, du Arschloch“, murmelte Jürgen Recks in seinen nicht vorhandenen Bart. Seit 12 Jahren lief diese dämliche Sendung schon nicht mehr im Fernsehen und trotzdem durfte er sich in schöner Regelmäßigkeit blöde Witze über seinen Namen anhören.

„Such, Recks, such!“ hatte einer seiner Kollegen, so ein junger Schnösel, ihm blöde grinsend zugerufen, weil er seinen Autoschlüssel nicht finden konnte. Schließlich fand er ihn in der Seitentasche seiner Jacke, so einem scheusslichen, neumodischen Multifunktionsteil, das ihm seine Frau gekauft hatte.

„Ich will doch nicht den Mount Everest besteigen“, hatte er noch protestiert, aber seine Frau bestand darauf, dieses Modell zu kaufen. Immerhin war die Jacke warm. Und rot. Knallrot, so dass er überall auf der Stelle auffiel, wenn er irgendwo erschien.

An diesem Tag war es grau und verregnet und der Heimweg raus aus Rendsburg in Richtung Neumünster zog sich wie Kaugummi. Recks war schlecht gelaunt und zog angestrengt an seiner Zigarette, als ihm schlagartig wieder einfiel, dass seine Frau ihm das Rauchen im Auto strikt verboten hatte.

Gerade als er das Fenster runterkurbeln wollte, klingelte sein Mobiltelefon. Auch so ein neumodisches Teil, dessen pure Existenz ihn schon maßlos überforderte.

Als er bei der Polizei anfing, das waren noch Zeiten. Keine Computer, keine Mobiltelefone. Das war noch echte Polizeiarbeit, wie er es nannte.

Mit einem leichten Seufzer ging er ans Telefon: „Recks hier.“

Am anderen Ende der Leitung war sein Vorgesetzter Wiegand. Auch so ein junger Schnösel, der bestimmt 20 Jahre jünger war als Recks, aber stets einen überheblichen Unterton mit seinen Mitarbeitern pflegte.

„Recks, fahren Sie nach Wasbek. Dort gab es einen Leichenfund.“

„Ok“, murmelte Recks und verabschiedete sich innerlich schon von seinem Abendessen.

„Die Kollegen sind schon vor Ort, aber ich möchte Sie dabei haben, ist immerhin ein Hundeplatz.“, kicherte Wiegand vor sich hin.

„Lustig, du Arschloch“, dachte Recks bei sich und legte auf.

Das Vereinshaus des Hundevereins in Wasbek liegt direkt an der B73 nahe der Autobahn. Als Recks mit seinem Wagen auf dem Parkplatz vorfuhr, hatten die Kollegen von der Streife dem entsprechend alle Hände voll zu tun, die Gaffer wegzuscheuchen, die einen Blick auf das Geschehen erhaschen wollten.

„Gut, dass Sie hier sind.“ Karin Herrscher hätte es beinahe geschafft, Recks wie einen normalen Menschen zu begrüßen. „Is‘ ja lustich, Kommissar Recks auf’m Hundeplatz“.

Schade.

Die Herrscher ist maximal 25 Jahre alt und macht hier einen auf witzig, die blöde Kuh. Und überhaupt, gab es nicht mal eine Mindestgröße für Frauen bei der Polizei? Vor lauter innerer Wut hätte Recks beinahe die Schilderung der Sachlage verpasst.

„Das Opfer heisst Manfred Jensen, 57 Jahre alt. Er war Witwer, hatte eine erwachsene Tochter, die Kollegen sind schon unterwegs. Er war hier der Platzwart. Die Todesursache war vermutlich eine gezielte Stichverletzung direkt in die Aorta, die ihn schließlich verbluten ließ. Sieht ziemlich professionell aus. Auf Grund der Spurenlage wurde er nicht hier getötet, sondern wurde hier abgelegt. Alles weitere wird die Obduktion zeigen, die Jungs von der Spurensicherung sind auch noch nicht durch“.

Wie geht das denn? Wie kommt denn eine Leiche mitten auf einem großen Platz direkt an der Bundesstraße? Spaziergänger hatten den riesengroßen, fetten Mann gefunden und die Polizei verständigt. Ob irgendwem in der Nachbarschaft was aufgefallen war? Ein verdächtiges Auto? Personen? Irgendwas? Natürlich nicht.

Erst jetzt fiel Recks auf, dass ihm Hintergrund ein Köter kläffte.

„Die vom Tierheim sind schon unterwegs“, versicherte Herrscher. „Vermutlich ist das Jensens Hund da im Vereinsheim“.

Recks ging auf das Gebäude zu, das vermutlich in den 1960er Jahren erbaut wurde. Die Fenster waren vergittert und an der etwas verrotteten Holztür, die in das Vereinsheim führte, hing ein Schild mit einer Schäferhund-Silhouette darauf und den Worten: Wir müssen draussen bleiben.

Gleich darunter eine handgeschriebene und laminierte Pappe, auf der „Markieren wird mit 5 Euro in die Jugendkasse geahndet“.

Recks schüttelte den Kopf. Abgesehen von den dummen Witzen hatte er mit Hunden nichts am Kopf. Als er seine Frau kennengelernt hatte, hatte sie eine Katze, die ihm gleich in der ersten Nacht auf seine beste Hose gepisst hatte.

Recks hielt von Haustieren nichts. Kosten nur Geld, machen Dreck, sind laut und rauben einem die Zeit. Genau wie Kinder. Von denen hielt Recks auch nichts.

Aus dem Innern des Vereinsheimes war immer noch lautes Kläffen zu vernehmen. Recks wagte einen Blick zwischen die Fenstergitter und erschreckte sich fast zu Tode, als der Hund mit aller Macht gegen die Scheibe sprang und ihn quasi anbrüllte.

„Ach du Scheiße“, entfuhr es ihm. Er brauchte einen kleinen Moment, um sich wieder zu fangen und bemerkte, dass die Herrscher, die ihn beobachtet hatte, sich vor Lachen fast nicht auf den Beinen halten konnte.

„Blöde Kuh“ murmelte Recks, zündete sich eine Zigarette an und ging zu seinem Auto.

Hier geht es weiter.

 

Hundeausstellungen sind ja nicht so meins.

Es ist ungefähr 10 Jahre her, dass ich zuletzt eine besucht und mir noch während meines Aufenthaltes geschworen habe, dass dies das letzte Mal sei.

Vor einigen Monaten jedoch wurde ich gefragt, ob ich vielleicht Interesse hätte, auf der diesjährigen „Hund & Pferd“ in Dortmund, einen Vortrag zu halten.

Der Gedanke, dass ausgerechnet ich auf einer der großen Ausstellungen des VDH meinen Senf zur Hundewelt geben dürfe, veranlasste mich dazu, „Jipp“ zu sagen und so ging es frohen Mutes nach Dortmund, um sich dem Hundewahnsinn mal so richtig hinzugeben.

Für diejenigen, die noch nie eine solche Veranstaltung besucht haben, gebe ich mal einen kleinen Überblick, was einen so erwartet.

Zunächst einmal gibt es die Bewertungsringe, in denen die verschiedenen Hunderassen begutachtet und die besten ihrer Zunft prämiert werden. Unter denen wiederum wird am Ende des Tages der Beste aus der jeweiligen FCI-Gruppe in verschiedenen Kategorien gekürt. Dazu kommen noch diverse „kynologische Prüfungen“.

In Dortmund wurden nicht nur Bundessieger, sondern auch Internationale Sieger prämiert, so dass zwei Ausstellungen parallel stattfanden. Teilweise etwas verwirrend, aber ich bin ja auch kein Profi in Sachen Ausstellung.

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Für die breite Masse der Besucher sind jedoch die zweihundertschlachmichtot Verkaufsstände wesentlich interessanter, die mit allerlei Messerabatten den willigen Konsumenten verleiten, sein Geld auszugeben.

Schnäppchen hin oder her, so richtig nachvollziehen kann ich nicht, dass Menschen freiwillig stundenlang ein XXL-Hundebett durch die Hallen schleifen, nur weil es ein paar Euro günstiger war als sonst.

Der Trend geht eindeutig hin zu Produkten, die bei Problemen helfen sollen, die man ohne andere Produkte gar nicht hätte:

  • Näpfe, die das Fressen interessanter machen sollen und veganes Hundefutter, welches den Fresseninteressantmachnapf erst notwendig macht
  • Ballkanonen, die den Hund irre machen und Entspannungshilfen, die ihn dann wieder ruhigstellen
  • LED-Gedönse, dessen Sinn sich mir nicht erschlossen hat (und damit meine ich keine Leuchthalsbänder)
  • Decken, Betten, Leinen, Kauartikel, Boxen, Spielzeug soweit das Auge reicht
  • sowie allerlei mehr oder weniger nützliches für Herrchen und Frauchen.
    (Auf meine Frage an den ADAC-Typen, was die eigentlich auf einer Hundemesse suchen in Anbetracht der Tatsache, dass es immer ein riesen Theater gibt, wenn man mal mit Hund eine Panne hat, konnte er mir keine Antwort geben).

Wie für eine Messe üblich, kostet ein Mineralwasser schmale Dreieurovierzig und ein knauseriger Fingerhut voll Kaffee Zweieurofünfzig. Aber hey, für die Gäste des VDH gibt es all das ja gratis.

Nicht ganz gratis. Vorher musste ich noch ein bisschen arbeiten.

Kurz vor Veranstaltungsbeginn hatte wohl auch der Verband für das Deutsche Hundewesen geahnt, wen genau er sich da auf die Bühne geholt hatte. Und so war ich wenig überrascht, dass ich gleich am Freitag morgen meinen Vortrag halten durfte.

Als ich eintraf, waren die Hallen noch sehr großzügig begehbar, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Auf der Bühne stand eine Dame, die zum Thema „Wie oft darf ich meinen Hund baden?“ in Anbetracht der Tatsache, dass sie „reinigungsaktive Waschlotionen“ verkauft, zu der total überraschenden Antwort kam, dass man seinen Hund sehr oft – und am besten mit ihrem Produkt – baden darf.

Verrückt.

Rassevorstellung Windhunde: "Wie der Name Wind im Windhund schon sagt, sind die schnell".

Rassevorstellung Windhunde: „Wie der Name Wind im Windhund schon sagt, sind die schnell“.

Da mein erster Vorschlag mit dem Thema „Warum Rassehundezucht unsere Hunde krank macht“ abgelehnt wurde, referierte ich über „Rassendisposition und Management“. Dafür hatte ich exakt 20 Minuten Zeit. Nach 19:30 Minuten war ich mit dem Vortrag durch, der vom Verlag gewünschte Hinweis auf mein Buch fiel genauso aus wie mein Hinweis, dass ich eventuelle Fragen gerne beantworte, weil exakt 30 Sekunden später das Mikrofon abgestellt wurde und eine Gruppe Eurasier-Besitzer auf die Bühne gescheucht wurden, um ihre Rasse vorzustellen. Was wohl Karl Werner dazu sagen würde?

Dennoch war ich positiv überrascht. Entgegen meiner Erwartung waren alle Stühle besetzt und selbst nachdem ich eine kleine undiplomatische Spitze in Richtung Linienzucht abgeschossen hatte, waren die meisten Zuhörer noch da.

Apropos positive Überraschung. Im Anschluss an mein Tagwerk holte ich mir erstmal einen Kaffee im Wert von 7 Euro im V.I.P.Bereich ab, um frisch gestärkt die Hallen zu erkunden, in denen die Sieger des Tages gekürt wurden.

In den knapp 10 Jahren, die ich eine solche Veranstaltung nicht mehr besucht habe, hat sich entweder tatsächlich etwas getan in Sachen Hundezucht oder die üblichen Verdächtigen sind mir nicht unter die Linse gelaufen.

An der Farbe der Blazer gut zu erkennen: Vorkshire Terrier

An der Farbe der Blazer gut zu erkennen: Yorkshire Terrier

Relativ viele (also, einige) der ausgestellten Hunde, die ich gesehen habe, sind längst nicht mehr so übertrieben gezüchtet, wie ich sie in Erinnerung hatte.

Im Laufe der beiden Tage, die ich vor Ort war, habe ich ein paar Bassets gesehen, die nicht mit dem Bauch auf dem Boden schleiften, ein paar Spaniels, deren Fell nicht selbiges tat und – die sind mir tatsächlich aufgefallen – gut proportionierte Bernhardiner, die nicht total überhangen waren und die Hallenböden in gefährliche Rutschpartien verwandelten.

Allerdings scheinen sich auch ein paar Trends abzuzeichnen, die mir so ganz und gar nicht gefallen. So werden die Schädel der Molosser immer breiter, ihre Nasen indes immer kürzer.

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Insbesondere die Cane Corsos (edit: die Rechtschreibkorrektur hat den Hund zwischenzeitlich in ein Stück Fleisch – „Carne“ verwandelt, Danke an Sandra für den Hinweis) können wir in ein paar Jahren zu den Kurznasen zählen, wenn sich die Zucht weiter in diese Richtung entwickelt.

Davon abgesehen könnte man sich – mit Blick auf die Gesundheit der ausgestellten Hunde – mal Gedanken darüber machen, welchen Sinn es hat, dass die Tiere von Jahr zu Jahr fetter werden.

Und damit meine ich nicht „ein bisschen mopsig“, im Ring waren jede Menge Hunde im wahrsten Sinne des Wortes zu bestaunen, die – auch mit fünf Kilo weniger – noch zu dick gewesen wären.

Staunen auch deshalb, weil ich bei einigen Kandidaten nicht erwartet hätte, dass die überhaupt schneller als Schritt gehen können.

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Für mich als Hütitütifreund war natürlich die Gruppe 1 – Hüte- und Treibhunde – besonders interessant, allerdings habe ich die meisten Wettbewerbe verpasst, weil ich entweder zu früh oder zu spät am Ring stand.

Bei den Border Collies und insbesondere den Australian Shepherds werden die Schädel immer breiter und das Fell immer mehr und das Gebäude immer voluminöser.

Lustigerweise war eines der Highlights der Messe eine Vorführung von Anne Krüger mit Pferd, Ziege, britischem Geländewagen und schließlich ihren Arbeitslinien-Border Collies, die am Bewertungsring mangels Fell, Nase und Masse samt und sonders durchgefallen wären, auf der Bühne (gleichzeitig Show-Ring)  jedoch für Beifallsstürme gesorgt haben.

Fast interessanter als die Hunde sind bei einer solchen Ausstellung naturgemäß die Menschen.

Kollege Norbert, den ich zufälligerweise traf und der einen Borsoi ausstellte, erklärte mir, dass es das „Gesamtpaket“ ist, welches zu einer guten oder eben schlechten Bewertung führt.

Sprich, so schön wie der Hund muss auch sein Mensch sein. Und wenn schon nicht schön, dann wenigstens originell.

Dass der Züchter eines BGS seinen Hund stilecht in bayerischer Trachtenkleidung präsentiert, konnte ich derweil gut nachvollziehen.

Etwas schwieriger scheint die Auswahl des passenden Outfits zu sein, wenn man eine Rasse präsentiert, bei der die Assoziation nicht ganz so deutlich auf der Hand liegt.

Impressionen

Impressionen

Immer, wenn ich in einem chinesischen Restaurant bin, stelle ich mir die Frage, wo man wohl die Einrichtung kaufen kann. Schließlich sehen die meisten dieser Restaurants ziemlich ähnlich aus.

Asiatische Lampe hier, ein Drache da. Dazu ein paar chinesisch anmutende Kerzenständer, so eine Art Tempelambiente in Dunkelrot und fertig ist das Restaurant.

Beim Anblick der Outfits einer Aussteller/innen überkam mich die selbe Frage.

Irgendwo muss es einen Onlineshop für gold- oder rotfunkelnde Blazer und Anzüge mit Pailleten geben, der neben alternden Schlagerstars auch Hundezüchter ausstattet.

Außerdem im Sortiment: Schuhe in den Farben Neonorange, Gold, Silber und natürlich Feuerwehrrot. Dazu Blusen und Hemden mit kunstvoller Verzierung.

Es muss eine wahnsinnig bunte Welt sein! Eine schöne Welt, in der – ähnlich wie in Disney-Filmen – ohne nachvollziehbaren Anlass gesungen wird.

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Noch interessanter als die Hunde und die Menschen ist es auf einer solchen Messe den Gesprächen zu lauschen.

Da ich auf Grund von Terminkuddelmuddel (und aus „Gründen“) leider nicht dazu gekommen war, selber einen Hund auszustellen, hatte ich zugesagt, das Tierchen wenigstens zeitweise zu sitten und heile nach Hause zu bringen.

Da ich so eine Messe nicht nur für mich, sondern auch für den Hund viel zu anstrengend finde, begab ich mich nach draussen in Richtung „Löseplatz“, eine etwa 100 Quadratmeter große Fläche, die nach zwei Tagen dermaßen widerlich ist, dass einen nichts mehr erschüttern kann, wenn man diese ohne Herpesanfall übersteht.

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Da stand ich also rauchenderweise am Löseplatz und hörte – halb freiwillig, halb unfreiwillig – zwei Damen zu. Beide augenscheinlich Züchterinnen aus dem Ruhrgebiet und beide nicht unbedingt zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Bewertung.

„Isch hab kein‘ Bock mehr auf die Scheisse“ sagte die eine. Die andere erwiderte „So’n Kokolores“. Darauf die andere „Watt glaubt der, wer der iss? Ich mach datt nichmehr mit.“ Antwort: „So watt aber auch“.

Dann die überraschende Verabschiedung: „Wir sehen uns dann ja in Leipzich nächstet Jahr“.

Hinter mir berieten sich zwei andere Damen darüber, wie alt wohl der Hund – ein Cattle Dog – sei, den ich an der Leine hatte.

Mindestens fünfzehn sei der, achwas: bestimmt schon siebzehn. Wie man dem armen Tier so etwas antun könne. In dem Alter, und dann auf so eine Veranstaltung.

In nur drei Minuten um 15 Jahre gealtert

Gerade als ich die beiden Expertinnen aufklären wollte, wechselten sie das Thema.

Grund dafür war ein Hund, der unseren Weg wieeinirreranderleinezerrend kreuzte. Das muss nämlich so sein, klärte die Dame, die den Cattle auf 15 Jahre getippt hatte, die Dame, die den Cattle Dog auf 17 Jahre getippt hatte, auf.

„Die brauchen nämlich ganz viel Platz!“

 

 

 

Frau B. ist einigermaßen empört. Und um das kundzutun, verwendet sie überproportional viele Satzzeichen in ihrer E-Mail, die sie voller Wut und Abscheu verfasst hat.

Und das kam so.

Vor ungefähr eineinhalb Jahren hegte Frau B. den innigen Wunsch, einen Hund haben zu wollen. Aber bitte nicht irgendso ein langweiliges Vieh, sondern bitte ein besonders exotisches und edles Exemplar.

Und so entschied sie sich für einen Autralian Cattle Dog.
(Das ist in dem Zusammenhang wichtig, um zu verstehen, warum ich mich überhaupt darauf eingelassen habe.)

Da „das ja eh alles Geldmacherei sei“ kam der edle „Sidney“ (sic!) nicht aus irgendeinem Zwinger, sondern war „ein echtes Kind der Liebe“ aus einer nicht minder liebevollen Hobbyzucht, wie mir Frau B. versicherte.

Nun finde ich diese Hunde perse erstmal recht interessant und habe nicht sofort wieder aufgelegt, als ich die Noch-Hundehalterin das erste von gefühlt hundert Mal am Telefon hatte.

Auch wenn ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann, warum man ausgerechnet bei der Anschaffung eines Hundes sparen muss und ihn dann ausgerechnet „Sidney“ und nicht „Sydney“ nennt.

Mit Sidney jedenfalls lief es wohl eher so semitoll, der edle Rüde würde ziemlich an der Leine ziehen und auch ansonsten eher schlecht als recht hören.

Auf meine Frage, ob Frau B. es denn schonmal mit Erziehung probiert hätte und vielleicht mal einen Hundetrainer zu Rate gezogen habe, erwiderte sie, dass sie sich mit Hunden auskenne und dem entsprechend niemanden dafür bezahlen müsse, dass der- oder diejenige ihr erzählt, was sie nämlich eh schon weiss.

Was genau das sein sollte, konnte mir die energische Dame allerdings nicht verraten und nachdem sich in mir das Gefühl breit gemacht hatte, dass wir beide nicht zusammenkommen, beendete ich das Telefonat. Vorerst.

Denn am nächsten Tag klingelte erneut das Telefon.

Für Menschen, die mich am Telefon nerven, habe ich einen einfachen Trick. Ihre Nummer speichere ich unter „Nicht drangehen“ ab und kann so spontan entscheiden, ob ich mit ihnen reden möchte oder – wie in dem Fall – lieber nicht.

Blöderweise hatte ich das Abspeichern im Falle von Frau B. vergessen und so ging es in die zweite Runde:

Heute wäre etwas schlimmes passiert. Der Sidney hätte sich an der Leine aufgeführt wie ein Derwisch und nun, so versicherte mir Frau B., hätte sie keine Kraft mehr. Sidney müsse weg.

Keine Anhnung, was mich in dem Moment geritten hatte.

Vielleicht die Tatsache, dass der Hund mit seinen 18 Monaten nicht so schlimm sein könne, vielleicht wollte ich ihn auch retten – in erster Linie vor seiner anstrengenden Besitzerin, die am Telefon darauf bestand Sidneys „Besi“ zu sein.

Jedenfalls sagte ich zu, ihn zu übernehmen.

Frau B. war selig und würde sich dann melden, wann sie ihn bringt.

Nächste Runde: Frau B. rief zum dritten Mal an und erklärte mir, dass sie es nicht über das Herz bringen würde, den armen Hund in fremde Hände abzugeben.

++++ Live-Ticker +++++

Donnerstag, 9:45 Uhr: Sidney hat nach jemanden geschnappt, er muss auf der Stelle weg. Und auf der Stelle heisst sofort! Eine Bekannte würde Frau B. und das Untier fahren und sie würde ihn gegen Mittag bringen.

Donnerstag, gegen Mittag: Von Frau B. keine Spur.

Donnerstag, 17:30 Uhr: Frau B. hat mir eine Whatsapp geschickt, dass sie sich nun doch eine Hundetrainerin suchen wolle.

Donnerstag, 20:45 Uhr: Das alles tut Frau B. fürchterlich leid, aber nun wird alles gut.

Freitag, 11:00 Uhr: Keine Ahnung, was Sidney nun wieder angestellt hat, jedenfalls geht das so nicht weiter. Und die Hundetrainerin hat sich auch nicht gemeldet. So eine Frechheit, hatte sie doch fast 12 Stunden Zeit dafür.

Freitag, 13:00 Uhr: Frau B. hat kein Auto, ob ich Sidney abholen könnte. Öhm, nö. Ich muss arbeiten.

Samstag, 7:15 Uhr (Sag mal, Spinnt die?): Frau B. organisiert jetzt eine Fahrkette.

Samstag, 15:00 Uhr: Frau B. hat jemanden gefunden, der Sidney ein dauerhaftes Zuhause geben möchte.

Samstag, 17:15 Uhr: Doch nicht.

Samstag, 20:30 Uhr: Doch.

Sonntag, 10:00 Uhr: Der Akku von meinem Telefon war zwischenzeitlich leer, in der Zeit gab es noch ein „Doch nicht“  und dann wieder ein „Doch“.

Sonntag, 15:00 Uhr: Frau B. hat wenig Verständnis dafür, dass ich gerade mit meiner Freundin beim Kaffee sitze. Trotzdem fasst sie sich kurz (ca. 30 Minuten). Mit dem Sidney und den Interessenten, das wird nichts. Er macht nämlich einen total unglücklichen Eindruck auf sie.

Ich biete ihr ein letztes Mal an, den Hund zu übernehmen. Sie willigt ein. Ihre Bekannte würde Sidney bringen.

Sonntag, 17:00 Uhr: Whatsapp von Frau B.: Sidney würde dann morgen gebracht werden, sie hätte sich 600 Euro „Schutzgebühr“ vorgestellt, die ich dann bitte in bar mitbringen soll.

Sonntag, 17:15 Uhr: Ich starre immer noch ungläubig auf mein Telefon.

Sonntag, 17:30 Uhr: Ich erkläre Frau B., dass ich grundsätzlich nichts für Hunde bezahle, die ich bei mir aufnehme.

Sonntag, gegen 20 Uhr, Frau B. per E-Mail:

Eine „Unverschämtheit“ sei mein Verhalten ihr gegenüber und „Menschen wie Sie“ (damit meint sie mich) seien Schuld daran, dass unschuldige Hunde eingeschläfert würden. Des Weiteren könne sie sich sehr gut vorstellen, wie ich „in Saus und Braus“ lebe, weil ich doch „mit dem Weiterverkauf der Hunde“ bestimmt ein „riesiges Vermögen“ machen würde.

An dieser Stelle muss ich anmerken, dass die folgenden Zeilen kein Scherz sind:

Jedenfalls würde sie mich „nicht weiterempfehlen!!!“ und überhaupt, eine Tierkommunikatorin hat in der Zwischenzeit mit Sidney gesprochen und der einzige Grund, warum er sich so aufgeführt hat, war der, dass er auf keinen Fall mir überlassen werden wollte.

Na, da habe ich ja noch mal Glück gehabt.

Immer, wenn ich mal ein Buch schreibe, überkommt mich quasi alle 5 Zeilen der selbe Gedanke: „Das kannst du so nicht schreiben“.

Schreibe ich zum Beispiel, dass ein Border Collie meiner Meinung nach in der Familie nichts verloren hat, dann kann ich sicher sein, dass dieser Absatz wieder gestrichen wird.

Denn das Ziel einer Rassemonografie, wie solche Hundebücher genannt werden, ist es, die geneigten Leser von den Hunden zu begeistern und nicht, sie abzuschrecken.

Also besteht die Kunst darin, die Aussage so zu verklausieren, dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt und trotzdem ein Hauch von Kritik rauszulesen ist.

Menschen, die sich einen Border Collie zulegen, sollten also darauf achten, sich eher ein Exemplar mit ruhigem Wesen anzuschaffen. Aha.

Read between the Lines

Aber nicht nur die vermeintliche Eignung eines Hundes als lustiger Familienkumpel will wohlwollend wie ein Arbeitszeugnis für einen unmotivierten Praktikanten beschrieben sein. Auch die typischen kleinen Eigenheiten verschiedener Hundetypen liest man eher zwischen den Zeilen heraus.

So wird aus dem zum Wildern neigenden Jagdhund ein „liebenswerter Charakterkopf, immer auf der Suche nach Abenteuern“ und aus dem enervierenden Kläffer ein „wachsamer Hund“. Der besonders treue Gefährte entpuppt sich bei näheren Hinsehen als sozialmotivierter Stalker, der keinerlei Verständnis für Sozialkontakte seiner Besitzer hat und aus dem „actionliebenden, sportlichen Hund“ ein zur Hypervigilanz neigendes Wrack.

Rassetypische Krankheiten werden zwar erwähnt, jedoch wird gerne verschwiegen, dass sie bei manchen Hunden eher die Regel als die Ausnahme sind.

Über Erziehung will ich gar nicht erst anfangen. Würde man in ein Buch schreiben, dass ein „harter Hund“ ein ernsthaftes Gegenüber braucht und die allermeisten Tierfreunde mit ihm überfordert wären, kann der Verlag sich über böse Post nicht mehr beklagen.

Als es darum ging, etwas darüber zu schreiben, wie man unerwünschtes Gekläffe in den Griff bekommt, habe ich mir fast einen Arm ausgekugelt, um nicht einfach „Kannste vergessen“ in die Tastatur zu brechen.

Und so verbringe ich die meiste Zeit damit, die Aussagen, die mir wichtig sind so zu verpacken, dass keiner merkt, was ich eigentlich sagen will. Eine sehr mühsame Angelegenheit, die außerdem wenig Spass macht.

Bücher schreiben geht bei mir in etwa so:

Als erstes mache ich mir Gedanken, was ich eigentlich schreiben möchte und packe das Ganze dann in Konzept, das in etwa so aufgebaut ist, wie das spätere Inhaltsverzeichnis und einige Unterpunkte beinhaltet, die später als Zwischenüberschriften dienen.

Dann schreibe ich ein bis zwei Seiten Vorwort, die ich dann zusammen mit dem Konzept beim Verlag einreiche.

Irgendwann bekomme ich dann eine Antwort von der verantwortlichen Redakteurin, ob das Buch erscheinen wird oder nicht.

Manchmal kann ich mir den ganzen Schmonz aber auch einfach sparen.

Als ich zum Beispiel auf die Idee gekommen bin, ein Buch über Australian Cattle Dogs zu schreiben, habe ich mir bei jedem einzelnen Wort gedacht: Das kannst Du so nicht schreiben. Hab ich aber trotzdem und schließlich festgestellt:

Das Porto kann ich mir sparen. Dieses Werk wird kein Verlag dieser Erde veröffentlichen.

Und so kam es, dass ich vor einiger Zeit mit einer Kollegin telefonierte. Sie arbeitet ihres Zeichens gerade an ihrem ersten populärwissenschaftlichen Werk und verbringt erstmals in ihrem Leben Zeit damit, Hundebücher zu lesen, um eine Idee davon zu bekommen, was da so drin steht.

Kurz, ihr Urteil als Wissenschaftlerin, die sie studierterweise ist, fällt verheerend aus und sie fragte ob der vielen falschen Angaben in dem ihr vorliegenden Buch, ob es in den Verlagen eigentlich jemanden gibt, der die Inhalte noch mal auf Richtigkeit überprüft.

Jein, lautete meine Antwort.

In den Verträgen steht schwarz auf weiss, dass die Autoren selber dafür verantwortlich sind, dass die Inhalte wissenschaftlicher Überprüfung standhalten. Und als ich über Hütehunde geschrieben habe, wollte ich Werbung für einen Kollegen machen und schrieb prompt den Namen falsch. Mit der Folge, dass es dieser Fehler bis ins Buch schaffte.

Mit einem anderen Kollegen, den ich sehr schätze, tausche ich mich gerne über Hunderassen und unseren Eindruck über ihre Entwicklung aus.

Wir sind uns einig, dass es noch keiner Rasse mit Blick auf Wesen und Gesundheit gut getan hat, von der FCI anerkannt zu werden. Katastrophaler entwickeln sich Hunderassen nur, wenn die Tiere in Mode kommen und die Nachfrage dafür sorgt, dass alles verpaart wird, was nicht bei drei auf dem Baum ist.

Ein schon älteres Beispiel liefert der Australian Shepherd. Während diese Hunde vor 15-20 Jahren noch meist schlanke, hochbeinige und außerordentlich pfiffige Typen waren, trifft man heute immer mehr mächtige, großrahmige und äusserst übellaunige Fellbomben an.

Ein aktuelles Beispiel ist der Cattle Dog, der so beliebt ist, dass man ihn mittlerweile auch bei Welpenhändlern im Internet bestellen kann.

Die Hunde werden von der Gesundheit her immer kranker und vom Verhalten her immer aggressiver.

Die paar seriösen Züchter, die Wert darauf legen, gute Hunde mit guten Eigenschaften zu züchten, haben immer größere Schwierigkeiten, geeignete Deckrüden und Zuchthündinnen zu finden, während eine ganze Schar von Ahnungslosen Hunde miteinander verpaart, die besser in der Regentonne als auf der Ausstellung gelandet wären.

Eine Arbeitsprüfung ist nicht vorgesehen, so dass sich viele dieser Hunde am Vieh – das war ja mal der Zweck der Hunde – verhalten wie eine Horde Kneipenschläger, nachdem der HSV mal wieder verloren hat.

Während andere Hüte- und Treibhunde Showlinien hervorgebracht haben, gibt es beim Australian Cattle Dog weder in Europa noch in Übersee eine nennenswerte Zahl von Landwirten, die erfolgreich Arbeitslinienzucht betreiben.

Dabei finde ich diese Hunde ausserordentlich witzig.

Man muss halt ihren Humor haben. Cattles spielen halt so, wie sich andere Hunde prügeln.

Wie kleine Kevins neigen sie dazu exakt das zu tun, was man ihnen gerade verbieten möchte und auch ansonsten kann man mit ihnen Pferde stehlen. Beziehungsweise sich beim Pferdebesitzer entschuldigen, weil der Cattle die Idee einfach selber in die Tat umgesetzt hat.

Sie sind nicht besonders leichtführig, beherbergen eine ganzen Debattierklub in einem einzelnen Hundegehirn, aber wenn man sie hinbekommt, hat man einen robusten und kernigen Begleiter, mit dem man die Alpen besteigen oder sie kaputt machen kann.

Aber wer will schon so ein Hundebuch veröffentlichen.

Wenn sich kein Verlag findet, der das Manuskript druckt, dann mache ich es halt selber.

Dachte ich mir und machte mich an die Arbeit.

Dank der modernen Technik ist es heute relativ einfach und bezahlbar, einen Verlag zu gründen.

Eine ISBN-Nummer ist recht günstig zu kaufen, die Titelschutzanzeige ist schon etwas teurer. Deshalb habe ich gleich mal mehrere schützen lassen, denn es gibt Mengenrabatt.

Dann ein paar Freunde angerufen und um Hilfe gebeten und siehe da: Sieht gut aus.

Während die meisten Verleger früher an den hohen Produktionskosten für Bücher gescheitert sind, gibt es heute die Möglichkeit auch kleine Auflagen „on demand“, also auf Bestellung drucken zu lassen.

Die Möglichkeiten des Internets ermöglichen neue Vertriebswege, so dass man nicht mehr gezwungen ist, Bücher zum Verstauben in der Bahnhofsbuchhandlung zu produzieren.

Und während die Digitaldruckmaschinen vor wenigen Jahren auf dem Niveau einer Farbkopie vor sich hin dümpelten, ist heute kaum ein Qualitätsunterschied zum „richtigen“ Buchdruck zu erkennen.

Und schließlich, Dank der Tatsache, dass ich den Job in einem früheren Leben mal gelernt habe, kann ich vieles selber machen bzw. kenne Leute, die das können.

Finger weg!

Die Idee, ein kritisches und unzensiertes Hundebuch zu veröffentlichen, hat sich Dank Facebook und Co. natürlich recht schnell rumgesprochen und teils lustige Reaktionen hervorgerufen.

Einige fanden die Idee sehr gut, andere sehen das Ganze eher skeptisch. Allerdings nicht auf Grund dessen, dass der Gedanke per se schlecht wäre.

So bekam ich von einem lieben Kollegen den dringenden Hinweis, über welche Rassen besser nichts veröffentlicht wird, was dem allgemeinen Konsens widerspricht.

Wüste Beschimpfungen bis hin zu Drohungen waren die Folge, als eine gemeinsame Bekannte sich mal etwas kritisch über die allgemeine Gesundheit einer allseits beliebten Hunderasse geäußert hatte.

Is ja’n Ding, dachte ich mir, und antwortete:

Bringen wir erstmal die Cattle-Leute gegen uns auf, dann schauen wir mal weiter.

Hier geht es übrigens zu den Büchern.

 

 

In einem früheren Leben muss ich mal ein widerlicher Despot gewesen sein. Vermutlich habe ich ein kleines Land und meine Untertanen unterjocht, so wie man es heute nur noch bei prominenten Ziegenliebhabern vermutet.

Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum ich einen Hund wie Tacker habe, er muss so etwas wie eine verdiente Strafe für längst vergangene Grausamkeiten meinerseits sein.

Nichts desto trotz dachte ich mir vor einigen Monaten, dass die drei mir verbliebenen Hunde doch ein bisschen wenig wären. Und so reifte in mir der Gedanke, mir wieder einen vierten Hund anzuschaffen.

Diesmal hatte ich ganz klare Vorstellungen davon, wie der Neue sein soll: Nett, verträglich, unkompliziert – und vor allem kein Hütehund!

Und so kam es, dass ich eines Tages auf „Bosse“ stieß, der zurück ins Tierheim gekommen war, weil er wohl mit dem Kleinkind der Familie nicht klar kam.

Super, dachte ich mir. Mit Kleinkindern komme ich auch nicht klar, also gehste mal eine Runde mit ihm laufen und guckst, wie er mit dem Rest der Bande klarkommt.

Auf dem ersten Blick stellte sich Bosse als außerordentlich sympathisch dar. Gut, er war in etwa so leinenführig wie ein Ochse, den man vor den Karren gespannt hatte, aber dafür war er wirklich sehr nett im Umgang mit meinen Hunden und abgesehen davon: Ein Husky-Mix, der an der Leine zieht, so eine Überraschung.

Nett mit Hunden stellte sich dann folgendermaßen dar:

Bosse trifft auf Tacker, gegenseitige Ano-Genitalkontrolle, man ergibt sich in wildes Rennspiel. Soweit alles im grünen Bereich und genau das, was ich gesucht hatte. Nämlich ein Hund, der nicht auf die Idee käme, sein Gegenüber zu hüten.

Nach ungefähr zwei Minuten kam Bosse dann auf die Idee, dass man dem einkopfkleineren Hütitüti mal zeigen könnte, wie so ein Husky-Teil imponieren kann.

Keine besonders gute Idee, und in diesem Moment hätte ich stutzig werden müssen.

Bosse versucht also ein „T“ zu buchstabieren, legt den Kopf auf das Tackerchen – und findet sich ungefähr zwei Sekunden später in Rückenlage im Dreck wieder.

Naja, so sind sie halt, denke ich mir, während Bosse etwas verwirrt dreinschaut und sich schließlich übergeben muss.

Seitdem habe ich wieder vier Hunde, die ich mein Eigen nenne.

Toll.

Bosse ist tatsächlich weitestgehend das, was ich gesucht habe.

Sehr gut verträglich mit allen Hunden und sehr nett zu Menschen, die größer als ein Meter sind – nur mit der Unkompliziertheit, das hatte ich mir etwas anders vorgestellt.

Denn, besonders kompliziert darf es für meinen neuen Hund wirklich nicht werden. Kurz: Wäre Bosse ein Mensch, dann wäre er ein Kevin.

Bosse ist der einzige Hund, den ich jemals kennengelernt habe, der zweimal hintereinander den selben Weidezaun markiert, der sich jedes Mal aufs Neue wundert, dass er nach ein paar Metern in der Ostsee nicht mehr stehen kann und der auch nach nunmehr sechs Monaten ratlos auf der falschen Seite der Tür steht, die ich jeden Morgen öffne.

Kurz gesagt, Bosse ist nicht besonders klug.

Oder anders gesagt: Bosse ist jetzt nicht dumm, er hat nur Pech beim denken …

Dafür ist er außerordentlich hübsch. Als die Schönheit verteilt wurde, hat Bosse zweimal aufgezeigt. Als dann die Intelligenz dran kam, war Bosse vermutlich schon damit beschäftigt, sein Spiegelbild anzukläffen.

Über solche Dinge wie Erziehung brauche ich mir bei Bosse keine Gedanken zu machen. Jeder Kognitionsforscher würde seinen Job aufgeben, wenn er nur mit Hunden wie meinem Husky-Mix konfrontiert wäre.

Also sehe ich zu, dass ich immer eine Handvoll Leckerchen dabei habe, dann klappt das mit Bosse und mir ganz gut. Wenn ich ihn rufe, kommt er hochmotiviert in meine Richtung gelaufen, allerdings sollte keine zweite Person dabei sein, weil ihn das überfordert. Auch kann es passieren, dass er freudestrahlend an mir vorbeirennt, um dann – als wenn ihm etwas eingefallen wäre – scharf zu bremsen, um schließlich bei mir zu landen.

Bosse kann Sitz und Platz – und beides sogar auf Distanz. Die sollte allerdings nicht zu groß sein, den im Normalfall muss ich ihn dort abholen.

Der Husky in ihm macht Bosse zu einem ambitionierten, aber vom Pech verfolgten Jäger. Als er mal einem Kaninchen hinterhergerannt ist, traf er zielstrebig den einzigen Baum im Weg. Ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen, dass er deswegen noch lange keine Erkenntnis bezüglich Kaninchen oder gar Bäume hätte.

Auch wenn Bosse nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, mit seinem Charme macht er alles wieder gut. Es macht unglaublichen Spaß, ihn im Spiel mit den Hütehunden zu sehen (so lange kein Baum im Weg steht) und wie vorsichtig und freundlich er mit Menschen umgeht.

Solche Hunde wie Bosse braucht man viel häufiger: Macht auf dem ersten Blick eine Menge her, ist aber freundlich und sozial. Und bis die anderen gemerkt haben, dass er wirklich nicht besonders schlau ist, hat man die Hundewiese längst verlassen.

Good Boy!

 

Der Termin zieht sich. Normalerweise komme ich mit der geplanten Stunde ganz gut hin, doch meine Kundin stellt sich als außerordentlich schwierig dar.

Bisher konnte ich kaum etwas dahingehend herausfinden, warum ich eigentlich hier bin.

Dafür jede Menge privates, nein, intimes über sie, über ihr Leben und sich ständig wiederholende, sehr persönliche Fragen an mich, die ich jedoch nicht beantworte.

Der Hund kommt nur am Rande vor und ich merke, ich bin nicht hier, um sie bei einem Erziehungsproblem zu beraten.

Vielmehr nutzt sie das Tier als Vorwand, um sich jemanden anzuvertrauen.

Sie ist tieftraurig, einsam und sie hat ernsthafte Probleme.

Und in ihrer tieftraurigen Einsamkeit vertraut sie mir Dinge an, die mich nichts angehen und bei denen ich ihr nicht helfen kann und will. Schlimme Dinge, ganz schlimme Dinge.

Ich bin Hundetrainer, kein Therapeut. Ich bin hier falsch.

Also schlage ich vor, dass wir mit dem Hund rausgehen. Frische Luft täte mir jetzt nämlich gut, außerdem mag ich das Gefühl nicht, mit ihr in ihren Räumen zu sein. Ich bereite meinen Abgang vor.

Also leint sie ihren Hund an und wir gehen auf die Straße.

Ich starte einen weiteren Versuch und frage sie, welches Problem sie mit ihrem Hund hat. Sie weicht aus, erzählt aus ihrer Vergangenheit, nun weiche ich aus und versuche, beim Hund zu bleiben.

Nach schier unendlich erscheinenden Eineinhalb Stunden entschließe ich mich, den Termin abzubrechen.

Es tut mir leid, aber ich glaube, nein, ich weiß, ich kann Dir nicht helfen.

Innerlich brülle ich sie an: „Mensch, such Dir professionelle Hilfe. Und wenn wir schon dabei sind, bitte bring dich nicht um, wenn ich gefahren bin.“

Aber ich spreche es nicht aus.

Vielmehr gebe ich ihr ein paar Erziehungstipps und schlage vor, dass sie mich anruft, wenn sie weiter trainieren möchte.

Ich weiß, dass sie das nicht tun wird, aber so gebe ich ihr immerhin eine Option und lasse sie nicht komplett verlassen zurück. Dabei hätte ich ein schlechtes Gefühl.

Sie macht einen ziemlich labilen Eindruck.

Auf dem Weg zurück stelle ich fest, dass ich mir nicht mal den Namen des Hundes gemerkt habe.

Dafür ihre höchstprivate Geschichte, die ich eigentlich gar nicht wissen wollte.

Ich hole mir bei „Junge“ einen Kaffee, sitze im Auto und höre Nachrichten.

Es ist ein merkwürdiges Gefühl. Da vertraut sich dir jemand völlig unbekanntes, jemand, den du nie vorher gesehen hast, plötzlich mit intimsten Details aus seinem Leben und traumatischsten Erlebnissen an.

Damit umzugehen, vor allem, sich nicht einnehmen zu lassen, ist eine riesige Herausforderung.

Nicht wenige fühlen sich geschmeichelt ob des vermeintlich entgegengebrachten Vertrauens und nicht wenige versuchen – weit außerhalb ihres eigentlichen Betätigungsfeldes – zu helfen.

Was unter Umständen fatal enden kann.

Nicht ohne Grund dauert eine fundierte therapeutische Ausbildung Jahre und selbst dann braucht es jede Menge Praxis, um komplexe psychische Probleme behandeln zu können.

In der Arbeit mit bissigen Hunden sage ich immer, dass wir am Auslöser arbeiten sollten und nicht mit dem Auslöser. Selbiges gilt für die Arbeit mit Menschen.

Glücklicherweise habe ich noch weitere Termine an diesem Tag, bei denen es um leinenpöbelnde, jagende oder schlicht unerzogene Hunde geht.

Trotzdem kaue ich am Abend noch lange am Gehörten rum.

Während meines Studiums war oft von Abgrenzung und Selbstschutz in der Arbeit mit Klienten die Rede.

Mit einer der Gründe, warum ich nie in dem Bereich gearbeitet habe war, dass ich genau mit diesem Thema so meine Probleme hatte, als ich noch jünger war.

Während eines Praktikums in einer Einrichtung für obdachlose Jugendliche hatte ich nichts besseres zu tun, als genau diese bei mir unterzubringen. Eine vermeintlich  „gute Tat“, die mich einen Fernseher und zwei Handys kostete. Dafür aber die Erkenntnis einbrachte, dass das mit der Abgrenzung doch eine gute Sache ist.

In Zeiten, in denen Hunde eine immer wichtigere Rolle im Leben ihrer Menschen spielen, werden wir als Hundetrainer immer öfter mit komplexen Problemen konfrontiert, die nichts mit Erziehung- oder Beziehungsproblemen zwischen Mensch und Hund zu tun haben.

Kein Wunder, dass es mittlerweile eine Fortbildung für Hundetrainer mit dem Titel „Häufige psychische Erkrankungen bei Kunden“ gibt.

Vor einigen Jahren fand ich mich übrigens schon einmal in einer Situation wieder, die mich lange nicht losließ.

Damals war ein Kind im Spiel, die völlig überforderte Mutter derart verwirrt, dass ein Gespräch nicht möglich war. Die Wohnung in einem Zustand, der für Mensch und Tier nicht haltbar war.

Im Anschluss an dieses Debakel rief ich nach einigem Zögern beim Jugendamt an und schilderte die Situation.

Ich wollte ob des Gesehenen nicht diejenige oder gar eine weitere Person sein, die tatenlos zusah wie die kleine Familie verwahrloste.

Was daraus wurde? Ich weiß es nicht.

Und ich bin auch froh darüber, wenn ich ehrlich bin.

 

„Unglücklich verliebt zu sein, ist wie ein Beinbruch – bist Du jung, ist es nach ein paar Wochen wieder vergessen, bist Du älter, dauert es ewig, bist Du wieder auf die Beine kommst.“

Monika zog an ihrer selbstgedrehten Zigarette, nahm einen Schluck Bier und schaute über die Ostsee hinweg auf die Wolken, die sich langsam zuzogen: „Weißte, Menschen wie wir brechen uns selten die Beine, aber wenn, dann humpeln wir den Rest unseres Lebens.“

Monika war meine Ostseebekanntschaft, eine kleine, pummelige Dame, vermutlich so um die Siebzig. Sie verdiente ihr Geld als Haushälterin in einer völlig heruntergekommenen Herberge für feierwütige Biker und nicht weniger feierwütige Dänen auf Fehmarn, in der ich untergekommen war, weil ich eine möglichst günstige Unterkunft gesucht hatte.

Günstig war meine „Ferienwohnung“ tatsächlich und die Tatsache, dass ich sieben Hunde ohne Aufpreis mit hinein nehmen durfte, ließ mich vergessen, dass es sage und schreibe ein Klo für vierzehn „Appartments“ gab und Bettwäsche im Gegensatz zu den Hunden fünf Euro am Tag kostete.

Die grauhaarige Herbergsmutti und ich hatten uns angefreundet, als ihr kugelrunder Shitsu eines Morgens meine Hunde umbringen wollte, als ich versuchte, mit ihnen halbwegs unbemerkt durchs Siebzigerjahretreppenhaus an die frische Luft zu gelangen.

Wir kamen ins Gespräch, sie erklärte mir, wie ich einen Strand finde, an dem keine „Windjacken“ – so nannte sie die Touristen – zu finden seien und machte mir einen Kaffee.

Am Abend vor meiner Weiterreise trafen wir uns zufällig am Strand, ich wunderte mich etwas über ihren Dosenbiervorrat, freute mich aber, dass sie bereit war zu teilen.

So saßen wir da, es wurde langsam dunkel und sie erzählte mir von Bikern, Dänen und ihrem Leben, nur unterbrochen vom Gekläffe ihres Shitsus, der Touristen augenscheinlich genauso verachtete wie sie.

Früher, da war alles anders auf der Insel, erklärte sie. Was genau anders gewesen sein soll, konnte ich nicht ganz nachvollziehen, bis sie begann, von Hans zu erzählen.

Hans hatte einen Rottweiler und ein Motorrad, mit dem er Monika immer abgeholt hatte und mit ihr nach Petersdorf gefahren sei.

Außerhalb der Urlaubssaison sei dort kaum jemand anzutreffen. Monika und ihr Hans waren zu der Zeit jung und verliebt gewesen. Stundenlang seien sie auch beim schlimmsten Sturm spazieren gegangen, haben sich über alles mögliche und unmögliche unterhalten, um dann schließlich in Hans kleiner Wohnung in Puttgarden zu landen und Dinge zu tun, die hier nicht hingehören und die ich so genau auch gar nicht wissen wollte.

Während Monika so von ihrer Jugend berichtete und sich in meinem Kopf ganz merkwürdige Bilder zu festigen drohten, unterbrach sie abrupt ihren Redeschwall und schwieg.

Sie drehte sich wirklich gekonnt einhändig eine Zigarette und kramte mit der anderen Hand ein riesengroßes Altfrauenportmonee hervor.

Aus der Geldbörse nahm sie ein verblichenes Foto mit gezackten Rändern, wie sie in den 1970er Jahren mal in Mode waren und deutete auf den großen, spindeldürren Mann, der eine kleine, schlanke junge Frau im Arm hielt. „Das waren wir“, sagte sie und schaute mich an, als wenn sie eine Antwort erwarten würde. Also antwortete ich „Ihr ward ein schönes Paar“, um sie zufrieden zu stellen.

„Papperlapapp“ entgegnete sie schnippisch, packte das Bild zurück und nahm einen Schluck Bier.

Am Horizont tauchten zwei „Windjacken“ auf, der Shitsu rannte ihnen beherzt entgegen und kläffte sie besorgniserregend an.

Die männliche Windjacke rief Monika zu, dass sie doch bitte den Hund zurückrufen möge, was sie ignorierte und mit ihrer Geschichte fortfuhr.

Irgendwann war Hans weg, erst geistig, dann irgendwann auch körperlich. Nach Hamburg sei er gegangen, die Insel sei ihm zu eng geworden.

Dort habe er sich neu verliebt, was ihr geblieben war, war Hans‘ Rottweiler. Ironischerweise ein Hund, der fremden Männern nicht viel abgewinnen konnte, vielleicht einer Gründe, warum Monika sich nie mehr verliebt hatte. Vielleicht hatte sie aber auch recht mit ihrem Vergleich. Wer riskiert schon einen weiteren Beinbruch, wenn der alte niemals abheilt.

Die Hauptstadt von Fehmarn heißt Burg und als ich vor meiner Reise noch einen Termin wahrnehmen wollte, machte ich dort kurz halt. Ich war recht früh dran, der morgendliche Kaffee bei Monika musste ausfallen, weil sie den Rasen mähen musste und so entschied ich mich dazu, am „McDrive“ zu halten und mir einen Kaffee zu bestellen.

Da der junge Mann am Schalter mich warten ließ, dachte ich mir, sei umweltbewusst und gönne dem Vierlitervausechs eine kurze Pause. Der Jeep, den ich mir im letzten Jahr eher aus einer Schnapslaune heraus gekauft hatte, ist knapp Achtundzwanzig Jahre und damit eigentlich viel zu alt, um mich tausende von Kilometern quer durch die Republik zu karren. Außerdem benötigt er nur um Anzuspringen Benzin im Wert einer guten Flasche Rotwein. Aber da das Vernunftauto Anfang des Jahres auf der A7 von einem LKW erlegt wurde, muss das alte Schlachtross noch eine Zeit lang funktionieren.

Dafür, dass mein Auto aus den USA kommt, verfügt es über durchaus britischen Humor. Und so bekam ich endlich meinen Kaffee, wollte losfahren und … der Vierlitervausechs sprang mitten im McDrive nicht mehr an.

Ein kurzer Blick auf die Batterieanzeige bestätigt, dass ich jemanden brauche, der mir Starthilfe gibt, glücklicherweise weiß ich um den Zustand meines Fahrzeugs und habe alles nötige dabei.

Wenn ich mit Hütehunden arbeite, lege ich immer großen Wert darauf, dass sie Frustrationstoleranz lernen und mit Stress gelassen umgehen können.

Interessanterweise lässt sich dieses Prinzip recht einfach auf Menschen übertragen, die im McDrive hinter einem liegengebliebenen Auto warten.

Hierbei konnte ich zwei entgegengesetzte Verhalten beobachten:

1. Eigentlich würden wir gerne weiter fahren, geht aber nicht, weil da ein Jeep im McDrive steht.

2. Das heißt noch lange nicht, dass wir dem Typen mit dem Jeep helfen. So dringend ist der unter 1. formulierte Wunsch dann doch nicht.

Nachdem mir ein junger Familienvater in einem scheußlichen Hemd glaubhaft versichert hatte, dass mein Jeep seinen Familienkombi im Falle des Überbrückens qualvoll töten würde, drei Dänen so taten, als ob sie kein Englisch könnten und mir alle McDonalds-Angestellten erklärt hatten, dass sie mit dem Fahrrad zur Arbeit kämen, rief ich schließlich den ADAC.

Nur 45 Minuten und vier Autos mehr in der Schlange hinter mir, kam der „gelbe Engel“ und der Pannenhelfer brachte nicht nur mein Auto zum Laufen, sondern machte mir gleich auch ein Kaufangebot.

Am Abend, nach einem sehr interessanten Termin mit einem „Du kommst hier ned rein“-Mini-Aussie verließ ich Fehmarn und machte Halt in Kiel, des schleswig-holsteinschen Landeshauptstadt.

Kiel ist so etwas wie das Duisburg des Nordens. Nicht besonders hübsch, teilweise ziemlich abgeranzt, aber irgendwie recht charmant. Und die Kieler an sich verfügen über einen großartigen Humor – anders kann ich mir nicht erklären, dass überall in der Stadt Plakate mit der Aufschrift „Kiel – Sailing City“ hängen und jeder, aber auch jeder Kieler mir versicherte, wie schön es hier sei.

Die Kieler Innenstadt wurde im zweiten Weltkrieg weitestgehend verwüstet und so haben die Stadtväter in den 1950er Jahren wohl entschieden, aus Kiel so etwas wie ein urbanes Labor für architektonische Folter zu errichten.

Sobald man jedoch das Zentrum hinter sich lässt, findet man wirklich schöne Plätze. Ich verlor mich ein bisschen im Gedanken und beschloss mit dem Auto die Gegend zu erkunden – außerdem wollten meine Hunde raus.

So fuhr ich von Ottendorf nach Quarnbek, bis ich schließlich in und dann am Westensee ankam.

Dort konnten meine Hunde genügend Wasser in sich aufsaugen, um das Interieur des Autos nachhaltig zu versauen. Am See entlang ging ich eine Zeit lang durch den Wald, bis ich eine rauchen wollte und feststellte, dass ich meine Zigaretten im Auto hatte liegen lassen. Unmittelbar danach stellte ich fest, dass ich eigentlich alles im Auto hatte liegen lassen. Und das Auto noch mit offenen Türen an einem Straßenrand stand. Scheiß Kopfkino. Der Rückweg zum Jeep gestaltete sich deutlich schneller, ich weiß nicht, ob es der Drang nach einer Zigarette war oder die Sorge um mein Notebook, das für jeden frei zugänglich auf dem Beifahrersitz lag.

Den Vierlitervausechs verriegelt und die Zigaretten eingesteckt, lief ich mit den Viechern durch Westensee und fand ein Haus mit einem Schild „Zu verkaufen“ darauf. Ich schaute mich um, denn ich habe jemanden versprochen, wegzuziehen. Schließlich traf ich auf eine ältere Frau der Sorte „neugierig und frustriert“, die mich sofort darauf aufmerksam machte, dass so viele Hunde hier in der Nachbarschaft bestimmt nicht erwünscht seien.

Ich fand das saukomisch, entschied aber, dass ich ihrem Wunsch nachkommen würde und setzte meine Erkundungstour fort.

Krummwisch ist meiner Meinung nach einer der witzigsten Orte überhaupt, sieht zwar auch nicht anders aus als anderswo, aber der Name ist schon cool.

In Bredenbek wurden wir von einem Hund verfolgt, der und lautkläffend klarmachte, dass wir sowas von gar nicht willkommen sind und in Ostenfeld wurde mir klar, warum es Westensee gibt.

Als es langsam später wurde und ich merkte, dass ich nahezu eine halbe Tankfüllung in den Ether geblasen hatte, nur um mich umzusehen, beschloss ich, mit meinen Hunden noch mal ans Meer zu fahren. Kann ja nicht so weit weg sein.

Eine kurze Irrfahrt über eine malerische Autobahn brachte mich nach Kiel Gaarden – laut Google Maps sollte hier das Meer sein, das was ich vorfand war jedoch eher so eine Art mystischer Ort, an den sich Baumärkte zum Sterben zurückziehen.

Also kehrte ich um und fuhr über Kronshagen und Altenholz an einen Ort, dessen Namen ich vergessen habe.

Langsam dämmerte es und ich fand tatsächlich einen Parkplatz an einem Strand, an dem sich außer mir und meinen Hunden niemand befand.

Ich ließ die Hunde Hunde sein, setzte mich auf einen Stein und musste an Monika denken und wie sie sagte, dass die Insel sich verändert hätte.

Klar, es kommen Häuser hinzu, andere Häuser verschwinden und da wo früher der Tante-Emma-Laden war, in dem wir für 10 Pfennige Süßigkeiten gekauft haben, ist heute ein Ein-Euro-Laden. Doch in Monikas Fall war es das Gefühl, jung und verliebt zu sein, das die Insel mit Hans verlassen hatte und statt Träumen, Zukunft und Freiheit nur Gebäude, Straßen und schlechtes Wetter hinterlassen hatte.

Dort, wo wir früher über unsere Zukunft phantasiert haben, wo wir Fußballprofis, Astronauten, Ballerinas oder Superstars waren, steht heute eine Bushaltestelle und wir sind Sparkassenangestellte, Versicherungskaufleute, Friseurinnen oder Hotelfachfrauen.

Und dort, wo wir früher die große Liebe gefunden und dann verloren haben, finden wir heute heraus, dass das Bein nicht mehr schmerzt.

Einige Zeit später, ich saß im Auto Richtung Süden, stellte ich fest, dass ich etwas suche – ich weiß nicht genau was, aber es findet sich am Meer.

Monika, keep Calm & carry on!

Wenn man sein Geld damit verdient, anderen etwas zu erzählen, dann ist es von Vorteil, wenn das Gegenüber auch hören möchte, was man man zu sagen hat.

Jeder von uns kennt das. Wir gehen in ein Geschäft und möchten lediglich schnell irgendetwas besorgen und plötzlich steht sie da – eine überambitionierte Verkäuferin mit Beratungsauftrag, die sich fest vorgenommen hat, dafür zu sorgen, dass man das Geschäft als glücklicher Kunde wieder verlässt. Ob man will oder nicht.

Manchmal kann so etwas sehr charmant sein. Zum Beispiel als ich mal für eine Freundin „schnell“ einen Mascara kaufen sollte und die Angestellte der Drogerie mich in ein zwanzigminütiges Verkaufsgespräch reinzog – in der irrigen Annahme, dass der Kosmetikartikel für mich sei.

Als ich wieder in mein Auto stieg war ich um zwei Erkenntnisse reicher. Erstens, dass ich eher der „Volumentyp“ bin, weil ich über ausgesprochen lange Wimpern verfüge und zweitens, dass hessische Drogerieangestellte deutlich weltoffener sind als ich dachte.

Meistens jedoch nervt eine solche Zwangsberatung einfach nur und fühlt sich an, wie wenn man mit Norovirus im Fahrstuhl stecken bleibt.

Als mal mein Telefon klingelte und eine Sabine mir erzählte, dass Moritz, der Retriever total unerzogen sei, an der Leine ziehe und Essen klaue, da dachte ich, ich hätte einen Beratungsauftrag und vereinbarte einen Termin.

Als ich zum besagten Termin dann auftauchte wurde ich eines besseren belehrt. Denn von Sabine war weit und breit nichts zu sehen. Statt dessen öffnete mir Hagen die Tür, ein wahrhaft großer, vollbärtiger Mann mit diversen Tätowierungen, die auf eine bewegte Vergangenheit hinwiesen und der mir erklärte, dass Sabine seine Ex-Frau sei und ihm mittels im Voraus bezahlten Einzeltraining wohl etwas gutes tun wolle. Oder ihn foltern, je nach Sichtweise.

Da es, wie eingangs erwähnt nichts unangenehmeres gibt, als gegen wider freien Willens beraten zu werden, bot ich zugegebenermaßen zähneknirschend an, dass ich Hagen die gezahlten Stunden zurückgeben könne, doch der Hühne antworte, wenn ich schon mal da sei, könne ich auch reinkommen.

Moritz, der Retriever und Hagen lebten in einem kleinen Haus, vielmehr einer großen Hütte direkt am Wald.

In seinem früheren Leben handelte Hagen mit „Kram“, welcher Kram genau das gewesen sei, wollte er mir nicht erzählen.

Als die Ehe mit Sabine in die Brüche gegangen ist, ist er hierher gezogen und genießt seitdem die Ruhe. Denn Sabine, so versicherte er mir, könne einen schier in den Wahnsinn treiben, so nett wie sie ja sei.

Weil er keine Lust mehr auf den Handel mit Kram hatte, und weil er die Ruhe sehr schätzte, war Hagen von nun an viel im Wald unterwegs. Und weil er schonmal da war, begann er, die Tiere zu katalogisieren, die er hier traf. Und weil der Hochtaunuskreis noch ein paar öffentliche Mittel im Budget hatte, die dringend weg mussten, wurde Hagen seit einiger Zeit dafür bezahlt, dass er mit Moritz im Wald unterwegs war und Tiere katalogisierte.

Denn bei Tieren, da wurde der tätowierte Rocker zum Softie.

„Zeig mir irgendeinen Typen und ich verteil den auf dem Platz. Aber bei Tieren, da bin ich ein Weichkeks“, so Hagen.

Moritz, der Retriever war, wie von Hagens Ex-Frau beschrieben, wirklich nicht besonders gut erzogen. Aber das war Hagen egal. Denn Moritz war wirklich ein netter Kerl. Und ein echter Kumpel, mit dem man Pferde stehlen konnte. Was Moritz jedoch auch tat, wenn Hagen nicht aufpasste. Klar, er zog an der Leine, klaute wie ein Rabe und machte sich auch gerne mal selbstständig, wenn die beiden im Wald unterwegs waren.

Aber alles in allem, so Hagen, habe er überhaupt kein Problem mit seinem Hund.

Bei unserem zweiten Treffen, denn so ein bisschen Gesellschaft sei ja was nettes und wenn die Ex-Frau eh zahlt, offenbarte mir Hagen, dass er mit seinem Hund mal einen Erziehungskurs beim örtlichen Hundeverein besucht hätte.

Hagen betrat mit Moritz den Platz, schaute sich ein „Mensch-Hund-Team“ an, dass gerade ziemlich strebermäßig einige Übungen für die Begleithundeprüfung absolvierte und dachte sich, Mensch, das kann Moritz auch.

Worauf er sich neben seinen Hund kniete und ihm zum Erstaunen der Anwesenden motiverend ins Ohr flüsterte: „Moritz, guck dir das gut an, das kriegst du auch hin.“

Moritz sah das naturgemäß anders und so erklärte Hagen der Trainerin, dass Moritz so ein Kadavergehorsam doch eher peinlich sei. Und überhaupt, für alle Beteiligten sei es doch von Vorteil, auch für das eigene Ego, wenn einer der Hunde freiwillig die rote Laterne in Sachen Gehoram übernehmen würde.

„Die haben mir mein Geld zurückgegeben“ hielt Hagen fest.

Nur eine Sache, die war Hagen wichtig.

Abends, wenn es dunkel wurde im Wald, da musste Moritz ruhig sein. „Denn dann wollen die Vögel schlafen“, erklärte er und strich sich durch seinen Bart. „Und die wollen wir ja nicht wecken.“